Diagnose Blutkrebs

Erzieherin Sandra hofft auf Lebensretter

+

Offenbach - Die Diagnose war für die 28-jährige Erzieherin aus Offenbach wie ein Schlag ins Gesicht: Blutkrebs. Auf einmal ist alles anders. Von Ronny Paul

Wo vorher noch das pure Leben blühte, schnürt sich ein Paket aus Schmerzen, Angst, Verzweiflung sowie Hoffnung und unbedingter Willenskraft weiterzuleben. Sandra hat doch noch ein ganzes Leben vor sich.

Und für dieses kämpfen Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen seit Wochen bei jeder Gelegenheit: Es gilt, einen passenden Stammzellenspender zu finden, ohne den die junge Offenbacherin nicht mehr zu retten wäre. Auch Geldspenden sind nötig, da allein eine Registrierung pro Person 50 Euro kostet. Am kommenden Sonntag veranstaltet Die Deutsche Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) in der Grundschule Buchhügel eine große Typisierungsaktion. Jeder Gesunde zwischen 17 und 55 Jahren ist zum Spenden aufgefordert.

Erzieherin im Kindergarten

Sandra arbeitet seit fünf Jahren als Erzieherin im Kindergarten der evangelischen Markusgemeinde an der Oberen Grenzstraße. „Unsere Kinder sind begeistert von Sandras Art“, schwärmt eine Kita-Mutter, die im Namen aller Eltern spricht: „Sie ist viel mehr als eine Aufsichtsperson. Sie nimmt die Bedürfnisse der Kinder nicht nur wahr, sondern auch ernst.“

Sandra sei eine ideale Erzieherin. „Sie kann herrlich herumalbern und knuddelt die Kinder, wo sie nur kann“, erzählt Leiterin Claudia Brockmann. Von den Eltern, ihren Kolleginnen und den Kindern wird sie gleichermaßen geliebt.

Nach der Diagnose beginnt für sie der Wettlauf gegen die Zeit. Das DKMS wird eingebunden. „Jeder engagiert sich für Sandra, wo er kann. Ich wünsche mir so sehr, dass ein Spender gefunden wird und all ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Sie ist ein so großzügiger Mensch und denkt immer zuletzt an sich selbst“, erzählt ihre Schwester Melanie, „ob Tag oder Nacht, sie ist immer für andere da. Jetzt braucht sie unsere Hilfe“. Privat hat Sandra noch viel vor. Gern würde sie mit ihrem Freund in die Wohnung ziehen, die er bereits eingerichtet hat. Als Kindernärrin möchte sie natürlich auch eine eigene Familie gründen. Und sie will einmal nach Kuba reisen. Momentan ist sie jedoch ans Krankenbett gebunden: „Sie kann nur kurze Wege laufen und ist dann schon total erschöpft. Sie darf auch nur vom engsten Kreis besucht werden“, erzählt Melanie.

Alles fing scheinbar relativ harmlos an

Dabei fing alles scheinbar relativ harmlos an. Seit Anfang des Jahres plagen Sandra immer wieder Erkältungen. Dann eine Entzündung am Auge und leicht erhöhte Leukozytenwerte. Zunächst nichts Beunruhigendes für jemanden, der täglich mit Kindern Kontakt hat. Doch die ständigen Schmerzen in den Beinen machen ihr das Laufen zunehmend schwerer. Massagen werden ihr verschrieben, sie bekommt Spritzen. Am Montag, 22. Juli, kommt sie mit unerträglichen Schmerzen und Fieber ins Stadtkrankenhaus.

Mehr Informationen zur Spende: www.dkms.de.

Kurze Zeit später folgt der Schock. Am folgenden Donnerstag konfrontieren die Ärzte nach einer Knochenmarkent-nahme mit der erschütternden Diagnose: Leukämie. Umgehend wird sie in die Uniklinik Frankfurt verlegt. Schnell ist klar: Nur ein passender Spender kann Sandras Leben noch retten. Doch die Suche nach einem Fremdspender verlief bislang weltweit erfolglos. „Wir hoffen, dass am Sonntag viele Menschen an der Aktion teilnehmen“, wünscht sich Melanie.

So wie der 24-jährige Tim aus Offenbach: Er ließ sich vor sechs Jahren registrieren und rettete vier Jahre später einer Landsmännin das Leben. „Es war weder anstrengend noch zeitintensiv, ich würde jederzeit wieder spenden“, bekräftigt er.

Mehr zum Thema

Kommentare