Austausch in China

Die blonden Haare bewundert

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Sie fällt auf mit ihren Haaren und der europäischen Nase. Und doch hat sich Anna-Katharina Kothe bei ihrer herzlichen Gastfamilie und auch in der Gastschule schnell eingelebt. Erfahrungen, die die 17-Jährige geprägt haben. Sie will wieder nach China.

Offenbach - Ein Jahr ins Ausland – für viele junge Leute eine spannende Option, bei der sie sich „social skills“, eine wichtige Anforderung für den heutigen Arbeitsmarkt, aneignen. Von Jonas Diebold

Die 17-jährige Offenbacherin Anna-Katharina Kothe hat sich ein ganz besonderes Ziel ausgesucht: China. Unterstützt wurde die Reise der jungen Offenbacherin vom Verein AFS – interkulturelle Begegnungen. Das älteste deutsche Austauschprogramm ist verlässlicher Partner der Jugendlichen gewesen und hat ihrem Abenteuer die nötige Orientierung und Organisation verliehen.

Der Verein schickte bereits 1948 seinen ersten Schüler in fremde Gefilde. AFS ist der American Field Service, eine ursprünglich gemeinnützige Organisation, die in den Weltkriegen die Verletzten versorgte und somit kulturelle Grenzen vergessen ließ. Nach der Idee dieser Völkerverständigung gründete sich das heutige Austauschprogramm, um Schüler verschiedener Nationen und Kulturen miteinander zu vernetzen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Vorurteile zwischen Kulturen und Lebensweisen

Dass viele gegenseitige Vorurteile zwischen Kulturen und Lebensweisen bestehen, erfuhr auch Anna-Katharina Kothe. „Wir Deutschen trinken nicht von morgens bis abends in Dirndl und Lederhose Bier“, sagt sie mit Bezug auf gängige chinesische Vorstellungen über Deutschland. „So wie nicht alle Chinesen Reis essen, ständig eine Kamera in der Hand halten und höchstens 1,50 Meter groß sind. Und auch Hitler ist schon lange tot.“

Anna-Katharina Kothe tat das Ihre, um diese Vorurteile während ihres Auslandsjahrs zu beseitigen. Ihre Zeit in Nanjing im Osten Chinas bezeichnet sie als „die beste Zeit meines Lebens“. Verständlicherweise sorgte sie als Deutsche in einer chinesischen Schule für Aufsehen, ihre Mitschüler bewunderten ihre blonden Haare, die blauen Augen und die europäische Nase. „Eine der ersten Fragen an mich war, ob man wirklich so schnell Auto in Deutschland fahren dürfe“, berichtet sie. Und davon, dass sie von Anfang an mit offenen Armen empfangen und von ihrer Gastfamilie wie eine eigene Tochter behandelt wurde. „Ich habe mich schnell an die neue Kultur gewöhnt, in der Konflikte ausgesessen werden und beim Lachen die Hand vor den Mund gehalten wird.“

Alle möglichen Probleme

Auf alle möglichen Probleme war Kothe vom AFS vorbereitet worden. Der Verein organisierte die notwendigen Sprachkurse, auch während des Aufenthalts in Fernost. Die Austauschschüler wurden in speziellen Kursen auf die neue Kultur vorbereitet und hatten im Ausland einen ständigen Ansprechpartner für individuelle Anliegen. An- und Abreise, Aufenthalt, Vermittlung, Versicherungen und laufende Kosten zahlten Kothes Eltern in einem einmaligen Festpreis.

„Die AFS hat durch diese Organisation eine große Last von uns genommen“, berichtet die Austauschschülerin. „Das heißt nicht, dass ein Auslandsjahr ein Jahr Urlaub ist“, ergänzt sie. Von jedem Schüler war Selbstständigkeit gefordert, damit die Eingliederung in die neue Familie und der Kontakt zu den Mitschülern gelang. Das hat bei Anna-Katharina Kothe so gut geklappt, dass sie einige chinesische Verhaltensweisen nach Deutschland mitgenommen hat. Sie sehnt sich zurück nach China.

Fernweh hat bald wieder ein Ende

Doch das Fernweh hat bald schon wieder ein Ende: Dank ihrer eher zufällig zustandegekommenen Teilnahme an dem internationalen „Hyun-quia“-Wettbewerb des Konfuzius-Instituts und des chinesischen Verlags Han Ban darf sie in diesem Monat schon wieder in ihre zweite Heimat fliegen. Das Aufsehen ist groß, sogar das chinesische Fernsehen ist dabei. Dort wird sie in heimischer Tracht einen Vortrag auf Chinesisch halten, das Streichinstrument Erhu spielen und Fragen zur Landeskunde beantworten.

Informationen zur Bewerbung und zum Austauschprogramm: www.afs.de.

Jeder Schüler, der auch das Abenteuer Ausland eingehen will, hat die Chance, sich beim AFS für einen Auslandsaufenthalt zu bewerben. Die Bewerbungsphase läuft noch bis Anfang des neuen Jahres. 50 Länder stehen zur Auswahl. Nach der Bewerbung geht’s zu einem Auswahlwochenende, und dann kann es vielleicht schon bald los gehen. Die Schüler können sich entweder für ein halbes oder ein ganzes Jahr bewerben.

Anna-Katharina Kothe freut sich jedenfalls schon, nach ihrem Abitur im kommenden Jahr ihrer Mutter das grüne Nanjing zu zeigen. China – vielleicht eine Liebe fürs Leben.

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