Gruselige Katzenvideos

Brenda Lien im siebten Teil der HfG-Serie

Schminktutorials zählen auf der Videoplattform Youtube zu den Hits. Brenda Lien bürstet sie gegen den Strich. -  Filmstill: Herzog (p)
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Schminktutorials zählen auf der Videoplattform Youtube zu den Hits. Brenda Lien bürstet sie gegen den Strich.

Offenbach - Kunst oder Jura? Eine Webserie der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) zeigt, dass es sich lohnt, einen Kreativstudiengang zu wählen. Filmer Daniel Herzog sprach mit Studierenden über ihre Projekte und ihre Entscheidung, sich an der HfG zu bewerben. Nun ist im Internet die siebte Folge zu sehen. Im Gespräch: Brenda Lien. Von Eugen El

„Ich bin mit Youtube aufgewachsen“, bekennt die 22-Jährige. Sie bezeichnet sich als „Internet-Kind“. An die HfG kam die gebürtige Offenbacherin 2012, nach der elften Klasse. Ursprünglich wollte sie in Darmstadt studieren, entschied sich aber für ihre Heimatstadt. Das breite Spektrum der Hochschule habe den Ausschlag gegeben, erzählt Lien. Seit dem zweiten Semester studiert sie in der Filmklasse von Rotraut Pape. In Animations- und Spielfilmen greift Lien auf bei Youtube beliebte Genres wie Schmink- oder Katzenvideos zurück und unterzieht sie einer kritischen Betrachtung.

Im Gespräch tritt Lien unprätentiös auf, wirkt aber müde. „Ich verschnaufe erst mal kurz“, sagt sie. Wenige Tage zuvor wurde im Frankfurter 1822-Forum ihre Einzelausstellung „Positive Affirmations“ eröffnet. Dort zeigt Lien eine Kurzfilmtrilogie, an der sie seit 2016 arbeitet. In wohnlich anmutender Umgebung laufen die Filme auf Laptops und Tablets.

Zu sehen ist unter anderem der achtminütige Kurzspielfilm „Call of Beauty“. Er handelt von zwei jungen Frauen, die einen Schminkkanal auf Youtube betreiben. Lien offenbart die Sorgen und Neurosen der zwischen Schönheitswahn und Kommerz eingezwängten Frauen. Der Film ist zwei Jahre alt, sein Thema aber brandaktuell. Wie alle Filme von Lien ist „Call of Beauty“ nicht auf Youtube zu finden. Aufmerksamkeit bekommen ihre Arbeiten auch so. Beim Kurzfilmfestival Köln 2016 wurde „Call of Beauty“ mit dem WDR-Preis ausgezeichnet. „Call of Cuteness“, ein 2017 entstandener Vierminüter, lief bei der Berlinale und weiteren internationalen Filmfestivals. Dieser gar nicht niedliche Animationsfilm dreht sich um Katzenvideos.

Im 1822-Forum zeigt Lien auch ihren jüngsten Film, „Call of Comfort“. Der lehnt sich an die Ästhetik von Youtube-Meditationsvideos an. Er geht aber auch auf die Datensammelwut von Apps und sozialen Netzwerken ein. „Ich wollte, dass der Film unheimlich wirkt“, sagt Lien. „Call of Comfort“ sei ein Exkurs in die Science-Fiction, ergänzt sie, „ein Genre, in dem man soziale und gesellschaftliche Gedankenexperimente durchspielen kann“.

Dass sie konsequent ihren Interessen nachgehen kann, verdankt Lien dem wenig verschulten Studium an der HfG: „Die Hochschule bietet Raum dafür, sich auszuprobieren und zu entfalten.“ Bald möchte sie ihre Diplomarbeit angehen, danach plant sie ihren ersten längeren Film. Ihr Ziel: „Ich möchte Langfilmmacherin werden.“

„Positive Affirmations“ von Brenda Lien, bis 19. Mai im 1822-Forum Frankfurt, Fahrgasse 9. Geöffnet Dienstag bis Freitag 14 bis 18, Samstag 13 bis 16 Uhr

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