Brav die Fußnoten gesetzt

Offenbach ‐ Seit gestern Mittag ist der Doktortitel auf der Internetseite von Karl Theodor zu Guttenberg verschwunden. Auf das Thema Doktorarbeit ist der Verteidigungsminister zur Zeit wohl nicht besonders gut zu sprechen. Ganz anders die Titelträger in Offenbach. Von Katharina Skalli

Fröhliches Lachen am anderen Ende der Leitung, wenn sie nach ihrer Promotion gefragt werden, deren Verteidigung bei den meisten schon einige Jahre zurückliegen. Dr. Matthias Schulze-Böing promovierte 1994 und schmückt sich nach erfolgreichem Abschluss mit dem Titel Dr. rer. pol., den er für seine Forschungsarbeit zum Thema „Flexibilität und Marginalität: Transformation und Rekonstruktion von Beschäftigungen in der Risikogesellschaft“ erhalten hat. Für den Geschäftsführer der Mainarbeit steht fest: „Es gibt Spielregeln.“ Sollten sich die Vorwürfe gegen Guttenberg als berechtigt herausstellen, sei das nicht „Fairplay“.

Dr. Matthias Schulze-Böing

Dr. Gabriele Botte, Leiterin der Volkshochschule, sieht das ähnlich. „Es ist ein hohes Gut, dass man in diesem Bereich glaubwürdig ist. Wenn Guttenbergs Arbeit ein Plagiat ist, dann ist das ehrenrührig.“ In einer Dissertation gehe es schließlich darum, neue Gedanken zu entwickeln. Auch für Guttenbergs Doktorvater sei die Situation peinlich. Dr. Gabriele Botte promovierte 1984 in Erziehungswissenschaft. Der Titel ihrer Arbeit: „Abwehrverhalten und Theoriefeindlichkeit beim Lernen von Lehrern“.

Dr. Gabriele Botte

Ähnlich wissenschaftlich klingt der Titel der Doktorarbeit von SPD-Chef Dr. Felix Schwenke. „Die Idee der ‘souverainité nationale‘ in der Diskussion über den EU-Verfassungsvertrag vor dem Referendum 2005 in Frankreich“. Seinen Doktortitel trägt der 30-jährige Lehrer und Politikwissenschaftler erst seit knapp einem Jahr. Sollte Guttenberg tatsächlich Passagen abgekupfert haben, ist Schwenke für die Aberkennung des höchsten akademischen Grads. „Wie bei jedem anderen auch.“

Das geistige Gut anderer ist zu achten

So nachsichtig wie scheinbar die Prüfer von Guttenbergs Dissertation, war der Doktorvater von Dr. Stefan Soltek vor etwa 24 Jahren nicht. Weil der Leiter des Klingspormuseums in seiner Arbeit zu viele Rechtschreibfehler hatte, verpasste er die höchste Auszeichnung „summa cum laude“ (mit höchstem Lob) und schloss mit „magna cum laude“ (mit großem Lob) ab. „Ich musste meine Arbeit auf der Schreibmaschine schreiben und habe einfach zu viele Fehler gemacht“, sagt der Kunsthistoriker, dessen Arbeit den Titel „Der Freckenhorster Taufstein“ trägt. Soltek fragt sich im Fall Guttenberg, ob die Prüfer ähnlich bestraft werden wie der prominente Verfasser.

Dr. Bernhard Mohr

Auch Dr. Jürgen Eichenauer hat im Fach Kunstgeschichte promoviert. Seit 2004 trägt der Leiter des Hauses für Stadtgeschichte den Titel Dr. phil. Für ihn ist es Bestandteil einer wissenschaftlichen Arbeit, das geistige Gut anderer zu achten. „Wenn jemand dies nicht beachtet, ist der wissenschaftliche Wert dieser Arbeit zweifelhaft.“ Seine Dissertation untersucht das Frankfurter Umfeld des Malers Gustav Courbet und trägt den schlichten Titel „Der Frankfurter Maler Angilbert Göbel (1821 - 1882) – Ein Wegbereiter des Realismus“.

Auch den Namen des Volkswirts Bernhard Mohr schmückt das prestigeträchtige Kürzel „Dr.“. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der hiesigen Industrie- und Handelskammer untersuchte in den Siebzigern die „Wettbewerbsverhältnisse in der deutschen Papierindustrie“. „Ich habe immer brav Fußnoten angefügt“, versichert der Volkswirt. Zitieren, ohne die Quellen anzugeben, gehöre sich nicht. Bei keiner wissenschaftlichen Arbeit.

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