Blumen-Fuchs schmeißt hin

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An Heiligabend wird Erich Fuchs das letzte Mal seinem Stand auf dem Wochenmarkt aufbauen. Der Händler gibt auf. Wegen großer Umsatzeinbußen und Widrigkeiten nach der Umgestaltung des Wilhelmsplatzes, lohne sich eine Investition in einen neuen Laster nicht mehr, glaubt Fuchs.

Offenbach ‐ Nach 20 Jahren auf dem Wochenmarkt nimmt Erich Fuchs seinen Hut. An Heiligabend wird er seine Ware zum letzten Mal auf dem Wilhelmsplatz anbieten. Dann hängt er den Job an den Nagel. Von Simone Weil

Jahrelang hat die Kundschaft bei dem markanten Mann mit Kopfbedeckung und Zigarillo Stauden, Blumen und Topfpflanzen erstanden. Gravierende Umsatzrückgänge hätten ihn jetzt zu dieser Entscheidung gezwungen, so der 49-Jährige, der auch noch auf Märkten in Hanau und Mühlheim vertreten ist. Zwar seien auf den meisten Wochenmärkten Einbußen zu verzeichnen. Doch für ihn seien in Offenbach, wo mit drei Markttagen sein Hauptgeschäft gelaufen sei, unerfreuliche Aspekte hinzugekommen.

„Wie soll ich denn zum Beispiel das in meinen Stand integrieren?“, fragt Fuchs und zeigt auf eine Sitzbank, einen Mülleimer und sieben Fahrradständer. Bei diversen Stellen der Stadtverwaltung habe er nachgefragt, ob das denn so bleiben müsse. „Man hätte doch über eine Verlegung reden können oder ob es zum Beispiel möglich ist, klappbare Fahrradständer zu installieren.“ Auf einem Plan, den die Stadt sich von den Beschickern habe absegnen lassen, sei die vorgesehene Möblierung nicht erkenntlich gewesen, schimpft Fuchs. Doch alle möglichen Instanzen bis hin zu Oberbürgermeister Horst Schneider seien ihm in dieser Sache keinen Millimeter entgegengekommen. Auch ein Ortstermin habe keine Annäherung gebracht.

Darüber hinaus habe sich seine Stellfläche nach der Umgestaltung des Wilhelmsplatzes sowieso schon reduziert. Sein Verkaufskonzept aber habe davon gelebt, dass er seine bunte Blumenpracht im Sommer großzügig präsentieren könne, klagt der Geschäftsmann. „Wenn man immer nur drei Brötchen hinlegt, kauft keiner vier.“ Zu allem Überfluss hätte sein in den Marktstand integrierter Lastwagen auch noch weichen müssen. „Aus ästhetischen Gründen.“

Die unternehmerische Frage, ob es sich noch rentiere, in einen neuen Lkw zu investieren, sei für ihn hinzu gekommen. Wenn er alles gegeneinander aufrechne, komme er zu dem Schluss, „dass es keinen Sinn mehr ergibt“.

Im Übrigen seien Geschäft und auch Stimmung bei vielen Kollegen schlecht, sagt Fuchs. „Da werden noch einige das Handtuch werfen“, glaubt er. Der gelernte Bankkaufmann hat vor, sich beruflich neu zu orientieren. „Ich muss schließlich noch 16 Jahre arbeiten“, sagt der Familienvater. Was genau er künftig machen wird, weiß er nicht.

Sein Entschluss, aufzuhören, hat sich auf dem Wochenmarkt in Windeseile herumgesprochen, schließlich gilt der Ort auch als wichtiger Umschlagsplatz von Neuigkeiten. Deswegen verabschiedet sich bereits Kundschaft von dem Pflanzenverkäufer.

Auch in der Nachbarschaft bedauert man den Weggang des bei vielen Kollegen beliebten Geschäftsmannes. Gemüsehändler Günter Buxmann hält viel von dem Händler: „Man lebt auch von den anderen Ständen und Erich Fuchs hat mit seinen Blumen immer viel Kundschaft angelockt.“ Wenn ein so hilfsbereiter und im Verein der Marktbeschicker engagierter Kollege fortgehe, sei dies wirklich schade.

Auch Stadtpressesprecher Matthias Müller hält es für einen Verlust, wenn Fuchs seinen Stand für immer schließt: „Wir würden das bedauern. Er ist eines der wichtigen Gesichter des Wochenmarktes. “

Zur Kritik des Händlers an der Stadt sagt er: „Der Hauptkonfliktpunkt ist der Lkw, und das Problem existiert schon lange.“ Es sei schwierig, in diesem einem Fall eine Ausnahme zu machen. Über einen anderen Platz für den Marktstand lasse sich aber reden, das sei immer signalisiert worden: „Die Tür ist nicht zu.“

Der Stellplan sei ein hochkompliziertes Puzzle, bei dem es allerlei Animositäten zu beachten gebe. Allerdings sei immer kommuniziert worden, dass Wechsel unproblematisch möglich seien. Spätestens nach einem Jahr habe man prüfen wollen, was sich bewährt habe und was nicht. „Und eine Bank um fünf Meter zu versetzen, ist auch kein Problem“, meint Müller.

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