Brutaler Überfall auf 74-Jährige

Vom Goldschmuck angelockt

Offenbach - Vier Jahre Haft, die höchste Strafe, die am Amtsgericht verhängt werden darf, erhielt ein 29 Jahre alter Mann, der im August des vergangenen Jahres eine 74-Jährige Offenbacherin überfallen hatte.

Der alten Dame wurde zum Verhängnis, dass sie goldene Ringe und eine goldene Kette trug. Das bemerkte der Angeklagte, als die Seniorin in der Innenstadt unterwegs war, und folgte ihr zu ihrer Wohnung. Als die 74-Jährige die Tür zu ihrer Wohnung aufschloss, stieß der Räuber sie hinein und zog die Tür zu. Er befahl der Frau zunächst sich hinzusetzen. Dann nahm er sich zuerst die Handtasche vor und entnahm dieser das gesamte Bargeld. Danach riss er der 74-Jährigen Halskette und Armband weg, packte ihre Hände und streifte die Ringe ab. Auf das Betteln des Opfers hin ließ er den Ehering als Andenken an den verstorbenen Mann am Finger.

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Als die Seniorin den 29-Jährigen zum Schlafzimmer führte, wo dieser weitere Beute vermutete, griff sie zu einem kleinen Schraubenzieher. Der Angeklagte bemerkte dies und schlug der 74-Jährigen zweimal ins Gesicht. Im Schlafzimmer fesselte er sie, um in Ruhe das Zimmer nach Wertgegenständen durchsuchen zu können. Nachdem er genügend zusammengerafft hatte – die Beute hatte einen Wert von etwa 15.000 Euro –, machte er sich davon. Der Täter wurde von einer Videokamera im Aufzug erfasst, die Polizei veröffentlichte kurz darauf das Bild. Mit Erfolg: Einige Tage nach der Tat erkannte der Mitarbeiter einer Spielhalle den 29-Jähigen. Er rief die Polizei, die ihn festnahm.

Es stellte sich heraus, dass sein Heimatland Bulgarien seine Auslieferung begehrte. Die bulgarischen Behörden warfen ihm ebenfalls einen Raub vor. Der Mann gab vorm Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck den Überfall weitgehend zu. Er sei als Kind in ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen und habe sich teilweise mit dem Verkauf von Pilzen und gesammeltem Brennholz aus dem Wald über Wasser gehalten. Die Eltern hätten ihn und seine zwei Geschwister allein gelassen. Als junger Mann habe er sich als Tagelöhner durchgeschlagen. Als es erlaubt gewesen sei, nach Deutschland zu gehen, habe er dies getan und sich als Schwarzarbeiter verdingt.

Warum er die Tat begangen hat, ließ der 29-Jährige offen. Möglicherweise hatte er zu viel Geld beim Spielen verloren und konnte nicht mehr genug nach Hause zu Frau und Kind überweisen. Richter Manfred Beck geht davon aus, dass der Verurteilte wahrscheinlich nach zwei Jahren Haft ausgewiesen und mit einem Wiedereinreiseverbot belegt wird. Er werde wohl den bulgarischen Behörden wegen des dort gegen ihn vorliegenden Haftbefehls übergeben. (mad)

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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