Manroland Sheet Fed: Briten streben 2012 Gewinn an

Augsburg/Offenbach - Der britische Unternehmer Tony Langley will nach der Übernahme das insolvente Manroland-Bogendruckwerk in Offenbach schon kurzfristig zum Erfolg führen. Er wolle bereits dieses Jahr die Gewinnzone erreichen, sagte Langley gestern in Augsburg. Von Marc Kuhn

Die Nachfrage in den Schwellenländern gleiche den Rückgang in den alten Märkten aus - „wir sehen sehr gute wirtschaftliche Perspektiven für das restrukturierte Unternehmen“, sagte Langley. Die Übernahme des Standorts Offenbach erfolgt einschließlich sämtlicher Produktionsanlagen und Immobilien sowie der kompletten internationalen Vertriebsorganisation in über 40 Ländern. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, erklärte Insolvenzverwalter Werner Schneider.

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Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider zeigte sich erleichtert. Die Übernahme sei ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der industriellen Kompetenz Offenbachs. Seit der Erfindung der Lithographie sei der Name der Stadt eng mit der Herstellung von Druckerzeugnissen verbunden. Mit der Weiterführung des Betriebs habe diese Tradition auch in Zukunft „ein ökonomisches Standbein“. Die FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung begrüßte die Rettung des Werks. „Dies ist von großer Bedeutung für den Arbeitsmarkt in Offenbach und der Region“, so FDP-Fraktionschef Oliver Stirböck.

Geschäftsführer des künftigen Unternehmens in Offenbach wird nach Angaben der Betriebsratsvorsitzenden Alexandra Roßel der bisherige Vertriebschef Rafael Penuela. „Wir hoffen, mit Optimismus in die Zukunft gehen zu können“, erklärte Roßel unserer Zeitung. „Erst einmal erleichtert“ zeigte sich die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber. Über den Investor sagte sie: „Wie der sich aufstellen wird, wissen wir noch nicht.“

Massiver Kosten- und Wettbewerbsvorteil

Der kräftige Stellenabbau verschafft den drei Werken in Offenbach, Augsburg und Plauen nach Ansicht von Insolvenzverwalter Schneider einen massiven Kosten- und Wettbewerbsvorteil. Die verkleinerten Unternehmen „starten in der richtigen Größe, wie’s der Markt verlangt“, sagte Schneider. Nach dem Verkauf des Augsburger Werks an die Lübecker Possehl-Gruppe und des Offenbacher Werks an Langley sei er froh, sich als Insolvenzverwalter demnächst verabschieden zu können. Offenbach soll künftig unter dem Namen Manroland Sheet Fed firmieren, Augsburg unter Manroland Web Systems. Die Nachfrage bei den beispielsweise für Werbung gebrauchten Bogendruckmaschinen ist Langley zufolge annähernd stabil. Er rechne für Offenbach mit einem positiven Ergebnis schon in diesem Jahr.

Insolvenzverwalter Schneider und die Possehl-Gruppe haben gestern den Kaufvertrag über den Erwerb des Rollendruckmaschinengeschäfts in Augsburg unterschrieben. Damit ist der Fortbestand dieses Geschäftsfelds langfristig gesichert, wie Manroland mitteilte. Schneider zeigte sich zuversichtlich, auch für das Werk in Plauen schon bald einen Investoren präsentieren zu können. „Da ist was in Sicht.“ Außerdem rechne er fest damit, dass der Stellenabbau in Plauen schon bald umgekehrt und wieder Mitarbeiter eingestellt werden könnten. Plauen werde zu einer verlängerten Werkbank für diverse Unternehmen werden.

824 Mitarbeiter werden übernommen

Insolvenzverwalter Schneider räumte ein, dass der Stellenabbau bei den vormals rund 4700 Beschäftigten im Inland Offenbach am schlimmsten treffe: 824 Mitarbeiter würden übernommen, aber 947 müssten gehen. In Augsburg blieben 1510, und 741 würden gekündigt. In Plauen arbeiten 320 Mitarbeiter weiter, 348 Stellen wurden gestrichen. Fast alle der rund 2000 gekündigten Mitarbeiter sind laut Schneider bis August in Beschäftigungsgesellschaften angestellt. Die von der Allianz und MAN als Alteigentümern der Manroland AG hierfür gezahlten 24 Millionen Euro reichten nicht, es würden wohl 30 bis 35 Millionen Euro gebraucht. Der Gesamterlös aus den Übernahmen dürfte allerdings „weit über 100 Millionen“ kommen, sagte der Insolvenzverwalter.

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