Weitere Bomben auf Hafeninsel?

Der Steuerzahler blecht

Bauingenieur Gerhard Plath hat ein Schaubild aus Mainviertel-Unterlagen mit den im Offenbacher Bombenkataster festgehaltenen Einschlägen kombiniert.

Offenbach - Im Offenbacher Hafen wird nur dort nach Bomben gefahndet, wo eine Baumaßnahme ansteht. Noch mehr als 20 Sprengkörper können Sorgen bereiten. Von Thomas Kirstein

Da können noch einige bange Stunden auf das Offenbacher Nordend und den Rest der Stadt zukommen. Eventuell liegen mehr als 20 der mehr als 120 in der ganzen Stadt vermuteten Blindgänger unterschiedlicher Größe und Sprengkraft im Hafenboden vergraben. Die ungefähre Lage der explosiven Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg verrät das Bombenkataster, das der Offenbacher Eugen Lux vor dem Bau des S-Bahn-Tunnels erstellt hat. Registriert sind Abwürfe amerikanischer oder britischer Herkunft mit einem Gewicht von 25 bis 500 Kilogramm; die am Dienstag entschärfte Bombe gehört zur schwersten Kategorie.

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Bombenfund auf Hafeninsel

Offenbacher stellen sich die Frage, warum bei einer solchen Kenntnis das Baugebiet Hafen nicht vorsorglich komplett geräumt worden ist. Aus Kosten- und Praktikabilitätsgründen, heißt es bei der städtischen Offenbacher Projektgesellschaft OPG. Wie bei der Sanierung anderer Altlasten des früheren Industriehafens werde Zug um Zug vorgegangen. Das sei billiger, als alles auf einmal umzugraben, zumal das Hafen-Niveau um bis zu fünf Meter über dem der Zeit der Bombenabwürfe liege.

Bombenfund auf Hafeninsel

„Wo gebaut wird, wird zuvor sondiert“, erklärt Stadtwerke-Sprecherin Regina Preis. Melden Metallsonden Verdächtiges, wird aufgegraben. Am Dienstag musste der Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen ran und unter weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen entschärfen. Der Offenbacher Architekt Gerhard Plath, kritischer Beobachter des Hafenprojekts, hält es für sehr bedenklich, „ein Gefahrenrisiko vor sich herzuschieben“, zumal Bauarbeiten immer Erschütterungen bedeuteten. Außerdem sei es mit häufigen Räumungen verbunden.

Und wer bezahlt solche unfreiwilligen Veranstaltungen? Zum größten Teil blecht der Steuerzahler. Der Grundstückseigentümer, in Hafen-Fällen immer die OPG-Tochter Mainviertel GmbH, trägt die Kosten, bis es konkret ans Metall geht, also vorsorgliche Bohrungen sowie Aufbaggern und Sichern der Grube. Die Last solcher „vorbereitender Maßnahmen“ trifft auch private Bauherren. Ist die Bombe freigelegt, steht das Land Hessen in der Pflicht. Entschärfung, Bergung und Entsorgung gehen auf seine Rechnung. Der Polizeieinsatz – am Dienstag 80 Beamte – ist ebenfalls Landessache.

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Die Arbeit der Berufsfeuerwehr, der Aufwand der Rettungsdienste und alles, was mit der Evakuierung der Nachbarschaft samt Versorgung in der Stadthalle zusammenhängt, bleibt an der für den Katastrophenschutz zuständigen Stadt hängen. Da „Gefahr im Verzug“ ist, können keine Rechnungen, wie etwa bei Fehlalarmen, gestellt werden. Was die Entdeckung solch einer Bombe unter dem Strich kostet, ist wegen zu vieler Positionen auf die Schnelle nicht zu ermitteln.

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