Bubble Football ist nicht nur für Azubis

Kugel muss ins Rechteck

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Verbandschef Michael Palm (links) gibt dem WDR-Moderator Arnd Zeigler letzte Tipps. Im Hintergrund steckt Bachirou Salou im Ball.

Offenbach - Im Januar 1900 gründeten 36 Vereinsvertreter aus dem Reich in einer Leipziger Kneipe den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Drei Jahre später durfte sich der VfB Leipzig als erster Club in der jungen Randsportart Deutscher Meister nennen. Von Stefan Mangold 

Das Endspiel gewannen die Sachsen auf einem Exerzierplatz in Hamburg-Altona. Damals hätte kaum jemand vermutet, dass etwa ein halbes Jahrhundert später ein gewonnenes Finale im Fußball die Nation in Ekstase treiben kann.

Im vergangenen Februar konstituierte sich in Offenbach ein „Deutscher Bubble Football Bund“ (DBF-Bund). Das Ziel im Bubble Football ist dasselbe wie bei einem normalen Kick: Die Kugel muss ins Rechteck. Ein Unterschied zum Treiben an Bieberer Berg oder Bornheimer Hang liegt schon mal darin, dass in der neuen Variante des Fußballs Diskussionen ausbleiben, ob jemand mit einem unerlaubten Körperteil den Ball bugsiert oder nicht. Beim Bubble Football kann niemand das Leder mit der Hand am Überschreiten der Torlinie hindern. Ein Keeper fehlt als feste Position. Ellenbogenausschläge, die fast an jedem Bundesligawochenende für das Abspielen von Zeitlupen sorgen, funktionieren nicht.

Wer aufs Feld geht, steckt in einem durchsichtigen, 10,5 Kilo schweren Ball. Im Inneren sind Griffe montiert. Was auf dem Platz passiert, hat mit Physik zu tun, mit Impulserhaltungssatz und vektoriellen Differenzen. Wer vom Gegner einen tüchtigen Rums verpasst bekommt, fliegt hilflos durch den Raum. Von hinten ist das verboten. „Dann fehlt die Körperspannung“, erklärt Michael Palm (31), der Vorsitzende des DBF-Bund, die Feinheiten des Regelwerks.

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Mitunter erinnert der Kick an eine Parodie aufs Eishockey, wenn die Cracks einander in die Bande checken. Regelmäßig fliegen dann die Fäuste. Man merkt, wie es manche fuchst, wenn der Gegner sie zu Boden rempelt und sie erst mal wie ein auf den Rücken gefallener Käfer strampeln. Der Plastik-Kokon hindert daran, den Zorn frei auszuleben. Das wirkt wie die unfreiwillige Teilnahme an einem Anti-Aggressions-Training.

„Wir wollen Offenbach zum weltweiten Mekka des Bubble Football machen“, beschreibt Michael Palm mit einem Augenzwinkern die Ziele des Bundesverbands: „Es gibt keinen Grund, nicht größenwahnsinnig zu denken.“ Die Keimzelle des Bubble Football sitzt an der Oberen Grenzstraße 72. Dort unterhält die Polaris Media GmbH ihre Räume. Das Unternehmen betreut und gestaltet Webseiten für kleine und mittelständige Unternehmen. Palm leitet das Marketing.

Als der Schweizer Firmengeschäftsführer Patrik Jungen (42) zufällig einmal einen Bericht über den aus Dänemark stammenden Bubble Football sah, dachte der passionierte Fan des FC Basel: „Das könnte eine nette Geschichte für unsere Azubis sein!“ Bei denen kam die Disziplin, die sich glänzend auf Rasenflächen spielen lässt, bestens an.

Ende November organisierte der Deutsche Bubble Football Bund in der Heusenstammer Sporthalle am Weiskircher Weg die ersten Deutschen Meisterschaften. Insgesamt nahmen 18 Mannschaften teil. Mit von der Partie war ein prominenter ehemaliger Profi. Bachirou Salou stürmte einst für Duisburg, Frankfurt, Gladbach und Dortmund an 253 Spieltagen erstklassig. In Heusenstamm spielte Salou im WDR-Team „Zeiglers Wunderbare Welt“- gespickt mit Leuten, die eigentlich zu kicken verstehen. In den Luftball gesteckt, fand auch Salou keinen Rhythmus: Drei Spiele, drei Klatschen. Gegen Seligenstadt kam die Truppe um Fernsehmoderator Arnd Zeigler mit 0:8 unter die Räder.

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