Bombenfreie Einweihung an der Beethovenschule

+
Nach der symbolischen Schlüsselübergabe ging’s ans Buffet.

Offenbach - „Mach dich mal ordentlich, damit der Pulli nicht so raushängt“. Die pflichtgemäße Zurechtweisung der Tochter darf angesichts des Anlasses durchaus als gerechtfertigt gelten. Von Matthias Dahmer

Steht doch für die Viertklässlerin ein Ereignis an, das sie nicht mehr so oft erleben dürfte: Ihre neue Beethovenschule wird eingeweiht. Beethovenstraße, Ecke Schubertstraße, gestern Mittag: Großer Bahnhof ist angesagt, als jene, die später in ihren Ansprachen noch lobende Worte für den 23 Millionen teuren Neubau der fünfzügigen Grundschule finden werden, das Band am Eingang durchschneiden.

Nun ist es also fertig, das „leicht verschobene H“, wie Schulleiter Konrad Ertinger formuliert. Die Form des Gebäudes, in dem 500 Schüler in 20 Klassen unterrichtet werden, ist einem Umstand geschuldet, der zwischenzeitlich buchstäblich wegfallen ist – den schönen großen Bäumen, die eigentlich im Innenhof und am Eingang stehen sollten. Sie mussten bekanntlich unter heftigen Diskussionen zwischen Schulgemeinde und Stadt wegen der Beseitigung im Boden schlummernden Brandbomben weichen. Insgesamt 27 dieser Sprengkörper habe man in der Bauphase gefunden, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider in seiner Begrüßungsrede in der lichtdurchfluteten Pausenhalle. Dafür, berichtet Anna Heep vom Bauamt, fielen 17 Bäume. Wegen der Frage nach dem richtigen Vorgehen bei der Bombensondierung verzögerte sich die Einweihung. Sie war ursprünglich zum neuen Schuljahr nach den Sommerferien geplant.

Eins der größten Projekte

Der Neubau der Beethovenschule ist eins der größten Projekte im ehrgeizigen Schulsanierungsprogramm der Stadt. Es wurde im März 2007 gestartet, läuft über mehr als zehn Jahre und sieht Modernisierungen, Erweiterungen und Neubauten an insgesamt 27 Schulen vor.

Schuldezernent Felix Schwenke prognostizierte, um die Finanzierung weiterer geplanter Vorhaben, wie etwa die neue Hafenschule oder an der Mathildenschule, werde man mit der Kommunalaufsicht „sehr, sehr hart kämpfen“ müssen. Weshalb die Schulgemeinde dem Beethovenschule mit dem Neubau und den dabei gefundenen Kompromissen zufrieden sein sollte. Obwohl man ihn angesichts seiner Architektur gern stehen gelassen hätte, wäre die Sanierung des 1955 errichteten Altbaus der Beethovenschule bautechnisch und finanziell nicht machbar gewesen, betont Schneider.

Neubau im Passivhausstandard

Der Neubau im Passivhausstandard glänzt mit einer modernen Ausstattung, einem Farbkonzept, welches den Kindern der Ganztagsschule Orientierung bieten soll, mit einer Cafeteria, einer rund 1600 Quadratmeter großen Zweifeld-Sporthalle sowie angegliedertem Stadtteilbüro und Kindergarten.

Die Beethovenschule gehört mit dem Berufschulzentrum auf dem Buchhügel zu jenen Bildungseinrichtungen, bei denen die Stadt auf eine öffentlich-private Partnerschaft setzt. Für insgesamt 90 Millionen Euro hat die Hochtief Solutions AG Sanierung beziehungsweise Neubau sowie für 20 Jahre den Betrieb dieser Schulen übernommen.

Man werde sich nicht aus der Verantwortung für die Beethovenschule zurückziehen, versichert Hochtief-Geschäftsführer Ludger Essing. Horst Schneider und Felix Schwenke hoffen, dass die Stadt künftig nicht um jeden aufzustellenden Papierkorb feilschen müsse und alles so problemlos laufe wie bisher. Schneider kündigte aber zugleich weitere Verhandlungen darüber an, wer die Kosten für „unabwendbare zusätzliche Leistungen“ zu tragen hat. Einen Teil davon werde die Stadt tragen müssen, so der Verwaltungschef.

Mehrkosten „deutlich unter denen des EZB-Neubaus“

Rundum zufrieden zeigte sich dagegen Rektor Konrad Ertinger. Der Neubau, dessen Mehrkosten „deutlich unter denen des EZB-Neubaus“ geblieben seien, stelle ein „Stück neuer Offenbacher Bildungszukunft“ dar.

Die von gelungenen musikalischen Darbietungen und Sketchen der Schüler aufgelockerte Einweihung verfolgten mehr als 100 Gäste, darunter Ex-Schulleiter Gerd Beitler sowie der ehemalige Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß und Ex-Kämmerer Michael Beseler.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare