Bloß nicht im Auto verstecken

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Projizierte den meteorologischen Teufel an die Leinwand: Tornado-Experte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst bei der Blauen Stunde im Wetterpark.

Offenbach - „Die blaue Stunde“ im Wetterpark gehört mittlerweile zu den etablierten und beliebtesten Veranstaltungen in Offenbach. Und auch am Freitag war der Besucherandrang groß, als wieder ein Experte über Umwelt und Wetterphänomene sprach. Von Veronika Szeherova

Klappstuhl an Klappstuhl reihte sich aneinander. „Das Wetter zeigt sich heute Abend von seiner schönsten Seite“, bemerkte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Dass es auch ganz anders sein kann, war fast unvorstellbar.

Und doch brachte Friedrichs Vortrag ein alles andere als angenehmes Wetterphänomen näher: Tornados - „das Extremste, was in der Atmosphäre passieren kann.“ Seit 25 Jahren beim Deutschen Wetterdienst, hat sich Friedrich 2004 auf die Tornadoforschung spezialisiert.

Und er warnte sogleich: „Tornados sind kein Phänomen, das uns in Deutschland nicht betrifft. Auch hier können sie verheerende Schäden anrichten.“ Bloß sei die Wahrscheinlichkeit eines mächtigen „Twisters“ hierzulande kleiner als beispielsweise in den USA, wo insbesondere die Gegend um Oklahoma gefährdet ist. Zur Einleitung gab es denn auch beeindruckende Fotografien aus dieser Region. Zu verdanken sind solche Dokumente so genannten Stormchasern, Filmern und Fotografen, die keine Gefahr scheuen, die extremen Wettererscheinungen festzuhalten. Und ein Film hielt auch die Geräusche fest. Wie ein rollender Güterzug…

Friedrich zählte einige Tornados auf, die nicht spurlos an Deutschland vorbeigezogen sind: 2004 in Micheln, im selben Jahr im Raum Duisburg und 2006 in Hamburg, wo es zwei Todesopfer gab. 1968 tobte ein F4-Tornado über Pforzheim - die Fujita-Skala geht je nach Stärke der Windhose von F1 bis F5 - und forderte ebenfalls zwei Todesopfer und über 200 zum Teil lebensgefährlich Verletzte.

F5-Tornados erreichen eine Rotationsgeschwindigkeit von über 500 Stundenkilometern“, erklärte der Meteorologe. „Zum Glück erreichen nur ein bis zwei Prozent der weltweiten Tornados diese Stärke.“ Dabei ist die Rotationsgeschwindigkeit nicht zu verwechseln mit der Fortbewegungsgeschwindigkeit, diese liegt meist nur bei 30 bis 60 Stundenkilometern. „Man kann einem Tornado also recht gut ausweichen“.

Das ist auch das Beste, was man im Ernstfall tun kann. Sich wie bei Gewitter im Auto zu verkriechen, sei völlig verkehrt. „Falls man nicht ausweichen kann: am besten weit unten in einem Gebäude Zuflucht suchen.“ Rein statistisch gibt es in Deutschland alle 100 Jahre einen verheerenden Tornado. „Theoretisch wäre es wieder an der Zeit“, so Friedrich. Zum Glück wissen Windhosen nichts von Statistiken.

Das Problem an Tornados ist, dass sie praktisch fast nicht vorherzusagen sind. „Wettersatelliten und Radare können sie leider nicht erfassen“, erklärte der Windforscher. „Daher sind wir beim Wetterdienst angewiesen auf Beobachtungen aus der Bevölkerung.“ Man arbeite eng zusammen mit dem ADAC und der Feuerwehr sowie mit „Skywarn“. Diese Organisation mit ehrenamtlichen Helfern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beobachtet verdächtige Wolkenbildung ganz genau. Großes Vorbild im Bereich der Tornadoforschung seien die USA mit ihrer Technik und dem „integrierten Warnmanagement“, das neben privaten und staatlichen Wetterdiensten auch Medienanstalten beinhaltet. Doch auch dort sei man „froh, wenn man eine Warnzeit von einer Stunde hat.“

Hier kann man auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes Unwetter und Beobachtungen melden.

Bei Warnsignalen verhält es sich ähnlich wie mit Gewittern, an deren Wolken die Tornados gekoppelt sind: „Mehrere meteorologische Umstände müssen zusammenkommen“, weiß Friedrich. Ein junger Tornado habe noch nicht den typischen „Rüssel“. Aber wenn die Wolken kreisförmig aussehen, mit einem rotierenden Luftwirbel, kann das ein erster Hinweis sein. Diese sollen am besten dem Deutschen Wetterdienst gemeldet werden.

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