Sitzung der Ranzengarde Bürgel

Den Bogen weit gespannt

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Sichtlich Spaß hatten auch diese Damen, die der kleinen, frechen, schlauen Biene Maja an diesem Abend Konkurrenz machten.

Bürgelheim - Wie bitte?! Ja, die Ranzengarde hat schnell einen neuen Stadtteil kreiert. „Heute feiern wir nach vielen Jahr’n die Raga-Sitzung im Bürgerhaus. Fragt mich heut’ einer, wo’s schöner ist, ist ihm die Antwort g’wiss. Von Martin Kuhn

„Und dafür hat das Deko-Team um Gesa Güldensupp und Martina Holzer-Birk mächtig gewirkt. Fackeln und Kerzen weisen den Gästen den Weg, hunderte Ballons schmücken den Saal. Ein prächtiger Rahmen für einen fidelen Abend. Einziger Kritikpunkt: An der Soundanlage ist eine Feinjustierung dringend notwendig, Leidtragende sind neben den Vortragenden auch die Zuhörer. Schade!.

Den Auftakt machen die Fidelen Nassauer mit magischer Halloween-Nacht. Gruselig? Ganz und gar nicht! Dann fasst Bütten-Ass  Hans-Jürgen Greb Vertrautes in Verse. Als „Hobbes“ textet er jenen aus der Seele, die im Jugendzimmer Ordnungssinn vermissen: „Und mittedrin in Hemd und Socke tut regungslos dein Nachwuchs hocke.“ Duffdä! Duffdä! Duffdä!

Na, das geht aber schnell! Bei der Ranzengarde ist ja eigentlich Robert Pies der zuständige Ordens- und Kussminister. Da er in diesem Jahr aber mit seiner Manuela das lederanische Prinzenpaar gibt, übernimmt in diesem Fall gern Frank Mottscheller – und schmatzt seine Gattin Ilka!

Es folgt der Grund für den eher „tanzlastigen Teil“ des Abends, so Sitzungspräsident Wolfgang Zühlke. Der Tanzsportverein der Raga feiert Zehnjähriges und schickt seine Jüngsten auf die Bühne: Als „Cats“ (fantastische Kostüme von Eltern und Trainer unter der Nadel von Gisela Schäfer) fahren Laura Klemenz, Lea Krüger, Annika Kison, Lana Michon, Emily Keul, Lisa Sellmer, Kira Jahnel, Laura Stoll, Chantal Schilling, Mona Schröder, Anna Cipriani, Arina Kobylin, Marlene Dreger und Samantha Christ ihre sportlichen Krallen aus. Stets dabei ist die zweijährige Helena, Töchterchen von Trainerin Claudia Latzke.

Die Raga-Jugend erhöht kurz die Schlagzahl mit ihrer Einlage, ehe Gardetrommler und Marktfrau protokollieren, was ihnen in den vergangenen zwölf Monaten aufgefallen ist. Da kommt Tobias Stephan und Dagmar Winter (Bild) so einiges in den Sinn, und sie nehmen den Saal mit auf eine nachdenkliche Busfahrt. Eine angesteuerte Station aufgrund gescheiterter Mission ist das Rathaus. „Was sind das denn für halbe Sachen? Er konnt’ allein nicht Schulden machen, denn für eine Unterschrift musst’ auch zücken seinen Stift unser Duo namens Schneider, doch wissen sie davon nichts weiter. Im Rathaus gibt’s nun manche Hatz: Räumt nicht der Falsche seinen Platz?“

