Nach unterdurchschnittlicher Ernte auch in Bürgel

Äpfel verzweifelt gesucht

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So sieht’s beinahe überall aus: Ein Apfel mit einem Hagelschaden hängt neben einem unversehrten Exemplar. Spätfröste im April schädigten die Blüten von Äpfeln, Kirschen, Erdbeeren und anderem Obst. Äpfeln. Die Ertragsausfälle reichen von bis zu 70 Prozent bis zu Totalausfällen.

Bürgel -  Der Deutsche Bauernverband erwartet die geringste Apfelernte seit 26 Jahren. Das kann der Bürgeler Alexander Lühn nur bestätigen – leider. In diesem Jahr tröpfelt es eher aus seiner Kelter. Dennoch steigt am kommenden Samstag, 16. September, sein Kelterfest. Von Martin Kuhn

„Obstbauern erwarten Einbußen bei Apfelernte“, „Frühjahrsfröste lassen Preise steigen“, „Apfelernte so schlecht wie selten“. Die Schlagzeilen der vergangenen Tage verheißen nichts Gutes fürs hessische Nationalgetränk. Was da aber als abstrakte Größe in den Überschriften landet, ist bei Alexander Lühn greifbar – oder auch nicht. Beim Bürgeler Kelterer können seit gut zwei Wochen Äpfel abgeliefert werden. „Das ist alles eher ernüchternd...“, sagt einer, der seit 1986 keltert.

Die Keltertage enden mangels Masse bei Lühn in der Hanauer Straße 59 früher als üblich. „Man könnte sagen: Es ist entspannt“, versucht er der Missernte noch etwas Positives abzugewinnen. Während er sonst bis abends Äpfel sortiert, wäscht, häckselt und presst, ist jetzt gegen 14 Uhr Schluss. Bis zur besten Fußball-Bundesliga-Anstoßzeit ist alles sauber gemacht.

„Und es ist absehbar, dass das angelieferte Obst weniger wird“, ist er sehr pessimistisch gestimmt. Was ihn ärgert, sind Beobachtungen seiner Stammkunden: Gerade auf Streuobstwiesen hängen die Bäume voll, „aber keiner macht das Obst ab.“ Ganz bitter: „Einer hat die Äpfel lieber in die Biotonne gekippt; das sei bequemer als der Weg zur Kelterei.“

Aber nicht nur die „lokale Ernte“ lässt zu wünschen übrig. „Auch aus dem Spessart und anderen Gegenden kommt nichts.“ Zumal die eigentliche Kelterzeit erst beginnt. Der Grund für die Verknappung der Stöffche-Basis ist bei vielen in Vergessenheit geraten – die Minusgrade Mitte April. Das statistische Landesamt hat’s für Baden-Württemberg mal in Zahlen gefasst: „Von den 11 000 Hektar Kernobst (Apfel, Birne) im Land gelten 2 500 Hektar als sehr stark geschädigt. Darüber hinaus weisen nahezu alle Flächen im Land Teilschäden auf.“

Am Ende wirkt sich das alles auf den Preis aus. Der Kunde zahlt für den Süßen bereits 10 Cent mehr. Aber das könnte sich schnell ändern. „Aber das Wenige, das ich werktags noch verkauft hatte, soll lieber zu Apfelwein reifen“, sagt Alexander Lühn. Heißt: Aufgrund der geringen Äpfelanlieferungen und damit verbundener Saft-Knappheit haben wir uns entschlossen, den Süßen-Verkauf „wochentags komplett einzustellen“, ist er hörbar zerknirscht.

Wer frisch Gepressten supersüß und süffig aus Bürgel möchte, muss sich samstags sputen. Eine Gelegenheit dazu bietet das jährliche Kelterfest: Es steigt am kommenden Samstag, 16. September, direkt hinter der Kelterei im Grünen. Das Team reicht ab 12 Uhr Handkäs mit Musik, frische Brezeln, Kaffee und Kuchen, Gegrilltes, frisch gepressten Süßen und natürlich viel Ebbelwoi. Es gibt diverse Spiele für Groß und Klein. Neu: Wer es etwas sportlicher mag, dem steht ein kleines Volleyball-Netz zur Verfügung. Wie immer: Offenes Ende am Lagerfeuer.

Selbst gemachte Obstsäfte sind gesund und lecker

Ein anderer lokaler Renner ist in diesem Jahr allerdings komplett gestrichen: Apfelsaft, Apfel-Quitte oder auch Apfel-Aronia, jeweils fünf Liter in haltbaren Bag-In-Box-Weinschläuchen, wird’s 2017 definitiv nicht geben. Nur ein schwacher Trost für die Liebhaber der süßen Köstlichkeiten: „Einige Apfelsaft-Mischsäfte sind in geringen Mengen noch aus dem vergangenen Jahr verfügbar“, tröstet Alexander Lühn die Anhänger des alkoholfreien Endprodukts.

Infos unter www.kelterei-luehn.de

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