Revisionsprozess gegen 27-Jährigen

Mazedonier als Bote für Heroin-Dealer

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Offenbach - Drei Fälle von Geldüberführungen mit illegalem Hintergrund werden seit gestern in einem Revisionsprozess vor der 15. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt verhandelt. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Mazedonien ist einer der ärmsten Staaten Europas. Die Arbeitslosenquote liegt bei 33 Prozent, die Einfuhr von Handelsgütern übersteigt um 70 Prozent deren Ausfuhr. Ausgeglichen wird das Handelsbilanzdefizit überwiegend durch Transferzahlungen im Ausland lebender Staatsbürger. Ein Teil davon stammt indes aus lukrativen Drogengeschäften. Vor gut einem Jahr wurde der 27-jährige Petar V. aus Maintal wegen Beihilfe zum bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Verteidigung legte Rechtsmittel ein, der Bundesgerichtshof gab dem Einspruch statt.

Nun geht es darum, zu klären, ob die Bandenbeihilfe zu beweisen ist oder ob ein neues Urteil wegen Begünstigung oder Geldwäsche der Gerechtigkeit mehr dienen würde. Letzteres würde für den Vater einer kleinen Tochter eine geringere Haftzeit, eventuell sogar eine Bewährungsstrafe bedeuten. Seit September 2013 sitzt er in Untersuchungshaft. Der gelernte Elektrikoinstallateur kommt 2007 nach Deutschland, weil er in seiner Heimat keine Arbeit findet. In Maintal absolviert er eine Ausbildung zum Altenpfleger. Irgendwann 2012 bekommt er Kontakt zu einer Bande mazedonischer Heroinhändler, die in Offenbach und Rodgau den Markt bedienen. Da das Geld knapp ist, willigt V. ein, als Geldbote zu fungieren: Von verschiedenen, teils inzwischen in Haft sitzenden Landsleuten bekommt er größere Geldbeträge, die er weiterleiten soll.

So übernimmt er am 4. Dezember 2012 in Bieber von einem gewissen Borce 46.800 Euro und übergibt diese in Hanau einem ihm angeblich unbekannten Landsmann. Es folgen bis Januar 2013 weitere Beträge – insgesamt rund 42.000 Euro – an Übergabestellen im Kreis. Einen Teil der Scheine bringt er persönlich in die Heimat, einen anderen überweist er via Western Union. Der Angeklagte gibt zu, gewusst zu haben, dass das Geld aus Heroingeschäften komme. Er habe dafür insgesamt maximal 2 000 Euro zuzüglich der Flugtickets als Botenlohn erhalten. Im April 2013 will er aussteigen, doch da ist es zu spät: Im September wird er festgenommen. Das Urteil wird für Anfang Mai erwartet.

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