Brandschutz vertreibt Kultur

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Thomas Krypta in den von der Bauaufsicht gesperrten Räumen der Heyne Kunstfabrik.

Offenbach - Während die Kultureinrichtung Hafen 2 derzeit alle nur denkbare Unterstützung erfährt, hängen einige hundert Meter weiter die ebenfalls etablierten Kulturschaffenden der Heyne Kunstfabrik in der Luft. Von Matthias Dahmer

Mehr noch: Die Kreativen, die man doch so gerne in der Stadt halten möchte, sind mittlerweile sogar gezwungen, nach Frankfurt auszuweichen. In der Zeilgalerie wird heute eine Ausstellung eröffnet, die eigentlich in den Fabrikräumen am Nordring geplant war. Dort jedoch haben die Vorschriften des Brandschutzes vorläufig jegliches künstlerische Schaffen erstickt.

Thomas Kypta, Kurator und Initiator der 2007 gegründeten Kunsthalle, berichtet, wie es dazu kam: Dem Erfolg einer Veranstaltung im Oktober des vergangenen Jahres ist es zu verdanken, dass die städtische Bauaufsicht auf die Fabrikräume aufmerksam wird, die Teil eines weitläufigen Gebäudekomplexes im Karree zwischen Nordring, Andre-, Ludwig- und Lilistraße sind. Knapp 200 Besucher tummeln sich an dem Abend auf rund 400 Quadratmetern, wenige Tage später inspizieren Mitarbeiter der Bauaufsicht die Lokalität und senken den Daumen.

Seit dem geht dort gar nichts mehr. Thomas Kypta kann nun nur noch auf seinen Vermieter hoffen. Der Investor aus München, dem das gesamte Gelände gehört, hat nach Angaben des Kurators zwei Möglichkeiten: Entweder er erfüllt für rund 50.000 Euro lediglich die Brandschutzauflagen oder er wandelt für eine Viertelmillion die Räume mit ihrem derzeit morbiden Charme in moderne Büroflächen um. Letzteres würde das Ende der Heyne Kunstfabrik an diesem Standort bedeuten. Kypta geht aber davon aus, dass der gegenüber Kulturellem aufgeschlossene Investor zur kleineren Lösung tendiert.

Ausnahmegenehmigung im Mai

Immerhin: Für die Veranstaltungsreihe „Kunstansichten“ im Mai, sagt Kypta, wird es noch mal eine Ausnahmegenehmigung geben. Was den Kunsthallen-Gründer aber ärgert: Bei den Kunsträumen in der ehemaligen Mato-Fabrik an der Bieberer Straße oder auch beim alten Lokschuppen, in dem der Hafen 2 untergebracht ist, sei der Brandschutz offenbar kein Thema. „In den Mato-Räumen war ich selbst schon. Dort sind bestimmt auch nicht alle Brandschutzbestimmungen erfüllt. Nur bei uns macht man so einen Terz“. sagt Kypta. Er hat den Eindruck, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.

Diese Vermutung weist Helmut Reinhardt zurück. Beim Hafen 2 sei im Hinblick auf den Brandschutz alles genehmigt, bei Mato handele es sich nur im Ateliers, in denen kein größeren Veranstaltungen stattfänden, erläutert der Leiter der städtischen Bauaufsicht. Was die Ausnahmegenehmigung für die „Kunstansichten“ angehe, kann er sich die nur unter strengen Auflagen, etwa einer Brandwache, vorstellen. Im Übrigen, so Reinhardt, nutze es Herrn Kypta gar nichts, wenn auch in anderen Ausstellungsräumen dem Brandschutz nicht ausreichend Rechnung getragen worden sein sollte.

Der Chef der Bauaufsicht betont, die Nutzung der Räume in der Heyne Kunstfabrik sei aus Sicherheitsgründen derzeit nicht möglich. Reinhardt geht davon aus, dass der Vermieter aus München sich im Rathaus meldet und sagt, was er in Sachen Brandschutz vorhat.

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