Boklok in der Klausel-Krise

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Kritik von Verbraucherschützern nimmt Ikea-Häusern für „An den Eichen“ ihren Glanz.

Offenbach ‐ Eigentlich ist Ikea schon lange weg vom Ruf des pressspahnverliebten Studentenbuden-Einrichters. Nun allerdings hat der schwedische Möbelriese ein neues Wertschätzungsproblem bekommen - mit seinem Fertighaus-Ableger Boklok. Von Marcus Reinsch

Die Stiftung Warentest hat die Eigenheime, von denen die republikweit ersten im nach Belebung lechzenden Offenbacher Neubaugebiet „An den Eichen“ und in Wiesbaden entstehen werden, mit vernichtender Kritik belegt. Sowohl der alleinige deutsche Boklok-Lizenzpartner, die Schlüchterner Fertighausbauer Bien-Zenker AG, als auch Ikea Deutschland-Pressesprecherin Sabine Nold kündigten gestern auf Anfrage für heute Stellungnahmen zu den Vorwürfen an. „Zu den Verträgen haben wir Juristen um ihre Meinung gebeten“, sagte Nold.

Die werden sicher auch gebraucht, um auf den alarmierenden Bericht der Stiftung Warentest sowie der Verbraucherzentralen Bremen und Rheinland-Pfalz fundiert reagieren zu können. Denn die Durchfaller-Zensuren gab es vor allem nach der näheren Beleuchtung des Bauvertrags für das Musterhaus, das seit März schon tausende Neugierige vor den Ikea-Stammsitz in Hofheim-Wallau gelockt hat. Die Rede ist von etlichen Klauseln, die den Kunden gravierend benachteiligten. Die Baufirma behalte sich beispielsweise Änderungen an Bauleistungen, Bauplänen und Baubeschreibung (Fenster, Fliesen, anderes) vor, ohne dafür triftige Gründe zu nennen.

Mehrfamilienhäuser lang ersehnter Schub

Die einzigen Formulierungen „bauübliche Toleranz“ und „innerhalb der Regeln der Baukunst“ seien zu ungenau und deshalb unwirksam, heißt es. Es gebe eine unzulässige Einschränkung der Firmenhaftung für Baumängel und überdies keinen garantierten Fertigstellungstermin - wobei die Käufer zur Zahlung der Schlussrate auch für ein im Zweifelsfall noch unvollständiges Boklok verpflichtet würden.

Nach Offenbach: Für das voll erschlossene und massiv beworbene, seit dem Vermarktungsstart allerdings fast unverändert kahle Baugebiet „An den Eichen“ würden die dort geplanten neun Boklok-Reihenhäuser und zwölf Eigentumswohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern einen lange ersehnten Schubs bedeuten. Die ersten Bewohner, so ist es im Ikea-Internetauftritt zu lesen, sollen noch in diesem Jahr einziehen können. Das wäre ein Erfolg.

Im Umkehrschluss könnten nach den bisherigen vertraglichen Vorzeichen nicht auszuschließende Rechtsstreitigkeiten zwischen Hauskäufern und Baufirma gleich wieder für Unsicherheit bei weiteren Interessenten sorgen. Immerhin will die Bien-Zenker AG auf dem Ex-Lohwald-Areal neben den Boklok-Modellen noch 14 weitere Reihenhäuser im Passivhausstandard vermarkten. Ob die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) - Grundstückseigentümerin und über die Projektverwaltungsgesellschaft (OPG) für die Vermarktung des Terrains verantwortlich - in Schlüchtern bereits auf Nachbesserungen gedrängt hat, blieb gestern unklar.

Verkaufsstart für die Ikea-Häuser an den Eichen war am letzten Samstag im April, vor Veröffentlichung der Stiftungskritik, gewesen. Der Ansturm war bemerkenswert, und auch die Liste williger Ersatzkäufer ist dem Vernehmen nach so lang, dass es an den Eichen wohl so oder so bald losgehen wird.

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