Polizei und Ordnungsamt haben keine Erkenntnisse

Aufgebrachte Hundehalter: Zettel warnen vor Giftködern

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Offenbach - Die Meldung verbreitet sich in Windeseile: „Passt bitte auf, wenn ihr am Kuhmühlgraben Gassi geht. Es wurden Giftköder gefunden. “ Hundehalter sind aufgeregt und empört, zu Recht. Von Martin Kuhn

Vielleicht jedoch auch voreilig: Weder Polizei noch Ordnungsamt sind aktuelle Fälle bekannt. Tatsächlich sind in der östlichen Feldgemarkung diverse Warnungen angebracht – teils handgeschrieben, teils ausgedruckt, meist am Wegrand platziert. Einem Bürgeler, der dort regelmäßig mit seinem Vierbeiner unterwegs ist, sind die Hinweise aufgefallen, er hat selbst allerdings noch keine Köder gefunden. Und weiß zu ergänzen: „Zwei Hunde sollen bereits gestorben sein...“ Diese Nachricht hat sich ebenfalls verselbstständigt unter Bürgeler Hundehaltern: „Ihr müsst unbedingt etwas in die Zeitung schreiben; zwei Hunde sind vergiftet worden.“

Die Polizei ist indes etwas ratlos. „Weder auf den Revieren noch bei der Fachdienststelle liegen Anzeigen vor“, heißt es von der Pressestelle. Nächster Versuch beim Ordnungsamt. „Wir haben zwischenzeitlich durch den Außendienst ermitteln lassen, der in Bürgel, aber auch im Westen von Offenbach, an der verlängerten Helene-Mayer-Straße solche Schilder gefunden hat“, sagt Amtsleiter Peter Weigand. „Feststellungen auf tatsächlich ausgelegte Köder gab es aber nicht“, schränkt er umgehend ein. In der turnusmäßigen Lagebesprechung mit der Polizei ist vereinbart, dass „Bürgermeldungen“ – so heißt es tatsächlich – über eventuell ausgelegte Köder auch ans städtische Ordnungsamt gehen. „Erst wenn konkrete Hinweise vorliegen, würden wir mit einer Warnmeldung an die Öffentlichkeit gehen“, erläutert Weigand.

Es sind also einige Hürden gesetzt, ehe offizielle Stellen aktiv werden. Mithin ist es ein rechtlich schwieriges Terrain: Sollte nachweisbar sein, dass tatsächlich Giftköder ausgelegt wurden und ein Zusammenhang mit dem Tod eines Hundes besteht, ermittelt das Kommissariat  23 wegen einer Straftat im Sinn des Tierschutzgesetzes. Das alleinige Auslegen der Köder erfüllt nicht den Straftatbestand, da der bloße Versuch nach dem Strafgesetzbuch nicht strafbar ist. Den Hundehaltern ist eine solche Unterscheidung vermutlich egal. Auch Biologin Brigitte Fenn, die in der Tierarztpraxis ihre Mannes arbeitet, weiß derzeit nichts von aktuellen Gift-Fallen: „Es gingen zwar Brechdurchfälle um, mehr aber nicht.“

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Und was macht der Halter, wenn der Hund tatsächlich einen Giftköder gefressen hat? „Sofort den Hund zum Tierarzt oder in eine Tierklinik fahren“, sagt Brigitte Fenn und gibt die Empfehlung mit: „Liegen noch Teile des Giftköders herum, diese unbedingt mitnehmen.“ So können die Experten analysieren, um welches Gift es sich handelt, und Gegenmaßnahmen in die Wege leiten. Alarmzeichen für eine Vergiftung sind starkes Erbrechen mit und ohne Blut, Speicheln, Durchfall, Gleichgewichtsstörungen, Zittern und Untertemperatur (unter 37 Grad). Und sie warnt zusätzlich: „Viele Hunde trinken beim Gassigehen aus Pfützen, auch das kann gefährlich sein.“Für Ingbert Zacharias, ehemals Hundeführer bei der Hessischen Polizei, ist das ein „Unding“. Er kann durchaus die Aufregung um die vermeintlichen Giftköder verstehen, sieht jedoch Versäumnisse der Besitzer. „Es ist vor allem eine Frage der Erziehung!“ Schon Welpen müssen nach seinen Worten vor allem eins lernen: „Gefressen wird nur, was im eigenen Napf liegt und vom Besitzer kommt. Alles andere ist tabu.“

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