OP-Bericht schlägt beim Verein hohe Wellen

TSG Bürgel: „Werden behandelt wie andere Vereine“

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Die ESO-Sportfabrik

Offenbach - Der Magistratsbeschluss zur vertraglichen Regelung offener finanzieller Fragen zwischen der Stadt und der TSG Bürgel, den unsere Zeitung zum Gegenstand eines Berichts gemacht hat, schlägt beim Verein hohe Wellen. Von Matthias Dahmer 

Während die Offenbacher Sportfamilie das Geschehen mit Interesse verfolgt, spricht der TSG-Vorstand in einem Informationsblatt an die Mitglieder unter anderem von „unglücklicher Berichterstattung“ und davon, dass „fälschlicherweise der Eindruck erweckt wird, der Verein wäre in erheblicher wirtschaftlicher Schieflage und könne seinen Forderungen künftig wohl nicht mehr nachkommen“. Im Gespräch relativiert der Vorstand gestern aber seine Vorwürfe.

TSG-Chef Rolf Dieter Elsässer und sein Vize Helmut Schmidt räumen ein, dass es Verbindlichkeiten gegenüber der Sparkasse gegeben hat, die man bis Ende 2014 bedient habe. So seien von bestehenden Altschulden 340.000 Euro abgetragen worden. Die Altschulden, das betonen beide, seien allerdings eine Erblast aus den 70er- und 80er-Jahren, die der damalige Vorstand hinterlassen habe. Zuletzt beliefen sich die Verbindlichkeiten der TSG bei der Städtischen Sparkasse wie berichtet auf 920.000 Euro. Laut Magistratsbeschluss, den das Stadtparlament im Dezember noch absegnen muss, übernimmt die Stadt die Hälfte davon. Gleichzeitig wird der Erbbauvertrag zwischen Stadt und Verein über Tennishalle und ESO-Sportfabrik von 60 auf 14 Jahre verkürzt. 2023 wird daraus eine 30-jährige Pacht. Dann wird die Stadt Eigentümer der Gebäude.

Bereits zum 1. Januar 2016 greift eine neue Vereinbarung, nach der die TSG die Sportanlage gegen einen jährlichen städtischen Zuschuss im eigenem Namen und auf eigene Kosten betreibt. Die TSG-Spitze legt Wert auf die Feststellung, sie bleibe damit Hausherr in den Hallen. Das Eigentum an den Immobilien, das wird zugegeben, geht indes langfristig auf die Stadt über. Elsässer und Schmidt sagen, sie hätten schon bei Errichtung der ESO-Sportfabrik auf die zum 1. Januar vereinbarte detaillierte Regelung mit der Stadt über den Betrieb der Anlagen gedrängt. Der diesbezügliche Vertrag bringe nun Planungssicherheit.

Selbstbewusste TSG Vorsitzende

Was die von der TSG nicht gezahlten Erbbauzinsen von etwa 40.000 Euro an die Stadt und nicht gezahlte Kreditraten von monatlich 2800 Euro an die Sparkasse angeht, weist die Vereinsspitze auf den schon im Magistratsbeschluss genannten Umstand hin, dass dies eine finanzielle Belastung sei, welche den vollständigen und reibungslosen Ablauf der derzeitigen Vereinstätigkeit gefährde. Hinzu komme, dass der Verein „durch immer größer werdende Auflagen bezüglich der ESO-Sportfabrik an seine finanziellen Grenzen geführt wird“, heißt es im Schreiben an die Mitglieder. Bei den der TSG erlassenen Erschließungskosten für die ESO-Sportfabrik von zirka 69.000 Euro haben Elsässer und Schmidt folgende Sichtweise: Bei der Erschließung habe der Verein in kommunalem Auftrag gehandelt.

Dass die Sparkasse offenbar die Reißleine gezogen und die Stadt die Schulden übernommen hat, wird in der Mitglieder-Info als rundherum positiv verkauft: „Dass sich die Stadt Offenbach an den noch bestehenden Verbindlichkeiten sowie den laufenden Kosten beteiligen will, unterstreicht nur das Vertrauen in die Vereinsführung, der von allen Seiten eine grundsolide Arbeit bescheinigt wird.“ Weiter heißt es: „Sowohl Verein als auch Stadt wollen die Zukunft nun gemeinsam und ohne Einflussnahme der Sparkasse Offenbach gestalten.“

Selbstbewusst merken die TSG-Vorsitzenden im Gespräch zudem an, dass die ESO-Sportfabrik seinerzeit ohne den Verein nicht hätte gebaut werden können. Die TSG selbst habe eine Million Euro investiert, die Stadt habe der Bau unterm Strich weniger als eine Million Euro gekostet.

TSG Bürgel lässt HSG Dreieich keine Chance

Der Verein habe sich im Übrigen positiv entwickelt, erwirtschafte unter neuer Führung seit 2006 Gewinne. Zurückzuführen sei dies auf Einspar- und Strukturmaßnahmen sowie eine intensive Mitgliederwerbung. Die Zahl der Mitglieder sei von 1200 auf mehr als 2000 gestiegen. 700 davon seien Kinder und Jugendliche. Die TSG beweise soziale Kompetenz und trage dem Integrationsgedanken Rechnung, indem auch Blinde und Gehörlose zu den Mitgliedern zählten.

Die Erhöhung von Mitgliedsbeiträgen, die Kämmerer Felix Schwenke für notwendig hält, ist nicht geplant. „Bei der nächsten Jahreshauptversammlung wird das kein Thema sein“, sagt Elsässser. Allerdings gebe es in den jeweiligen Abteilungen Sonderbeiträge, die gegebenenfalls überprüft und angepasst würden. Grundsätzlich ist dem Vereinsvorsitzenden wichtig: Mit den neuen Regelungen werde die TSG behandelt wie jeder andere Verein auch. „Uns ist nicht daran gelegen, eine Neiddebatte aufkommen zu lassen“, sagt er.

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