Die Branche darbt - sie ist aber nicht tot

+
Eine Colorman XXL-Zeitungsdruckmaschine von „manroland„.

Offenbach - Die Druckmaschinenindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Alle drei großen Hersteller Heidelberger, „manroland“ und Koenig & Bauer kämpfen mit grundlegenden Strukturproblemen und der andauernden Wirtschaftskrise. Von Achim Lederle

„Manroland“ geht den harten Weg in die Insolvenz. Der deutsche Marktführer Heidelberger Druck musste erst vor wenigen Tagen weitere Stellenstreichungen ankündigen. Vor zwei Jahren waren Fusionspläne zwischen „manroland“ und Heideldruck gescheitert. Die Branche darbt - aber sie ist nicht tot.

Wie ein Fachmann, der die Hintergründe kennt, unserer Zeitung erklärte, boomte die Druckmaschinenindustrie mit der Umstellung der Zeitungen von Schwarzweiß- auf Farbdruck seit Anfang der 90er-Jahre. In den sogenannten „Bric-Staaten“, also Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, habe es zudem bis vor kurzem eine nachholende Entwicklung gegeben. Die sei nun bis auf den weiter prosperierenden Druck-Markt China abgeschlossen. „Nur aus dem Reich der Mitte kommen noch halbwegs gute Rollenmaschinen-Aufträge für den Offsetdruck“, so der Fachmann.

Lesen Sie zum Thema „manroland“ auch:

Es war einmal ein Juwel in Offenbach

„Insolvenz wird auch Zulieferer betreffen“

Kommentar: Heuschrecken ziehen weiter

Roland geht für Neustart pleite

„manroland“ insolvent: 6500 Arbeitsplätze in Gefahr

Ein gravierendes Problem sei auch der Einzug von Internet und iPhone. Viele junge Leute beschafften sich ihre Nachrichten online und kehrten der klassischen Tageszeitung den Rücken. „Verlage sparen und steigen vom Großformat auf das kleinere Tabloid-Format um, was weniger Druckwerke, kleinere Maschinen und damit schmalere Erträge für die Maschinenbauer bedeutet“, so der Experte. Hinzu komme die seit 2008 dauernde Wirtschaftskrise, die Druckmaschinen-Kunden vorsichtiger mache und Käufe zurückstellen ließe. „Diese Gemengelage trifft die Branche ins Mark“, so der Fachmann. Während ein Bereich wanke, liefen jedoch im Zeitschriftendruck, dem Druck von Werbung und dem Verpackungsdruck, die Maschinen auf Hochtouren. „Diese Geschäftsfelder boomen, Verpackungen zum Beispiel für Kosmetik werden immer aufwendiger, und die Druckmaschinen müssen dafür immer mehr leisten“, erläutert der Experte. Dabei sieht er große Chancen für den Digitaldruck, der qualitätsreiche Prints auch in kleineren Auflagen zulasse.

Proteste der Mitarbeiter

Proteste der „manroland“-Mitarbeiter

Hier habe „manroland“ durch die 2010 vereinbarte Kooperation mit der Canon-Tochter Océ die Weichen richtig gestellt: Digitaldruckmaschinen ersetzten immer mehr traditionelle Anlagen und kämen auf einen Marktanteil von 15 Prozent bei stark steigender Tendenz. „Die Zukunft der Druckbranche liegt in dezentralen Strukturen, bei denen Digitaldruck eine immer wichtigere Rolle spielt“, so der Experte.

Sein Fazit: „Der Markt für Druckmaschinen ist nicht tot, wir leben trotz Internet in einer Zeit der Print-Kommunikation.“ Für „manroland“ bedeute dies, dass das Unternehmen seinen Platz in einem neuen, geschrumpften Markt finden müsse. Hierfür sieht der Experte durchaus Chancen: „Der Offsetdruck wurde schließlich in Offenbach durch Alois Senefelder erfunden.“ Heute habe „manroland“ Mitarbeiter mit Know-how und produziere Maschinen auf höchstem Qualitätsniveau. Dies lasse hoffen.

Kommentare