Blog Clickonoff

„Offenbach ist nicht toll, aber liebenswert“

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Lilian Landesvatter und Paul Belba werfen ein Auge auf das scheinbar Selbstverständliche in einer aufregenden Stadt, deren Geschichten, wie sie sagen, „einfach unerschöpflich“ sind.

Offenbach - Vor allem ältere Menschen dürften mit dem Begriff Blog wohl nicht allzu viel anzufangen wissen. „Es ist wie eine kleine Zeitung oder ein Tagebuch, nur im Internet“, würde ihnen Lilian Landesvatter erklären. Von Sabrina Kristen

Die 24-Jährige hat mit dem 26-jährigen Paul Belba den Blog „Clickonoff“ (zu Deutsch: ein- und ausschalten) ins Leben gerufen. Den beiden Offenbachern kam im vergangenen Jahr die zündende Idee, etwas Kreatives auf die Beine zu stellen. „Gleich am Anfang stand fest, dass wir uns mit allem Möglichen, was die Stadt betrifft, beschäftigen wollen“, sagt Belba, der in Frankfurt Soziologie studiert.

Gleichwohl war ihre Sympathie für die Lederstadt nicht immer vorhanden. So war es für Landesvatter, die zwischenzeitlich in Stuttgart und München lebte, wenig reizvoll, nach Offenbach zurückzukehren. „Danach änderte sich meine Einstellung aber komplett. Es gibt soviel zu entdecken und zu erleben“, findet die 24-Jährige, die Volontärin in einer Frankfurter PR-Agentur ist.

Bei „Clickonoff“ wollen die beiden Kreativen das Besondere aus dem alltäglichen Leben hervorheben. „Oft werden Sachen einfach als selbstverständlich hingenommen, da man sie täglich sieht. Aber wir wollen nicht, dass diese untergehen, sondern sie hervorheben“, sagt Belba. Da sie sich für ihren Blog keine Grenzen setzen, sind die Themen vielfältig. Über kleinere Geschäfte wie die Fahrradgesellschaft oder einen orientalischen Supermarkt wird genauso berichtet wie über die Schiffsanleger am Main, die Mormonen oder das ehemalige Tambourbadareal. Landesvatter und Belba setzen sich aber ebenso mit aktuellen Themen auseinander und befragen dazu Passanten. Angefangen hat alles mit einem Ideenaustausch, danach machten sich die Freunde an die technische Umsetzung.

Im Hafen auf Entdeckungstour

Bei der Gestaltung ihres Blogs waren sie sich schnell einig. Die Kreation eines aussagekräftigen Logos beanspruchte schon wesentlich mehr Zeit. Aber dank wertvoller Tipps einer Studentin der Hochschule für Gestaltung konnten Landesvatter und Belba in kürzester Zeit online gehen. Ein Hobby von Belba ist die Fotografie – dementsprechend kam die Rubrik „Wallpaper Wednesday“ zustande. Dabei werden immer mittwochs Bilder rund um Offenbach veröffentlicht. Auch sonst sind viele grafische Darstellungen bei „Clickonoff“ zu finden. „Schließlich sind Bilder für die Online-Nutzung das A und O“, findet Landesvatter.

Bevorzugt halten die beiden Blogger sich am Hafen auf. „Der ist einfach ideal, um spazieren und auf Entdeckungstour zu gehen.“ Außerdem sind sie gern am Wilhelmsplatz und hegen keine Vorbehalte gegen die Innenstadt. Als hässlichste Ecke Offenbachs betrachtet Landesvatter seit kurzem die Ziegelstraße. „Da müsste dringend etwas gemacht werden. Neulich hab ich mich da nachts ohne Begleitung ganz schön gegruselt.“

Belba wiederum ist zwar mit seiner Heimat zufrieden, nur über einen Aspekt ärgert er sich doch: „Den unachtsamen Umgang mit kulturellen Einrichtungen wie dem Hafen 2 kann ich nicht nachvollziehen. Generell wird zu wenig Geld aufgewendet.“ Dennoch wollen die beiden Freunde Offenbach nicht so schnell den Rücken kehren. Auch wenn sie für sich selbst einen Umzug in andere Städte generell nicht ausschließen.

Für ihren Blog haben sie allerdings noch jede Menge Ideen, die sie umsetzen wollen. „Offenbach und seine Geschichten sind einfach unerschöpflich.“ Ein Großteil der Artikel entsteht nicht nach langer Planungsphase, sondern sie schnappen sich spontan das Rad und fahren durch Offenbach. Tipps aus dem Freundeskreis nehmen die Blogger gern entgegen. „Offenbach hat unglaublich nette und offene Menschen. Es ist zwar nicht toll, aber liebenswert.“

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