Nach Brand im Vereinsheim

Sport-Club Bürgel im Abseits?

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Der Brand im Vereinsheim des Bürgeler Sport-Clubs wirkt weiter nach.

Bürgel - Die Fußballer des SC Bürgel fürchten, dass sie nach dem Brand im Vereinsheim bewusst vom Feld gedrängt werden. Viele sehen darin das Aus. „Keiner will den Verein auflösen“, sagt der OB. Nächste Woche trifft man sich... Von Martin Kuhn 

Die Gerüchtebrühe brodelt auf (noch) niedriger Flamme an der Frankenstraße. Ein Telefonat, ein Treffen, ein missverstandener Zusammenhang, ein falsch interpretierter Halbsatz. Daraus entsteht eine Melange, die mehr oder weniger starken Veränderungen unterliegt. Die Beteiligten – in diesem Fall Vorstand des Sport-Clubs Bürgel und Oberbürgermeister Horst Schneider – sitzen nächste  Woche an einem Tisch. Mal sehen, ob danach die diffuse Brühe etwas klarer wird.

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Vereinsheim brennt völlig aus

Die bekannte Ausgangslage: Im Juni führte ein „technischer Defekt im Thekenbereich“ zu einem Brand, der die Gaststätte des Bürgeler Vereins zerstört. Lange hofft Schneider, stets das gigantische Offenbacher Haushaltsdefizit im Blick, dass eine kleine bauliche Lösung auf der städtischen Anlage möglich sei. Fachleute durchkreuzen das. Wiederholte Raumluftmessungen haben ergeben, „dass dort alles gesundheitsgefährdend ist“, betont er während einer Bürgerversammlung. Heißt: Ein Gutachten spricht von einem Totalschaden. Sanierung beziehungsweise Neubau würden gut 500.000 Euro kosten.

„Der Preis ist bewusst hoch angesetzt“

Und da kommen die ersten Gerüchte auf. Im Gespräch mit der Redaktion äußern die Vereinsvertreter den bislang leisen Verdacht: „Der Preis ist bewusst hoch angesetzt, damit eine Sanierung unrentabel erscheint.“ Die Fußballer, auch handwerklich mit einigem Geschick ausgestattet, bezweifeln die Rechnung: „500.000 Euro? Das wäre ein Palast“, sagt der 2. Vorsitzende Tuncay Delikus.

Dass das Feuer das gesamte Gebäude, Herz des Vereinslebens, derart in Mitleidenschaft gezogen haben soll, kann er „so nicht nachvollziehen.“ Eine Malerfirma habe die Decke aufgeschnitten und den Schaden als „nicht so schlimm“ eingestuft. Ein Gutachten, das der Verein hat erstellen lassen, beziffert die gesamte Sanierung auf 140 000 Euro - nach der notwendigen Entkernung. In Eigenleistung könne der Verein einiges erledigen, so Vorsitzender Lothar Benz. Er verspricht schon mal optimistisch im Etat zu bleiben. Für den SC-Vorstand, der etwa 30 aktive Fußballer, 50  Dartspieler und 40 weitere Mitglieder vertritt, steht fest: „Wir wollen an der Frankenstraße bleiben.“ So stehe man aber städtischen Plänen im Weg, die dort „schon lange eine Wohnbebauung“ vorsähen.

„Ich habe das Vereinsheim nicht angezündet“, geht der Verwaltungschef erneut in die Offensive, der die Diskussion um mögliche Alternativen von seinem Vorgänger als Sportdezernent „geerbt“ hat – Bürgermeister Peter Schneider. Noch im Sommer bringt er als Vorschlag ein, den Hartplatz der SKG Rumpenheim in einen Kunstrasenplatz umzuwandeln und dem SC Funktions- und Vereinsräume zu errichten.

Bilder vom Brand beim SC Bürgel

Feuer in Bürgeler Vereinsheim

Und was ist mit der recht unterschiedlichen Kostenschätzung? Horst Schneider betont: „Wir haben da nichts hinein gemauschelt.“ Als „vertrauensbildende Maßnahme“ sei das Gutachten dem Verein zugänglich gemacht worden. Fest stehe: Etwa drei Viertel des Gebäudes an der Frankenstraße sei zu entkernen und im Zuge des Wiederaufbaus auf heutige technische Standards zu bringen - beispielsweise bei den Energiewerten. Das mit Muskelhypothek zu stemmen, sei „nett und sympathisch“, in seinen Augen in „unserem durchgeregelten Staat“ jedoch nicht zu leisten.

Schneider sucht vielmehr nach Wegen, die auch künftig tragfähig sind. Ein solcher Weg wäre für ihn die Fusion mit einem anderen Fußballverein – so wie es etwa Germania und FC Bieber gemacht haben. Vorteil: Entzerrung der Platzbelegung im Sportzentrum Wiener Ring.

Trotz solcher Überlegungen beruhigt der Oberbürgermeister: „Keiner will den Sport-Club auflösen.“ Ein Zusammenschluss sei allein Sache der Vereine. Der sieht die Zeit davonlaufen. „Wir lange dauert das? Planung, Baugenehmigung, Ausführung - da sind zwei Jahre vorbei“, rechnet der ehemalige SC-Vorsitzende Jürgen Schwab vor. Da sei man längst ausgeblutet, prophezeit sein Nachfolger.

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