Ehepaar Münk dokumentiert Offenbacher Veränderungen

Im Zeitraffer zu Baustellen

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Offenbach, Klappe, die... Ursula und Dittmar Münk filmen den Wandel der Stadt, Alexander Scherer unterstützt dabei.

Offenbach - Filme und TV-Beiträge über Offenbach finden ebenso viele Freunde wie Gegner. Es allen Recht machen kann kaum ein öffentlich ausgestrahlter Film. Das Spektrum der Kritik umfasst ungerechte Vorurteilspflege bis zur peinlichen Beschönigung. Von Thomas Kirstein 

Was Ursula und Dittmar Münk mit Unterstützung von Alexander Scherer gefilmt, geschnitten und vertont haben, entzieht sich solchen Bewertungen. Es ist eine nüchterne Bestandsaufnahme, was sich in einem nüchternen Titel spiegelt: „Offenbach am Main Stadtentwicklung 1992 – 2014“. Die 45 DVD-Minuten möchte Münk teilen: Mit dem Rathaus hat er schon Kontakt aufgenommen, kann sich eine Vorführung im Stadtmuseum oder einen Vertrieb übers Servicecenter vorstellen.

Der 65-Jährige ist vom gemeinsamen Werk überzeugt. Gattin Ursula hatte die Idee: „Da lag bei uns so viel tolles Material herum, da musste man doch was draus machen.“ Vor drei Jahren begann das seit 1977 in Bürgel lebende Ehepaar damit, gezielt zu filmen, was sich seitdem in Offenbach veränderte. „Ich bin fasziniert von Baggern und Kränen“, gesteht Ursula Münk, die auch als Drehbuchautorin verantwortlich zeichnet. Der Film verleugnet die Vorliebe für Baustellen nicht. Fachliche Beratung für das Endprodukt kommt von Freund Alexander Scherer. Der 35-jährige Regisseur und Redakteur hat seit 2009 eine eigene kleine Produktionsfirma für Werbung, Spiel- und Dokumentarfilme, ist für Frankfurts Filmmuseum, ZDF oder N24 tätig. Kennen gelernt hat man sich beim Hessischen Rundfunk.

Scherer hatte einen Studentenjob in Archiv und Kopierwerk, der gelernte Feinmechaniker Münk war bis zum Ruhestand in der Logistik des Landesfunks tätig. Dem HR hat der Amateurfilmer aus Offenbach 2008 für die Reihe „Wandervolles Hessen“ den Beitrag „Geheimnisse des Morgenbachtals“ verkauft. „Meine ,Faszination Rheinwandern’ haben sie aus Geldgründen abgelehnt“, bedauert Dittmar Münk, „die wollten einen professionellen Sprecher, da ist dann schnell das Budget überschritten.“ Den eigenen Streifen hat der aus Nieder-Wöllstadt bei Friedberg stammende Münk nicht nur selbst mit leichter rhein-mainischer Färbung besprochen, sondern als alter Pop- und Tanzmusiker auch selbst vertont. Eigene Kompositionen untermalen, was der Schnitt von 25 Stunden, mit großen, teils auf Profistative und Schwenkneiger montierte JVC-Kameras und kleineren Semiprofi-Kameras gefilmtem Rohmaterial übrig gelassen hat.

Die Produktion der „Dux Movie Entertainment“ nimmt mit auf eine Zeitreise. Die Stadt steht im Mittelpunkt, weniger ihre Menschen. Es geht zurück zu den Anfängen des S-Bahn-Baus, die Kamera rast im Zeitraffer durch die Berliner Straße, kommt an im 2003 vom Hochwasser bedrohten Bürgel und dokumentiert die Ertüchtigung des Portefeller-Damms; das Großprojekt Stadionneubau wird begleitet, die Wohnbebauung An den Eichen und der Neubau der Carl-Ulrich-Brücke; die Kickers-Fans feiern 2005 im Büsinghof die auf dem Balkon winkende Mannschaft für den Aufstieg in die zweite Liga. So konzentriert hat der Interessierte Offenbacher Entwicklungen bislang nicht betrachten können. Gewagt und gewiss manchen Widerspruch provozierend ist freilich Dittmar Münks abschließendes Fazit, das den verantwortlichen Politikern ein glückliches Händchen attestiert.

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