Büffeln fürs Abi

Flucht vor dem inneren Schweinehund

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 Geteiltes Leid ist halbes Leid: Gemeinsam büffeln diese Schüler in der Offenbacher Stadtbibliothek für die Abitur-Prüfungen.

Offenbach - Kein einziger Stuhl ist mehr frei, Schreibblöcke, Ordner, Mäppchen und Trinkflaschen bedecken die Tische des Bücherturms in der Stadtbibliothek Offenbach. Von Simon Busch 

Eigentlich würde niemand erwarten, dass sich abends nach einer anstrengenden Schulwoche auch nur ein einziger Schüler in die Bibliothek verirrt. Jetzt, so kurz vor dem schriftlichen Abitur sieht das aber anders aus. Bei dieser „Lernnacht-XXL“ sind etwa 65 Schüler gekommen, um für ihre bevorstehende Reifeprüfung zu lernen. Der Großteil paukt für das verhasste Fach Mathematik. Zum dritten Mal lässt die Bibliothek vor dem Landesabitur freitags ihre Säle drei Stunden länger geöffnet. Statt um 18 schließen sich die Türen erst um 21 Uhr. „Ich habe das Gefühl, es werden jedes Jahr mehr Schüler“, sagt Bibliothekarin Katharina Klauer. Wegen der großen Beliebtheit wird das Angebot diesmal um einen Termin verlängert, auch am morgigen Freitag können Abiturienten bis in den späten Abend hinein über ihren Büchern brüten.

Zur Unterstützung stehen zwei Studenten bereit: Kai Nehler ist 20 Jahre alt und studiert Psychologie in Frankfurt, sein Kollege Simon Matischak ist 21 und angehender Pilot. „Wir helfen den Schülern, Frustration zu verhindern“, formuliert es Nehler. Der Respekt vor den vierstündigen Prüfungen ist groß. „Am meisten Schiss hab ich vor Bio“ gibt Shahzeb Ahmad zu. „Generell bin ich aber nicht der aufgeregte Typ.“ Ganz anders ist es bei Meryem Balikci. Sie sei „richtig aufgeregt vor dem Abi“, berichtet sie. In die Bibliothek kommt sie, um vor ihrem inneren „Schweinehund“ zu flüchten: „Wenn ich zuhause lerne, schlafe ich nur ein“, erzählt sie.

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Bei so vielen jungen Erwachsenen ist die Stimmung in der Bibliothek natürlich aufgeheizt. So laut ist es jedenfalls selten. Wegen der gesonderten Öffnungszeiten sollte sich aber keiner der übrigen Besucher gestört fühlen. Die Schüler motivieren sich, fragen sich ab und erklären sich gegenseitig den schwierigsten Stoff. Für rund 27.000 hessische Schüler beginnt morgen die Abiturphase. An elf Tagen lassen sie sich in fünf Fächern schriftlich, mündlich oder mittels einer Präsentation prüfen.

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