Mordkommission eingeschaltet

Bruder von Sanel M. schlägt junges Mädchen ins Gesicht

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Offenbach - Unfassbar: Der kleine Bruder von Sanel M., aktuell vor Gericht im Fall Tugce, soll am Offenbacher Hafen ein Mädchen angebrüllt und ins Gesicht geschlagen haben. Die Mordkommission ist eingeschaltet.

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Wie uns die Polizei betätigte, hat der kleine Bruder von Sanel M. Ärger mit der Justiz. Der 16-Jährige soll am Hafen in Offenbach die Freundin des großen Bruders zunächst angebrüllt und anschließend mit der Hand ins Gesicht geschlagen haben. Warum? Sie soll laut „Bild“-Zeitung eine Affäre begonnen haben, während Sanel M. in U-Haft saß. Ein Kumpel des Schlägers filmte die Auseinandersetzung sogar. Dieses Video wurde nun der Polizei zugespielt. Der 16-Jährige muss sich womöglich wegen Körperverletzung verantworten. Die Polizei in Offenbach bestätigte uns auf Anfrage die laufenden Ermittlungen. „Derzeit wird das Videomaterial ausgewertet“, sagte eine Polizeisprecherin. Aufgrund der Brisanz des Falles und des familiären Umfeldes ist auch die Mordkommission eingeschaltet. „Der Vorfall passierte bereits im März“, sagte uns ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das junge Mädchen habe bisher aber noch keinen Strafantrag gestellt.

Urteil gegen Sanel M. erwartet

Morgen soll das Urteil im Fall Tugce gegen Sanel M. fallen. An der Schuld besteht kein Zweifel. Es gilt als wahrscheinlich, dass das Gericht um den Vorsitzenden Richter Jens Aßling Sanel M. nach Jugendstrafrecht verurteilen wird, da M. zum Tatzeitpunkt gerade erst seit zehn Tagen 18 Jahre alt war. Das Jugendstrafrecht sieht Sanktionen wie Arrest, Arbeitsauflagen oder die Teilnahme an einem Anti-Gewalt-Training vor. Möglich sind auch Haftstrafen im Jugendgefängnis. Das Gericht muss die Strafe dabei so bemessen, dass eine erzieherische Einwirkung möglich ist. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Die Nebenklage befürwortet eine längere Haftdauer, ohne eine konkrete Zeit zu nennen. Die Verteidigung plädiert dagegen für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Sie beklagt die "beispiellose Vorverurteilung" ihres Mandanten. Zudem seien Ermittlungsergebnisse an die Medien durchgesteckt und das Bild von Sanel M. unverpixelt abgedruckt worden. Damit habe man ihn zu Freiwild gemacht. "Es gab keine Spur von Schutz des jugendlichen Täters", kritisiert Anwalt Heinz-Jürgen Borowsky. Und selbst Oberstaatsanwalt Homm räumt ein: "Ich möchte nicht in der Haut des Angeklagten stecken, wenn er mal die schützenden Mauern der Justizvollzugsanstalt verlässt."

Bilder zum Tugce-Prozess in Darmstadt

dr/dpa

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