Botendienste unter Strom

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Einmal elektrisch volltanken, bitte: Karlheinz Vogel , ein Fahrer der GBM, ist von seinem neuen strombetriebenen Dienstwagen begeistert.

Offenbach - Es ist vollkommen ruhig und es stinkt auch nicht nach Benzin. Wenn sie in Betrieb ist, leuchtet nur ab und zu im Wechsel ein grünes und ein lila-farbenes Licht. Das war’s. Von Dirk Beutel

Die neue Ladestation für Elektroautos auf dem Gelände der Stadtwerke Offenbach Holding in der Senefelderstraße ist von außen recht unscheinbar, doch unter der Verkleidung schlummern bis zu 50 Kilowatt elektrische Leistung. Aufgeladen werden dort die zwei neuen Elektroautos, die von einer SOH-Tochtergesellschaft, der Gebäudemanagement GmbH (GBM), für Botenfahrten zu Schulen und Kindergärten künftig eingesetzt werden.

Karlheinz Vogel, einer der GBM-Fahrer, ist seit Anfang Mai mit den Elektroautos unterwegs und sieht in der Anschaffung nur Vorteile. Kein Wunder: Die Autos, ein Mitsubishi „i-Miev“ und ein „Stromos“ der Marke „German e-Cars“, können voll aufgeladen eine Strecke bis zu 130 Kilometern zurücklegen - und das völlig geräuschlos und ohne CO2-Ausstoß.

Eigentlich sind die beiden Autos in gewisser Weise so etwas wie Konkurrenten, weil sie unterschiedliche Technik-Philosophien in sich tragen. Der Stromos aus deutscher Herstellung wird ausschließlich über eine Drehstromschnellladung mit einem berührungssicheren Ladestecker aufgeladen, der sowohl für den einphasigen 230 Volt-Anschluss als auch für den dreiphasigen 400 Volt-Anschluss geeignet ist. Der „i-Miev“ hingegen besitzt sogar zwei Tankdeckel, weil er zwei Möglichkeiten des Aufladens anbietet. Auf der rechten Seite kann das Elektroauto mit 230 Volt Gleichstrom über ein herkömmlichen Netzstecker aufgeladen werden. Weil es sich hier aber nur um 3,7 Kilowatt handelt, die vergleichsweise langsam in das Auto fließen, kann der kleine weiße Flitzer auf der linken Seite ebenfalls mit einem 400 Volt Anschluss (Drehstrom) betankt werden. Die Vollaufladung mittels Drehstrom dauert etwa drei Stunden, während die Gleichstromvariante für „einmal vollmachen“ nur 25 Minuten benötigt.

Elektrobus bald im ÖPNV

Den Gleichstrom kann man aber vorerst nur bei den Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB) abzapfen. Diese wollen ihrem Fuhrpark ebenfalls ein Elektroauto hinzufügen, genauer gesagt einen Bus für den Öffentlichen Nahverkehr. Der Elektrobus, ein Vorzeigeprojekt, wird ab Mitte August für drei Monate auf der Linie 103 (Mühlheim über Offenbach nach Frankfurt) getestet. „Ein herkömmlicher Bus legt am Tag bis zu 200 Kilometer zurück. Der Elektrobus hingegen schafft höchstens 120 Kilometer, deshalb muss er zwischendurch die Ladestation anfahren“, erklärt Volker Lampmann, Leiter der Projektleitstelle Elektromobilität. Der Antrieb kommt aus einer 1,7 Tonnen schweren Batterie, die mit eben genanntem Gleichstrom aufgeladen wird. Die dafür nötigte Elektrotankstelle soll im Herbst vom Gelände der OVB in die Auftankstation an der Senefelderstraße verlagert werden. Reinhard Hantl, Geschäftsführer der GBM, ist jedenfalls schon jetzt von der umweltfreundlichen Technik überzeugt und kündigte an, die gesamte Fahrzeugflotte der GBM sukzessive auf Elektroautos umzustellen.

Noch aber befinden sich die beiden Ladetechniken hinsichtlich Effizienz und Handhabung in der Testphase - ebenso wie die beiden Elektroautos. Die müssen nämlich erst noch zeigen, wie sie sich im Winter schlagen werden, wenn zusätzlicher Strom, etwa für die Heizung benötigt wird und sich dadurch die Reichweiten verkürzen.

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