Schnelligkeit und Folklore verbinden Samantha Christ, Chantale Pfannkuchen, Anna Cipriani, Mona Schröder, Jacqueline Langosch, Madleen Reif, Leona Schwab und Arina Kobylin in ihrer Polka. Weniger mit flotten Schritten, dafür mit feinen Spitzen agieren „Betty und die Berjel Boys“. Andrea und Tobias Stephan, Mario Dorn, Michael Tippmann und Stefan Quadt hinterfragen zur Melodie von Abbas „Fernando“ heutiges Kaufverhalten: „Keiner will mehr in Geschäfte geh’n, es ist bequem, Zalando!“ Bei ihnen mutiert Rio Reisers „König von Deutschland“ zu „Tebartz von Bürgel“. Und wenn es so wäre? Na: „Horst Ockel kriegt von mir, nicht nur am Rande, die golden Fleischwurst umgehängt, und zwar am Bande.“ Nach der hauseigenen Kobra-Polka (Laura Klemenz, Lea Krüger, Annika Kison, Lana Michon, Emily Keul, Lisa Sellmer, Kira Jahnel, Laura Stoll und Chantal Schilling) geht’s in die Pause.

Wolfgang Zühlke gelingt danach, wovon so mancher Fußballlehrer mitunter mal träumt: Er wechselt gleich zehn Mann aus und schart zehn Elfen um sich! Nicht weniger heiß ist der Auftritt der Dance-Company der Turnerschaft Klein-Krotzenburg. Bei dieser rasanten Feuerwehr würde man(n) sicher gern anpacken. Es hilft nicht. Kapelle, Ausmarsch. Leider!

Olga Orange ist auch dabei

Unter die Gürtellinie zielt auch Thomas Rau als Olga Orange, die gleichgeschlechtliche Liebe beleuchtend. „Als ich vor 30 Jahren einen Ausbildungsberuf gesucht habe, konnte ich als schwuler Mensch nur zwei Sachen machen: Friseur oder Dekorateur. Fußballer ist nicht angeboten worden.“

Erneut reine Männersache: Herbert Mahlow, Mario Dorn, Santo Barth und Rudi Fritz bilden das Herrenballett, das mittlerweile zum Quartett geschrumpft ist. Kein Wunder, dass Zühlke kräftig die Werbetrommel rührt. Ob’s etwas bringt? Der Nachbar raunt sofort: „Nicht für viel Geld und gute Worte.“ Letztere findet Pizzabäcker Ciro Visone für eine deutsche Erfindung, die es in Italien so nicht gibt – den Stammtisch. Sein Hauptthema „istte di’ Amore“; er schmückt es nett und witzig aus. Da bestellt der Saal gern noch etwas nach!

Beim finalen Auftritt der Tanzsportler brillieren Anna Hartmann, Samantha Christ, Chantale Pfannkuchen, Leona Schwab, Jacqueline Langosch, Madleen Reif, Anna Cipriani, Sandra Hofmann, Mona Schröder, Nadja Jovanovic, Marlene Dreger und Arina Kobylin. Die jungen Damen lassen es so schwungvoll krachen, dass Helene Rump (Uschi Steinbacher) im Takt den Krückstock schwingt. Sie hält eine wunderbar unpolitische Rückschau, die dennoch einiges offen lässt. Etwa die oft gestellte Frage der Wähler an die Adresse der Regierenden: Was denken die sich dabei? Helene Rump macht so etwas misstrauisch: „Das beinhaltet ja, dass Politiker denken würden...“

Galasitzung der Ranzengarde 2013

Galasitzung der Ranzengarde

Zum Finale die Raga-Röchler; wie immer alles selbst gemacht. Diesmal geht es musikalisch in die Showmetropole Las Vegas, inhaltlich bleibt man in Offenbach am Main. Und einem Bürgeler ist sogar ein eigenes Lied gewidmet. Zu Johnny Cashs „Ring Of Fire“ heißt es speziell auf den lokalen Kübel-Diskurs gemünzt: „Ihr kennt ihn all, denn er heißt Mike Maier, und für unser Berjel, da ist ihm nichts zu teuer.“ Der CDU-Stadtverordnete sollte sich jetzt nicht allzu sehr grämen: Ist ja schließlich nur Fastnacht...

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