Sprengkörper erfolgreich entschärft

Bombenfund auf EVO-Gelände hält Nordend in Atem

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Die Polizeiabsperrung galt gestern auch für Anwohner und die Angestellten der umliegenden Büros. So mussten viele ihre Häuser und Arbeitsplätze nach dem Fund der Sprengbombe verlassen.

Offenbach - Der Fund einer Fliegerbombe gestern Vormittag auf dem Gelände der EVO sorgte für Aufregung im Nordend. Nachdem die umliegenden Büro- und Wohngebäude geräumt waren, machte sich der Kampfmittelräumdienst ans Werk. Am Nachmittag war der Sprengkörper entschärft. Von Christian Wachter

Um 9.40 Uhr macht ein Arbeiter auf der Baustelle an der Ecke Goethering/Bettinastraße, wo ein Rechenzentrum entsteht, eine Entdeckung mit Folgen: In Erdaushub, der im Zuge der Arbeiten nach Offenbach geliefert wurde, verbirgt sich eine 50 Kilo schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Etwas später stehen dutzende Polizeiautos, die Feuerwehr und Experten des Kampfmittelräumdienstes (KMRD) bereit. Bevor letztere die Bombe entschärfen können, liegt es an der Polizei, das umliegende Areal in einem Umkreis von mehreren hundert Metern zu evakuieren. Der Arbeitstag ist für viele in den Büros in der Nähe also früher zu Ende als gedacht. Und auch die Anwohner werden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen – einige mit Durchsagen, bei anderen klingelt die Polizei.

Geschafft: Die Sprengbombe ist entschärft.

Man könne von Glück sagen, erzählt Polizeisprecher Michael Malkmus, dass das Seniorenwohnheim in der Nähe sowie die Flüchtlingsunterkunft nicht mehr in den Gefahrenradius gefallen seien. Da der Verkehr umgeleitet werden muss, stehen viele Autofahrer rund um die Berliner Straße im Stau. Und auch auf den Luftraum hat der brisante Fund Auswirkungen: So muss, bevor letztlich mit der Entschärfung begonnen werden kann, sichergestellt sein, dass Flugzeuge das Gelände weiträumig und in einer Höhe von mindestens 1000 Metern umfliegen.

Ab 14 Uhr gehört das Areal ganz Einsatzleiter Gerhard Gossens und Dieter Schwetzler vom KMRD, der beim Regierungspräsidium Darmstadt angesiedelt ist. Zur Seite stehen ihnen Rudi Reitz und Winfried Bönisch von der Kampfmittelbeseitigung Tauber, einem Partnerunternehmen. Als es um 15 Uhr einen kleinen Knall gibt, blicken sich die Beamten jenseits der Sicherheitszone zunächst fragend an. Aufklärung verschafft Gossens, nachdem das Gelände gegen halb vier wieder freigegeben ist. Weil der Zünder sich nicht ohne weiteres aus der amerikanischen Sprengbombe habe ausbauen lassen, habe man ihn lockern müssen.

Bilder: Bombe bei Bauarbeiten gefunden

Kein einfaches Unterfangen, das deutet schon der Name des Geräts an, das zum Einsatz kommt: Raketenklemme, eine pyrotechnisch angetriebene Schraubvorrichtung. So einen Vorgang, erzählt Gossens, würden auch sie aus einem sicheren Abstand verfolgen. „Nachdem der Zünder gelockert war, konnten wir die Bombe ohne Probleme entschärfen“, berichtet der Einsatzleiter.

Auf die Frage, was denn passieren könne, wenn schon beim Lockern des Zünders etwas schieflaufe, lächelt er. „Das haben wir noch nicht ausprobiert, bei einem zu starken ersten Impuls kann aber durchaus die ganze Bombe ausgelöst werden.“ Umso gefährlicher könne es deshalb auch sein, wenn eine Bombe wie in diesem Fall unbemerkt mit der Erde transportiert werde, da Erschütterungen nicht auszuschließen seien. „Von selbst explodieren solche Bomben jedenfalls nicht, aber dennoch: Routine ist solch ein Einsatz nie. Es sind immer wieder andere Situationen.“ Die letzte Reise der Bombe führt in ein Zwischenlager nach Mittelhessen, später wird sie vernichtet.

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