Projekt des Boxclubs Nordend

Rückschläge meistern

+
„Ring frei!“ heißt es für ein gemeinsames Projekt des Berufsbildungswerks Südhessen und des Boxclubs Nordend Offenbach, das Akademieleiterin Dr. Anja Paul, Trainer Bernd Hackfort und Politologe Mario Höss (von links) im Nordend vorstellten.

Offenbach - Berufsbildungswerk Südhessen und der Boxclub Nordend Offenbach geben den „Ring frei!“ für ein ungewöhnliches Seminarprojekt. Von Harald H. Richter 

Der Ort für die Vorstellung eines ungewöhnlichen Seminarprojekts des Berufsbildungswerks Südhessen (BBW) ist mit Bedacht gewählt: der Kampfring des Boxclubs Nordend. Sich mit Energie und Unnachgiebigkeit durchsetzen, um ein Ziel zu erreichen – so definieren Boxer ihren Sport. Genau so verhält es sich während einer Berufsausbildung, in der jungen Menschen auch ein gutes Maß an Ausdauer, Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin abverlangt wird. Fähigkeiten, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können.

„Hier wie dort ist es wichtig, sich durchzukämpfen und nicht gleich aufzugeben, auch wenn’s einmal wehtut“, sagt Dr. Anja Paul, Leiterin der Neuen Akademie des BBW. Die Diplom-Psychologin hat Bernd Hackfort, den in Sachen Integrationsarbeit mit Jugendlichen erfahrenen Geschäftsführer des Offenbacher Boxclubs, mit in den Ring geholt. Er und der Politologe und Pädagoge Mario Höss wollen ab Beginn des neuen Ausbildungsjahres im Herbst Lehrlinge, die sich in ihrem Betrieb schwertun, fit machen für ein faires und respektvolles Miteinander. Dazu finden Tagesseminare statt, bis Dezember ein Mal im Monat. Nächstes Jahr soll das Angebot ab April fortgeführt werden und bis zum Ende des Ausbildungsjahres im Juli dauern.

Stärke und Fairness gehören zusammen

Vorgesehen ist ein Training, welches den Jugendlichen aufzeigt, dass Stärke und Fairness zwei Seiten ein und derselben Medaille sind. Dabei werden sie sportlich wie pädagogisch fachkundig angeleitet, um in der Auseinandersetzung mit anderen nach klaren Spielregeln vorzugehen. „Sie sollen auch erfahren, welche Bedeutung Fitness und gesunde Ernährung für ihr Leben hat“, so Hackfort während der Projektvorstellung. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der jungen Menschen im Arbeitsleben zu steigern, nicht gleich schlapp zu machen. „So zahlt sich dieser Workshop auch im Hinblick auf die Reduzierung krankheitsbedingter Fehlzeiten für den beteiligten Betrieb aus“, ergänzt Höss.

Für die Jugendlichen selbst entstehen keine Kosten. Die Seminargebühren (230 Euro) trägt der Arbeitgeber. Eine Ausgabe, die sich vergleichsweise niedrig ausnimmt, stellt man ihr gegenüber, dass der Abbruch einer Ausbildung allein im ersten Lehrjahr einen Firmenchef mehr als 6000 Euro kostet. Knapp ein Viertel aller Ausbildungsvereinbarungen wird vor Ende der Lehrzeit der Jugendlichen aufgelöst, belegt der Berufsbildungsbericht 2013. Eine Quote, die alle Beteiligte alarmiert. „Genau hier setzt unser innovatives Dienstleistungsangebot an“, betont die Akademieleiterin.

Ihre Einrichtung empfiehlt sich Jugendlichen und Lehrbetrieben gleichermaßen. Eine erfolgreiche Ausbildung beginne mit der Auswahl von nicht nur fachlich, sondern auch persönlich zum Betrieb passenden Lehrlingen. Daher unterstütze die Neue Akademie des BBW schon an dieser Stelle. „Fehlbesetzungen kann sich niemand leisten“, so Paul. „Also beraten wir mit unserer Expertise im Bereich Eignungsdiagnostik und Potenzialanalyse passgenau.“

Die besten Boxer-Sprüche

Die besten Boxer-Sprüche

Nicht selten fehle es Jugendlichen an Sozialkompetenz, klagen Firmenbosse. Mangelnde Ausdauer und Frustrationstoleranz sind Stichworte, die ebenfalls genannt werden. Bestimmte Schlüsselqualifikationen lassen sich nach Überzeugung der Fachleute aber erlernen und einüben. Dazu zählen Teamwork, kundenorientiertes Auftreten und die Grundregeln funktionierender Kommunikation gleichermaßen. Dasselbe gilt für das Thema Prüfungsvorbereitung. Das BBW ist zuversichtlich, dass Lehrbetriebe vom Angebotsquerschnitt der Neuen Akademie profitieren werden. Die Mitarbeiter unterstützen etwa 500 jungen Menschen dabei, ihre berufliche Perspektive zu klären. Die Einrichtung mit Sitz in Karben unterhält in Offenbach eine Geschäftsstelle und bietet selbst gut 400 Teilnehmern Ausbildungsplätze in mehr als 30 Berufen.

Mehr zum Thema

Kommentare