Eingewanderte Art kann Wasserpflanzen schaden

Böser Krebs im Schultheisweiher

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Offenbach - Der amerikanische Flusskrebs ist hiesigen Gourmets vermutlich nur aus dem Kühlregal des Supermarkts oder von der Theke des meist türkischen Feinkosthändlers bekannt; eingelegt in Cocktail-, Knoblauch oder Dillsoße.

In der freien Natur unserer Breiten ruft das Tier kaum Begeisterung hervor. Offenbachs Umweltamt äußert aktuell große Besorgnis, weil ein Exemplar des Roten Amerikanischen Flusskrebses im Schultheisweiher auftauchte.
Was auf dem Teller erfreut, trübt die Experten-Laune am See. Procambarus clarkii, so der wissenschaftliche Name des vielbeinigen Einwanderers, ist nämlich keine Bereicherung der mitteleuropäischen Tierwelt, sondern als invasive Art eine Bedrohung: in erster Linie für einheimische Krebse, die er mit der sogenannten Krebspest infizieren kann, gegen die er selbst immun ist.

Aber auch seinem neuen Lebensraum ist das vermutlich über Krebsfarmen in Spanien und fahrlässige Aquarianer nach Deutschland gelangte Neozoon (= ein Tier, das durch bewusste oder unbewusste direkte oder indirekte Hilfe des Menschen in Gebiete eingebracht wurde, in denen es ursprünglich nicht vorkam) nicht zuträglich.

„Das Auftauchen des importierten Krebses könnte die in diesem Jahr so überraschend eintretende Verschlechterung des Gesundheitszustands des Sees vielleicht etwas erklären“, meint Sergej Justus, bei der Unteren Wasserbehörde der Fachreferent für den Schultheisweiher.

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Ein Krebs macht zwar noch keinen richtigen Kummer, aber es ist kaum davon auszugehen, dass sich nur ein Einzelgänger in die bei Bürgel und Rumpenheim gelegene Kombination aus Naturschutzgebiet und Badesee verirrt hat. Wahrscheinlicher ist eine größere und damit problematische Population. „Die Tatsache, dass klare, wasserpflanzenreiche Seen nach Einführung der Krebsart in trübe, pflanzenlose Gewässer umgewandelt worden sind, müssen wir in unsere weiteren Überlegungen aufnehmen – diese Krebse können sogar in sauerstofffreiem Milieu überleben“, weiß Justus.

Durch seine Anspruchslosigkeit und starke Vermehrungsfähigkeit kann der ursprünglich in tropischen Gefilden heimische und später in Nordamerika eingekrabbelte Sumpfkrebs großen Schaden verursachen. Durch direkte Veränderung seines Wohnorts hat er in Spanien, wo er 1973 ausgesetzt wurde, einige Amphibienarten stark dezimiert. Von der iberischen Halbinsel breitet er sich immer weiter nach Norden aus. Seit 2014 lebt er schon bei den Frankfurter Nachbarn, unter anderem im Rebstockbad.

Offenbachs Umweltamtschefin Heike Hollerbach konkretisiert, was der ansonsten gefährlich anspruchslose Krebs seinem Umfeld antut: „Er ist ein Allesfresser. Sein Nahrungsspektrum reicht von Pflanzen, über Insektenlarven, Wasserschnecken, Kaulquappen bis zu Fischlaich.“ Sie schließt nicht aus, dass dies auch den diesjährigen Verlust an Wasserpflanzen teilweise erklärt.

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Unterdessen zeigen die neuesten Untersuchungsergebnisse des Schultheisweiher einen Rückgang der Blaualgen genannten Cyanobakterien, die in hoher Konzentration auch für den Menschen schädliche Stoffe produzieren können. Heike Hollerbach will jedoch keine Entwarnung geben: „Die Werte sind immer noch hoch. Der wasserpflanzenfreie See sieht auf den ersten Blick im Moment zwar richtig gut aus, bei näherer Betrachtung ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Das Wasser ist trüb und man erkennt die abgestorbenen Pflanzen. Einige Jungfische waren ebenfalls zu sehen. Also haben die Fische zumindest bisher überlebt.“

Nach wie vor hoch sind die Chlorophyll-a-Werte, sodass weiterhin Warnschilder ausgehängt werden müssen. Obwohl milde Temperaturen vorherrschen, machen die Blaualgen etwa die Hälfte des Chlorophylls aus. Die Wassertemperatur liegt zurzeit bei 22,1 Grad, der PH-Wert bei 7,76, es herrschen etwa 80 Zentimeter Sichttiefe.

„Die Lage am Schultheisweiher bleibt also nach wie vor angespannt, das Baden ist aber möglich, bitte auf die Warnhinweise wegen der Blaualgen achten“, mahnt Heike Hollerbach. (tk)

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