CDU-Stadtverordnete unzufrieden

Blumen sind Stadt zu teuer

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Keine Blumen mehr, vertrocknetes Gras beziehungsweise nicht aufgegangene Rasensaat: Besonders schön sieht der Platz momentan nicht aus, auf dem einst Biebers Rathaus stand.

Bieber - Für den Bieberer Patrioten, der die Einverleibung durch Offenbach noch nicht verdaut hat, ist die Stück Erde zwischen katholischer Kirche und Schule keine x-beliebige Grünfläche: Stand dort doch bis 1938 das Rathaus des freien Biebers. Von Thomas Kirstein

Um so mehr kann ihn der gegenwärtig trostlose Zustand des Areals schmerzen. Ein ummauerter Grundriss, ein Baum, ein Karree mit bescheidenem Gras, in dem sich ein kleineres Rechteck mit noch dürftigerem Bewuchs befindet. Auf der der Kirche und dem Pfarrhaus St. Nikolaus zugewandten Seite macht eine Steinplatte den Passanten schlau: „Hier stand bis zur Eingemeindung 1938 das Rathaus der Gemeinde Bieber. 1996 gestiftet vom Schuljahrgang 1925/26“. Im vergangenen Frühling und Sommer sah das Geviert wesentlich bunter aus, wirkte fröhlicher. 2015 fehlen die zuvor immer von der Stadt jahreszeitlich passend gepflanzten Blumen. Die CDU-Stadtverordnete Anja Fröhlich hat wissen wollen, warum die Fläche einen ungepflegten Eindruck bietet.

Sie erfährt vom Oberbürgermeister: „Wechselbepflanzungen“ mit Blumen wird’s dort wie im gesamten Stadtgebiet nicht mehr geben. Weil nämlich der Hessische Rechnungshof 2014 festgestellt habe, dass die Grünpflege in Offenbach vergleichsweise teuer sei, habe man Einsparmöglichkeiten gesucht. Das Bieberer Karree, so OB Horst Schneider, sei 2009 neu gestaltet, dann als Hundetoilette missbraucht und Buchsbäume immer wieder gestohlen worden. Wegen der Trockenheit sei Rasensaat nicht aufgegangen. Kleiner Trost des OB: Mit pflegeleichten Solitärsträuchern und gesteckten Blumenzwiebeln wäre das Areal aufzuwerten. Außerdem könnten sich die Nachbarschaft oder die Kirchengemeinde als Paten engagieren.

Wie werde ich...? Florist/in

Anja Fröhlich ist damit nicht zufrieden. Mit dem Paten-Vorschlag wolle sich der OB um die städtische Verantwortung für ein gepflegtes Ambiente rund um eine zentrale Stelle in Bieber drücken. Sein Hinweis, dieser Platz sei keine Schwerpunktfläche im Stadtteil, beweise, dass er keine Ahnung von der tatsächlichen und gesellschaftlichen Bedeutung dieser Örtlichkeit habe. Tatsächlich gebe es zwischen Grundschule und Kirche eine hohe Besucherfrequenz an allen Wochentagen. Anja Fröhlich listet auf: Schulkinder, Lehrer, Eltern, Kirchenbesucher, Hochzeitsgesellschaften, Gäste der Kulturgaststätte „Wiener Hof“ kommen dort entlang. Und dann eben die emotionale Seite: Man dürfe auch nicht vergessen, dass an dieser Stelle das von der Stadt Offenbach abgerissene Bieberer Rathaus stand, mahnt die Christdemokratin. „Jetzt an dieser Stelle die Bepflanzung einzustellen zeugt von einem lieblosen Umgang Horst Schneiders mit den Bieberer Befindlichkeiten.“

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