Kein Gold im Rathaustresor

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Sicher ist sicher: OB Horst Schneider und Autor Uwe Kauss mit dem Buch „99 Mal Offenbach“ vor dem städtischen Tresor.

Offenbach - Wer die Finanzen der Stadt kennt, wird sich nicht wundern, dass im Rathaustresor weder Geld noch Gold oder Juwelen lagern. Von Markus Terharn

Die meisten Offenbacher dürften gar nicht wissen, dass es im Keller der Verwaltungs-Betonburg einen gibt: 1971 fertiggestellt, 60 Quadratmeter groß, ausgestattet einst mit Belüftung, Telefon und Aufzugsschacht, gesichert mit Gittern, tonnenschwerer Tür, Kette und Zahlenschloss.

Dies ist einer der 99 Orte in Offenbach, die Kauss in seinem Werk versammelt. Geplant in Zusammenarbeit mit Matthias Müller vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit, sollten die Texte ursprünglich nur im städtischen Internetportal stehen. „Wir haben für einen virtuellen Rundgang Geschichten über Orte gesucht, die nicht unbedingt als Sehenswürdigkeiten in unseren Broschüren aufgeführt sind“, erläutert Müller.

„Offenbach inside“

Dafür gewann er Kauss, der mit „Offenbach inside“ hervorgetreten war. Als sich der Cocon-Verlag aus Hanau interessiert zeigte, der mit Ida Todiscos „Offenbach – Liebe auf den zweiten Blick“ viel Erfolg hat, wechselte das Projekt in die analoge Welt.

„Ein halbes Jahr lang bin ich kreuz und quer durch die Stadt gefahren“, erzählt Journalist Uwe Kauss, Jahrgang 1964. „Und ich war war zehn, zwölf Mal im Stadtarchiv, das extrem hilfsbereit war.“ Es habe noch viel mehr Orte gegeben, nicht alle hätten funktioniert: „Mal wollte eine Firma nicht, manches habe ich zu Tode recherchiert.“

Weniger die Stätten stehen im Mittelpunkt, vielmehr „interessante Menschen und spannende Begebenheiten aus Vergangenheit und Gegenwart“, betont Kauss. „Wer weiß zum Beispiel, dass die Spitzen-Tennisspielerin Andrea Petkovic auf der Rosenhöhe trainiert?“ Gleich gehen mehrere Finger hoch. „Oder dass Max Mutzke, Uwe Ochsenknecht und Sasha ihre Tonträger bei Oli Rüger in Bieber aufnehmen? Dass der erste Bundesaußenminister Heinrich von Brentano an der Geleitsstraße 109 aufgewachsen ist? Dass an der Geleitsstraße 92 mit Sebastian Herkner ein weltweit angesehener Möbeldesigner arbeitet? Und dass der deutsche Stararchitekt Egon Eiermann vier Atriumhäuser am Johann-Strauß-Weg entworfen hat? Oder dass Marilyn Monroe...?“

Kenntnis der Geburts- und Heimatstadt

Niemand wird all das präsent haben. Auch Oberbürgermeister Horst Schneider räumt Lücken in der Kenntnis seiner Geburts- und Heimatstadt ein. Er schwächelt vor allem bei den Modeadressen: „Mal sehn, ob die meiner Frau ein Begriff sind!“

Ehelichen Bezug zu Offenbach hat auch Manfred Nachtigall, Art Director und Produktentwickler des Verlags: „Ich habe vor 26 Jahren meine Frau aus der Bachstraße 13 in den Main-Kinzig-Kreis entführt.“ Auch die Adresse der ehemaligen Künstlerkolonie findet sich im Buch.

Und der kommunale Safe unter dem heutigen Bürgerbüro an der Berliner Straße 100. Dessen Chefin Martina Fuchs lagert dort Akten, Büromaterial und die Dekoration für den Weihnachtsbaum ihrer Behörde. Hauptamtsleiter Gordon Hadler weiß, dass der Panzerschrank von der renommierten Frankfurter Firma Garny baugleich mit dem der alten Sparkassen-Hauptstelle ist. „Früher lag darüber die Stadtkasse, die bis zur Umstellung aufs Girowesen viel Bargeldverkehr abwickelte.“ Später diente der Raum dem Kassen- und Steueramt als Zwischenlager für kleinere Geldbeträge oder größere Pfandgegenstände.

Hier gibt es das Buch „99 Mal Offenbach“

Uwe Kauss: 99 Mal Offenbach. Cocon, 216 Seiten, broschiert, 14,80 Euro

Erhältlich ist der Band ab morgen in der OF-Info, im Buchhandel und in Läden wie Artefakt, Tour des Vins, Rösterei Laier und Käserei L’Abbate. Zur Buchpremiere lädt Kauss für Dienstag, 4. Dezember, 20 Uhr, in den t-raum (Wilhelmstraße 13). Die zweite Lesung folgt am Sonntag, 16. Dezember, 19 Uhr, im Kulturwaggon am Main. Geplant sind weitere Termine sowie eine Karte der 99 Orte unter www.offenbach.de.

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