Böser Geist Getränkesteuer

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Alkoholika werden mit dem Wegfall der Getränkesteuer nicht billiger für die Gäste der Offenbacher Gastronomie. Die Wirte wollen lieber anderweitig investieren.

Offenbach ‐ Falls Silvesterböller böse Geister tatsächlich zuverlässig vertreiben, dürften Offenbacher Gastronome zum jüngsten Jahreswechsel an vorderster Knallerfront gekämpft und ihresgleichen ein mehr denn je von Herzen kommendes „Prosit Neujahr“ zugeschmettert haben - großes Abschiedgetöse für die Getränkesteuer, sicher ist sicher. Von Marcus Reinsch

18 Jahre lang hat die zuletzt nur noch von Offenbach erhobene Abgabe auf den Ausschank von Alkoholika, mit Ausnahme des Apfelweins, hiesige Wirte heimgesucht wie ein Fluch. Erst waren es zehn Prozent „Schoppensteuer“, wie Schankbetriebe regelmäßig ätzten; seit 2008 waren es mit Blick auf den kommunalpolitischen Segen für die schrittweise Steuerabsenkung noch fünf Prozent. Und seit Freitag sind es null Prozent, die Getränkesteuer ist Geschichte..

Allerdings mit null Auswirkungen für die Gäste. Preissenkungen sind nicht vorgesehen. Eine kleine Umfrage förderte gestern zwar einen Wirt zutage, der sein Bier fünf Prozent günstiger verkaufen will. Das aber auch „nur vielleicht und nur eine Woche lang“, quasi als Werbegag. Und auch ansonsten herrscht in Kneipen-, Restaurant- und sonstigen gastronomischen Kreisen die Überzeugung vor, dass mit der Steuerstreichung kein Vorteil zustande komme, sondern nur ein Wettbewerbsnachteil endlich bereinigt wurde.

Kein Abwärtstrend am Wilhelmsplatz

Es ist eine Erleichterung“, gibt der Geschäftsführer des Sheraton Offenbach Hotel, Dirk Wilhelm Schmidt, zu Protokoll. Diese Erleichterung lässt sich, bis zum Jahresabschluss zunächst überschlägig, beziffern: Rund 15.000 Euro Getränkesteuer musste das Sterne-Haus an Büsingpark und -palais alleine im gerade beendeten Jahr berappen. Geld, das nicht in die Senkung der ohnehin eher am Niveau anderer hochklassiger Hotels im Rhein-Main-Gebiet orientierten Getränkepreise gesteckt, sondern „anders zum Einsatz gebracht“ werden soll“, erklärt Schmidt.

Auch am Wilhelmsplatz: kein Abwärtstrend. In den Häusern am über die Stadtgrenze hinaus mit einem mehr als passablen Ruf ausgestatteten Gastro-Rechteck war gestern die Rede von „gerade gerückter Wettbewerbsverzerrung“. Nun die Preise zu senken würde ja bedeuten, sich die Steuer, die die Gastronomie über viele Jahre „geknechtet“ habe, selbst wieder aufzuerlegen. Nein, das Geld werde eher in die Ausstattung gesteckt. Und billiger werde die ja bekanntlich auch nicht.

Die Stadt selbst, ebenfalls bekanntlich bettelarm, kommt der Verzicht auf die Getränkesteuer teuer zu stehen. Rund eine Million Euro hatte die Abgabe in Zehn-Prozent-Jahren in die Kasse gespült. Zuletzt war es immerhin noch ein halbe Million. Diese Lücke wird erst noch gefüllt werden müssen.

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