Bühnenbild passt nicht

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Seelische Abgründe, übersteigerter Ehrgeiz, Lügen, Ängste und Enttäuschungen – das sind die Zutaten zu Henrik Ibsens Drama „Hedda Gabler“. Karten gibt es im Vorverkauf bei den üblichen Stellen.

Offenbach ‐ Es ist, als kaufte man sich eine dicke Luxuslimousine, um hinterher festzustellen, dass die Garage des Reihenhäuschens viel zu klein für den Wagen ist. Von Simone Weil

So etwa stellte sich das Problem für die Aufführung der angekündigten „Wahlverwandtschaften“ von Johann Wolfgang von Goethe im Capitol am Sonntag, 28. März, dar. Das Bühnenbild der Bremer Produktion müsste aufwändig umgearbeitet werden, um auf die Bretter des Hauses an der Goethestraße zu passen. Weil dies etwa zwei Tage dauern und damit schließlich zu kostspielig würde, haben die norddeutschen Theaterleute ein anderes Stück im Gepäck, wenn sie zum Gastspiel nach Offenbach kommen: „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen.

Im Capitol macht in der Reihe „Theater-Essenz“ kein kommerzielles Tourneetheater Station. Zu Gastspielbesuchen kommen renommierte Häuser wie das Theater Bremen, das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper München oder das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel.

Die Hintergründe der Programmänderung sind peinlich

In der städtischen Pressemitteilung heißt es lapidar: „Über den aufwändigen Aufbau wurde das Kulturbüro erst nach Vertragsabschluss informiert.“ Dabei haben die Offenbacher nicht die Katze im Sack gekauft, sondern Stefanie Fiedler und Johannes Schurz vom „Kulturcabrio“ auf die Pirsch geschickt, um Inszenierungen auszuwählen und vorzuschlagen. Das junge Duo engagiert sich per Honorarvertrag überall dort, „wo Kunst, Konzepte und Kommunikation zusammenkommen“, um das Kulturleben anzuregen.

Noch im September, bei der Vorstellung der Theaterreihe, hatte Dr. Ralph Philipp Ziegler, Leiter des Forums Kultur und Sport, gelobt: „Die beiden haben tolle Vorgaben gemacht durch das Sichten der Theaterlandschaft.“ Kulturbüroleiter Ludo A. Kaiser räumt nun ein: „Sie haben den Fehler begangen, nicht mit dem Bühnenmeister zu sprechen.“

Die beiden anderen in dieser Saison noch ausstehenden Aufführungen hat man deswegen hinsichtlich des Bühnenbilds noch einmal unter die Lupe genommen. Weitere Komplikationen seien nicht zu erwarten, meint Kaiser. In der kommenden Saison will der Kulturbüroleiter sich bei der Auswahl der Stücke mehr einbringen und ein genaues Auge darauf haben, ob die Produktionen umzusetzen sind.

Das Offenbacher Haus an der Goethestraße bringt besondere Gegebenheiten mit sich, nach denen die Inszenierungen ausgesucht werden müssen: Es gibt keine Drehbühne, wie sie an vielen Theatern üblich ist und die den Umbau zwischen den Akten erleichtert. Darüber hinaus dürfen Kulissen nicht auf dem Boden verschraubt werden.

"Es ist eben kein Theater"

Es ist eben kein Theater“ , erklärt Kaiser. Mit den zwischen 300 und 450 Besuchern der ersten drei Aufführungen sei er eigentlich ganz zufrieden, ein paar Gäste mehr aber könnten es sein, meint der Kulturbürochef. Von den insgesamt 850 Sitzplätzen im Capitol können 520 bei Theateraufführungen genutzt werden – die anderen eignen sich wegen der eingeschränkten Sicht nicht.

Doch die Bühnenbildprobleme sollen das anstehende Theatervergnügen am Sonntag, 28. März, 20 Uhr, nicht schmälern. Denn die Veranstalter sind überzeugt, mit „Hedda Gabler“ einen hochwertigen Ersatz für die „Wahlverwandtschaften“ gefunden zu haben. Der Klassiker des 19. Jahrhunderts hatte im November vergangenen Jahres im Schauspielhaus Bremen Premiere. Regisseur Sebastian Schug stellt in diesem modern und frisch inszenierten Stück das Handeln der von Grausamkeit getriebenen Hedda in den Mittelpunkt.

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