Das Brodeln unterm Schnee

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Dorothea Terpitz, Grundstückseigentümerin am Wilhelmsplatz, ist sauer über das städtische Schreiben. Der voraussichtliche Anliegerbeitrag zum Umbau der Straße auf der westlichen Seite des Platzes ist wesentlich höher als erwartet. Am Freitag ist ein weiteres Treffen der Platz-Anrainer mit der Stadt.

Offenbach ‐ Frostig ist’s derzeit auf dem sich langsam wandelnden Wilhelmsplatz. Rundherum jedoch, da brodelt es wieder mal. Grund ist ein städtisches Info-Schreiben an die Anwohner. Die sollen bekanntlich für den in diesem Jahr beginnenden Umbau der seitlichen Straßen, den zweiten Bauabschnitt, mitbezahlen. Von Matthias Dahmer

In dieser Woche haben sie schwarz auf weiß bekommen, was voraussichtlich auf sie zukommt.

Diese Berechnung fällt unerwartet höher aus als vorher angekündigt. Wir sind aus allen Wolken gefallen“, sagt Dorothea Terpitz. Sie und ihr Mann haben das kleinste Grundstück auf der westlichen Seite des Platzes. Auf 128 Quadratmetern steht ein dreigeschossiges Haus, im Erdgeschoss betreibt Dorothea Terpitz eine Galerie auf 35 Quadratmetern, der Rest wird als Wohnraum genutzt. Mit 10.300 Euro sollen sie sich nach den vorläufigen Berechnungen der Stadt am Straßen-Umbau beteiligen. Die Gesamtkosten für die westlichen Teil beziffert die Kommune mit rund 467.000 Euro.

Folgt man den - ebenfalls nur vorläufigen - Berechnungen, welche die Stadt noch im Sommer verkündete, hat sich der zu berappende Anliegerbeitrag für die Familie Terpitz mehr als verdoppelt. Von durchschnittlich 40 Euro pro Grundstücks-Quadratmeter für die 37 Anlieger war im Juli 2009 die Rede. Im Fall Terpitz wären das 5120 Euro gewesen.

Keine Spur von Bürgernähe bei der Entscheidungsfindung

Auf Anfrage im Rathaus, sagt Dorothea Terpitz, sei ihr mitgeteilt worden, die Erhöhung rühre daher, dass ihr Haus vorwiegend gewerblich genutzt werde. „Ein Besuch bei uns hätte ausgereicht, um festzustellen, dass diese Berechnung falsch ist“, erneuert die Anwohnerin ihre Ankündigung, gerichtlich gegen den zu erwartenden Bescheid vorzugehen.

Dabei geht es ihr wie den meisten anderen Betroffenen mittlerweile gar nicht um die grundsätzliche Verpflichtung, Anliegerbeiträge für den Umbau zu zahlen. Die bislang fehlende Transparenz der Berechnungsgrundlagen, die Weigerung der Stadt, den Verteilerschlüssel herauszurücken, wie Dorothea Terpitz sagt, ist es, was die Anlieger rund um den Platz auf die Palme bringt.

Wie etwa auch den streitbaren Rosen-Apotheker Dr. Hans-Rudolf Diefenbach. Mit 20.100 Euro wäre er nach derzeitigem Stand der Dinge dabei. Wie der Betrag für sein Eckgrundstück zustande kommt, ob der an die Bieberer Straße grenzende Teil seiner Parzelle mit berechnet wurde - Diefenbach kann nur mit den Schultern zucken. Er vermisst eine „dezidierte Auflistung“, sieht keine Spur von Bürgernähe bei der Entscheidungsfindung zum neuen Gesicht des Platzes, an der die Anwohner nicht beteiligt wurden und hält das Klima inzwischen für vergiftet.

Schneider verspricht, Karten auf den Tisch zu legen

Mit Spannung erwartet Diefenbach die „zweite Vorladung“, wie er das Treffen der Wilhelmsplatz-Anrainer mit der Stadt am nächsten Freitag um 16 Uhr im Rathaus nennt.

Verwaltungschef Horst Schneider verspricht, dass dann die Karten auf den Tisch gelegt werden, die Bauverwaltung die konkreten Berechnungsgrundlagen in individuellen Gesprächen erläutert. Zwischen 2000 und 50.000 Euro bewegen sich Schneider zufolge die von den Eigentümern zu zahlenden Beiträge.

Im Übrigen wertet der Oberbürgermeister die Anwohner-Kritik als „Versuch, uns auf der Verfahrensebene ins Unrecht zu setzen“. Gleichzeitig weist er erneut auf die Chancen hin, die sich durch die Aufwertung des Platzes für die Grundstückeigentümer ergeben. Einer teilt schon Schneiders Einschätzung und hat einen Bauantrag zur Aufstockung seiner Immobilie gestellt.

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