Brache bald Filetgrundstück?

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Das ehemalige Fabrikgelände von Collet & Engelhard diente als Baustelleneinrichtung für den S-Bahnbau, als Quartier fürs fahrende Volk und als illegale Müllkippe. Es soll nun bald zum viel beschworenen Filetgrundstück für Investoren werden. Erste Interessenten will die Bahn bereits haben.

Offenbach - (tm) Die riesige Brache zwischen Berliner-, Bernard-, Pirazzistraße und Goethering soll Ende des Jahres endlich das geworden sein, als was es die Deutsche Bahn seit Jahren anpreist: ein echtes Offenbacher Filetgrundstück.

Die Zeichen, dass dieses demnächst neue Eigentümer findet, stünden nicht schlecht, berichtet der regionale Bahnsprecher Hartmut Lange.

Seinen Optimismus begründet er mit dem Umstand, dass die 18 000 Quadratmeter große Liegenschaft als Komplettangebot von der Internetseite der Immobiliensparte des Konzerns verschwunden sei. Grund: Nachdem sich kein Käufer für die Gesamtfläche findet, setzt man auf an Teilstücken interessierte Käufer. Mit denen würden noch Gespräche geführt, deshalb wolle man derzeit nicht mehr sagen, erläutert Lange.

Somit könnte sich ein Ende einer unschönen Brache abzeichnen. Einst war die Fläche Standort einer großen Maschinen- und Werkzeugfabrik. Später wurde das Areal als Baustelleneinrichtung für den S-Bahn-Bau unter der Berliner Straße genutzt. Für diesne Zweck hatte die Bahn 1987 das Grundstück von einer Bank erworben.

Das Ziel, nach Start der unterirdischen Schnellbahn das Areal umgehend wieder zu verkaufen, schlug fehl. Es wurden Verunreinigungen im Boden entdeckt, die auch noch aus Zeiten der 1862 dort etablierten Fabrik Collet & Engelhard stammten. Bis zur Schließung des Betriebs 1971 stellten dort mehr als 800 Mitarbeiter Schrauben-Schneidemaschinen, Bohr- und Fräsmaschinen her.

Die Verunreinigungen durch Schmierstoffe und Öl erstreckten sich punktuell über die gesamte Fläche. Da die Bahn niemanden in Regress nehmen kann, muss sie die Altlastensanierung selbst bezahlen: mit mehr als einer Million Euro. Zwischenzeitlich wurde die Langzeit-Brache als illegale Müllhalde und von Durchreisenden als Quartier genutzt.

Als Pläne durchsickerten, nach denen ein - inzwischen pleite gegangener - Investor dort ein riesiges islamisches Kulturzentrum errichten wollte, handelte die Stadt: Der Bebauungsplan wurde so geändert, dass er nur noch Büro, Handel und Wohnen zulässt.

Vermarktungschancen sieht der Chef der Offenbacher Wirtschaftsförderung, Jürgen Amberger, durchaus. Aus eigener Erfahrung weiß er aber, dass die geplante Nutzung nicht immer dem Bebauungsplan entspricht. Ein Interessent wollte großflächigen Einzelhandel ansiedeln, ein anderer , in Zeiten der Krise mit dem Kauf des Gesamtareals ein Extremschnäppchen machen. Leider seien derzeit Investoren, die Büro, Handel und Wohnen verwirklichen wollten, die Ausnahme.

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