Brandgefährliche Raucher

Offenbach - Es ist ein ständiges Déjà-vu: Kurz vor den Sommerferien feiern sich alle Vereine gegenseitig in Grund und Boden. Fällt das erste Laub, wird’s Zeit für die Herbst-Flohmärkte. Und im Frühjahr verkündet die Stadt: „Im Wald darf nicht geraucht werden.“ Gähn. Von Martin Kuhn

Der jährliche Wiederholer aus dem Presseamt ist noch nicht einmal die Mühe wert, fachgerecht im Papierkorb entsorgt zu werden. Solche Hinweise mit erhobenen Zeigefinger braucht man doch nicht, oder?

„Schön wär’s“, sagt Feuerwehrchef Uwe Sauer und listet die traurige Realität auf: Zu fünf bis zehn „Zwischenfällen“, schätzt der oberste Offenbacher Brandschützer, müssen Berufs- und Freiwillige Wehr jährlich in den Forst ausrücken.

Annähernd 1500 Hektar Wald gibt es in Offenbach, immerhin ein Drittel des Stadtgebiets. Jeder weiß, dass das Rhein-Main-Gebiet nicht mit den Feuerhöllen in Südeuropa oder Australien zu vergleichen ist. Dennoch weigert sich Sauer, das Thema klein zu reden. „Die Gefahr von Waldbränden ist durchaus real.“ Und im Falle eines Falles haben die Blauröcke nicht nur mit den Flammen zu kämpfen, sondern auch mit Hürden: Die Brandherde sind meist schwer zugänglich, ein Wasserleitungssystem ist bis auf eine Ausnahme nicht vorhanden, Bürgern gelingt bei der Alarmierung kaum eine Ortsbeschreibung. „Die wenigsten wissen, wie die Waldschneisen heißen“, weiß Sauer.

Apropos Schneisen. Das gut ausgebaute Wegenetz im Naherholungsgebiet Wald schätzen die Feuerwehrmänner nicht nur als Anfahrtsweg: „Das sind für uns auch Brandschneisen, die das Überspringen der Flammen verhindern.“ Und ein Vorteil des Ballungsraums: Im Wald sind viele Leute unterwegs, denen Brandherde kaum entgehen. Zudem hilft die „Luftüberwachung“: Wenn im Landeanflug befindliche Jets Rauch sichten, alarmieren sie den Frankfurter Tower, der das sofort an die zuständigen Wehren weitermeldet.

Und was brennt im Offenbacher Forst? „Das reicht vom glimmenden Baumstumpf bis zur lodernden Grasfläche.“ Ähnliche Horror-Szenarien wie rund ums Mittelmeer sind eigentlich nicht zu erwarten. Mit ein Grund: Es gibt eigentlich eine gesunde Mischung aus Laub- und Nadelbäumen. Gefürchtete „Wipfelfeuer“, die in reinen Nadelschonungen vorkommen, entstehen nicht, zudem wachsen hier nicht ähnlich ölhaltige Bäume (etwa Pinien) wie in Südeuropa.

Dennoch erfolgt der jährliche Appell: „Um den Baum- und Tierbestand zu schützen, wird an die Bevölkerung appelliert, weder im Wald zu rauchen, noch dort oder in unmittelbarer Nähe ein Feuer im Freien anzuzünden.“ Geregelt ist das mit gesetzlichen Bestimmungen: Vom 1. März bis 31. Oktober darf im Forst und in dessen Umgebung - im Umkreis von 100 Metern zum nächsten Waldbereich - nicht geraucht werden. Darüber hinaus untersagt der Gesetzgeber, „mit unverwahrtem Feuer oder Licht das Waldgelände zu betreten oder sich damit dem Forst in Gefahr bringender Weise zu nähern. Es darf natürlich auch im Wald kein brennender oder glimmender Gegenstand fallen gelassen werden. Das gleiche gilt für das Fortwerfen oder das unvorsichtige Handhaben eines solchen Gegenstandes.“

Das hört sich wie eine Selbstverständlichkeit an - es wird doch keiner eine glühende Kippe in den trockenen Wald werfen. Ein Trugschluss: „Leider doch“, weiß Uwe Sauer.

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