Bombe von der Hafeninsel

Entschärftes Exponat

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Die 500-Kilo-Bombe vom Hafengelände gehört ab sofort zur Sammlung des Museums im Haus der Stadtgeschichte.

Offenbach - Im November noch Schreckensbote, seit gestern museales Lieblingsstück. Die Bombe von der Hafeninsel führt ein ziviles Nachleben im Haus der Stadtgeschichte. Natürlich ohne explosiven Inhalt. Von Eva-Maria Lill

Einst makaberer Gruß von amerikanischen Feinden, heute willkommener Gast. Museumsmitarbeiter Vicente Such-Garcia tätschelt sanft die Stahlhaut des Sprengungetüms, geschäftig wird noch schnell ein Platz im Depot freigeräumt. Die Anfang November auf der Westspitze der Hafeninsel entschärfte Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg liegt seit gestern im Haus der Stadtgeschichte. Momentan ruht das zukünftige Exponat noch im Lager, eine öffentliche Ausstellung ist geplant.

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„Schon seit Jahren versuchen wir, eine Bombe für das Museum zu bekommen“, erklärt Such-Garcia. Die Offenbach-Post reagiert auf seine Anfrage und stellt Mitte November den Kontakt zwischen Museum und Kampfmittelräumdienst her. Wenig später stimmt die Behördenleitung in Darmstadt dem Vorhaben zu. „Die Bombe kehrt zurück nach Offenbach – aber in ziviler Absicht und im musealen Kontext“, freut sich der Historiker. Mit einem Schwenkarm wird der Sprengkörper vom Lastwagen auf Holzpaletten verladen, unter dem Sicherheitsgurt klemmt ein blau-weißes Handtuch. Angst ist schwer vorstellbar, als die Bombenhülle auf dem quietschenden Gabelstapler im Depot verschwindet.

Bombe auf der Hafeninsel

Am 4. November war das amerikanische 500-Kilo-Projektil bei Bauarbeiten am Hafen gefunden und entschärft worden. Es handelt sich um einen Sprengkörper des Bautyps SAP 1000 LB, kurz für „Semi Armor Piercing 1000 lbs“ (halb rüstungsdurchdringende Zehn-Zentner-Bombe). Vermutlich warfen Flieger sie 1944/45 über Offenbach ab, das genaue Datum ist unbekannt. „Solche Sprengsätze waren bestens geeignet, um beispielsweise Betonbunker zu zerstören“, erläutert Gerhard Gossens, Chef des Kampfmittelräumdiensts. Zwei Aufschlagzünder sollten dafür sorgen, dass die Bombe bei Bodenkontakt detoniert. „Etwa zehn bis dreißig Prozent aller Sprengkörper explodierten nicht. Entweder, weil sie zu flach aufschlugen oder weil ein Defekt im Zündmechanismus vorlag“, so Gossens.

In einem speziellen Sicherheitsbunker in Mittelhessen schneidet der Kampfmittelräumdienst die dicke Stahlwand der Bombe auf und entnimmt das TNT-Gemisch. Der Sprengstoff wird fachgerecht verbrannt. „Es kommt nicht jeden Tag vor, das wir eine Bombe als Ausstellungsstück freigeben“, schmunzelt Gossens. Für das Haus der Stadtgeschichte wurde der Stahl wieder zusammengeschweißt und sogar neu lackiert. Die Hülle allein wiegt um die 350 Kilogramm, ist 1,40 Meter lang und hat einen Durchmesser von 40 Zentimetern.

Etwa 60 solcher Bomben entschärft der Kampfmittelräumdienst pro Jahr allein in Hessen. Wie viele Sprengkörper noch unter Offenbacher Oberfläche schlummern, weiß niemand.

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