Stadtverordnetenversammlung zieht nach Bieber

Bühne frei fürs Präsidium

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Halime Baytemir und Waltraud Schäfer vom Umzugsteam besprechen Organisationsdetails mit Andreas Leonhard. Der Vorsitzende des TV Bieber ist auch in puncto Technik versiert.

Offenbach - Wer schon einmal umziehen musste, kennt die damit verbundenen Unannehmlichkeiten: Kisten packen, Logistik organisieren, einrichten. Noch kniffeliger wird’s, wenn gleich eine ganze Stadtverordnetenversammlung ein neues Domizil beziehen muss. Von Jenny Bieniek 

Mit der Halle des TV Bieber haben die zum Umzug gezwungenen Stadtverordneten ihr Übergangsdomizil für die nächsten zwei Jahre bereits gefunden. Wenn ab Mitte Juli Sitzungssaal und Büros im Breitfuß des Rathauses saniert und in Sachen Brandschutz und Gebäudetechnik auf den neuen Stand gebracht wird, ist die Versammlung bereits ausgelagert. „Zwei Jahre waren wir mit den Vorbereitungen zugange, weil haushaltsrechtliche Probleme den Umzug mehrfach verschoben haben“, sagt die Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller. Zu Beginn war von Dezember 2014 die Rede, dann von März 2015 – nun ist der Umzug für Sommer geplant. Gemeinsam mit Amtsleiterin Waltraud Schäfer und ihrem Team plant Nöller die Umsiedlung von 71 Stadtverordneten. Läuft alles nach Plan, geht die erste Sitzung in Bieber am 1. Oktober über die Bühne.

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Schon jetzt sind Neuerungen absehbar: „Unser jetziger Sitzungssaal ist breit, die Halle in Bieber eher längs, dafür größer. Um acht Fraktionen unterzubringen, werden Leute hintereinander sitzen müssen“, erklärt Schäfer. Das Präsidium wird auf der Bühne Platz finden, auch Presse und Zuschauer müssen untergebracht werden. Insgesamt 19.200 Euro sind im Haushalt für die durch den Umzug entstehenden Kosten eingeplant – für 17 Sitzungen plus finanziellem Spielraum für mögliche Sondersitzungen. Der logistische Aufwand hält sich in Grenzen: Tische und Stühle, Rednerpult und Tontechnik sind in der TV-Halle bereits vorhanden. Lediglich Wahlkabinen und ein Multifunktionsgerät zum Drucken und Kopieren müssen vom Rathaus nach Bieber transportiert und dauerhaft untergestellt werden. Vielmehr geht es um Organisatorisches, das bis Juli geklärt sein muss, etwa: Wie kann sichergestellt werden, dass alle informiert sind? Denn im Exil haben die Stadtverordneten keinen kurzfristigen Zugriff auf ihre Postfächer. Auch das kurzfristige Einreichen oder Umschreiben von Anträgen werde dann nicht mehr ohne Weiteres möglich sein. „Wir müssen schließlich jedes Blatt 100 Mal kopieren“, erinnert CDU-Frau Nöller.

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Andere, zuvor ausgemachte Bedingungen erfüllt die TV-Halle: Platz für Tische und Stühle für 150 Menschen, vorhandene Parkplätze, barrierefreier Zugang, öffentliche Anbindung, vorhandene Garderobe und Zusatzräume sowie bezahlbare Verpflegung. Vor allem letztere erwies sich bei zuvor diskutierten Interimsquartieren oft als Knackpunkt. Die nahe gelegene Rudolf-Koch-Schule, Isenburger Schloss, Büsingpalais oder Kickers-Stadion schieden aus vielerlei Gründen aus: Nachmittagsunterricht, fehlende Tontechnik, Säulen, die den Blickkontakt im Saal behinderten, gefordertes Sicherheitspersonal, mangelnde Infrastruktur, fehlendes oder zu kostspieliges Catering. „Allein zehn Kästen Mineralwasser gehen während einer Versammlung weg. Auch eine Stärkung zwischendurch muss möglich sein“, begründet Nöller.

In Bieber übernimmt das die vereinseigene, mittels Durchbruch an die Halle angegliederte Gaststätte. „Essen im Saal wird’s trotzdem nicht geben“, stellt Vorsteherin Nöller lächelnd klar. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie gern an den Bieberer Berg ausgewichen wäre: „Das wäre für uns repräsentativ und fürs Stadion eine Aufwertung gewesen.“ Schon 2001 war die Halle Bieber während Renovierungsarbeiten im Rathaus kurzzeitiges Ausweichquartier. „Und damals hat’s auch geklappt“, erinnert Waltraud Schäfer. Diesmal sei der Umzug nur längerfristiger.

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