Böse Falle Wolfsangel

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Joachim Raabe ist der "Wappen-Dealer": In der Berger Straße verkauft er viele Textilien mit der stilisierten Wolfsangel, die seit Jahrhunderten für Bornheim steht als der Eischbaum für Offenbach.

Offenbach - Michael Honisch hat sein beschlagnahmtes Lieblingshemdchen mit der Post zurückbekommen. Auf die offizielle Mitteilung der Offenbacher Staatsanwaltschaft, dass das Ermittlungsverfahren gegen ihn eingestellt ist, wartet der Frankfurter aber noch. Von Thomas Kirstein

Er ist aber guten Mutes, nicht weiter wegen des Verdachts auf das „Tragen von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen“ verfolgt oder gar vor Gericht gestellt zu werden. „Ich gehe mal ganz fest davon aus, dass nichts nachkommt“, sagt er.

Es ist ja auch zu dumm, was ihn in Konflikt mit der Offenbacher Polizei brachte. Ende April ist Honisch auf der Fahrt zu einem Kunden auf der Berliner Straße nahe dem Verkehrskreisel „Max-Willner-Platz“ in eine Verkehrskontrolle geraten. „Die haben mich gefragt: Wissen Sie, warum wir Sie anhalten“, erzählt Honisch. Der Brennstoffhändler mit dem guten Verkehrteilnehmer-Gewissen wusste es nicht, erfuhr es aber gleich: wegen seines T-Shirts, das mit einem verbotenen rechtsradikalen Symbol versehen sei.

Michael Honisch kann die Beamten partout nicht überzeugen, dass es sich bei der weißen Wolfsangel auf rotem Grund mitnichten um ein Nazi-Zeichen handele, sondern als Wappen zum Ortsnamen gehöre, der darüber deutlich zu lesen sei - sein Bornheim. „Aber das war bei denen in einer Broschüre abgebildet, also mussten sie’s wohl einziehen“, berichtet der überzeugte Bernemer, der mit nacktem Oberkörper heimfahren und den Besuch beim Kunden abschreiben musste.

Auch das Anzeigenblatt des Stadtteils führte das Wappen lange im Kopf.

Tatsächlich besteht das offizielle Wappen des Frankfurter Stadtteils seit jeher aus derselben stilisierten Wolfs angel - einem sehr hinterlistig-brutalen mittelalterlichen Jagdgerät -, wie sie auch von nationalsozialistischen Vereinigungen verwendet wurde. Dem Jungvolk der Hitlerjugend war sie Erkennungszeichen, später der 1982 verbotenen braunen „Junge Front“ der „Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit“.

Deswegen ist den Offenbacher Polizisten keine Willkür anzulasten: Die Wolfsangel mit Querstrich steht auf der Liste verbotener Zeichen und darf nach § 86a Strafgesetzbuch nicht mehr als Kennzeichen der genannten Organisationen „oder in einer damit zu verwechselnden Form gezeigt werden“.

Als Stadt- oder Ortswappen aber ist sie weiter erlaubt. 2004 sprach das Frankfurter Landgericht einen Bornheimer frei, der es auf einer Bornheim-Kappe trug: Das Zeichen sei erlaubt, weil mit Nazi-Symbolen nicht zu verwechseln.

Bis nach Offenbach hatte sich bislang noch nicht durchgesprochen. Polizeisprecher Ingbert Zacharias nimmt seine Kollegen in Schutz: „Ich hätte genauso gehandelt, hätten sie ihn laufen gelassen und es wäre tatsächlich ein rechtsradikales Zeichen gewesen, hätten sie richtig Ärger gekriegt.“

Vielleicht machen die Offenbacher Polizeibeamten mal einen Betriebsausflug zur Bornheimer Kerb. Dann sehen sie mit eigenen Augen, was Michael Honisch zweien von ihnen zu versichern versuchte: „Bei uns läuft da doch jeder mit rum, und der FSV hat’s doch in seinem Vereinswappen.“ Die „Frankfurter Neuen Presse“ berichtete von einem Bornheimer Revierbeamten, der gesagt habe, durch einen kurzen Anruf bei ihm hätten die Offenbacher Kollegen schon während der Kontrolle alles schnell klären können.

Wissenswertes über die Wolfsangel gibt es unter: www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/wolfsangel.htm

In der Berger Straße verkauft Joachim Raabe die lokalpatriotischen Textilien in diversen Formen. Rechtsextremistische Gedanken kann er bei örtlichen Kunden nicht erkennen. Und einem auswärtigen Kunden, der mal ein „Runen-Shirt“ verlangte, hat er nichts verkauft.

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