1. Startseite
  2. Offenbach

Bürgeler Ortsfamilienbuch erscheint 2023

Erstellt:

Von: Frank Sommer

Kommentare

Auch der Türsturz liefert Dominik Mangelmann Hinweise zur Familienchronik.
Auch der Türsturz liefert Dominik Mangelmann Hinweise zur Familienchronik. © Sommer

Der erste namentlich bekannte Bürgeler ist ins Jahr 1312 zu datieren – allerdings als Frankfurter. Ein gewisser Hertwico, wohl um 1290 in Bürgel geboren, wird dort als Frankfurter Bürger erwähnt. „Auch der zweite Bürgeler ist Frankfurter Bürger geworden“, sagt Dominik Mangelmann und schmunzelt: Ein zu Bürgel geborener Johannes, der in Frankfurt Schultheis wurde, steht an zweiter Stelle im Bürgeler Ortsfamilienbuch.

Offenbach - Dieses war ein Herzensanliegen des 2018 gestorbenen Lokalhistorikers Rudolf Meyer. An dem 2010 publizierten Mühlheimer Familienbuch konnte er noch mitarbeiten, das Bürgeler Pendant jedoch nicht vollenden. Mangelmann, der Meyers Arbeit unterstützte, hat sich des Materials angenommen und will das Ortsfamilienbuch mit dem Verein Pro Bürgel veröffentlichen. „Es gibt einige kleine Sachen, denen ich nachgehen will“, sagt Mangelmann, „aber im Grunde ist das Buch fertig.“ Etwa 500 DIN-A4-Seiten umfasst das Werk, es soll zum Selbstkostenpreis im Laufe des nächsten Jahres gedruckt werden.

Dass der Interessentenkreis überschaubar sein wird, ist Mangelmann bewusst. Ortsfamilienbücher – früher: Ortssippenbücher – richten sich an familiengeschichtlich Interessierte: Wer seinen Stammbaum erkunden möchte, findet darin Namen und Daten. Auch Mangelmann führte das Interesse an seiner Familiengeschichte zu dem Werk. Für 1678 ist ein Andreas Mangelmann belegt, für 1679 gibt es den Taufeintrag eines Kindes im Kirchenbuch. „Das Buch reicht bis 1875 – von da an können Familieneintragungen in Standesämtern erfragt werden“, sagt er. Die Kirchenbücher sind die Hauptquellen für das Werk. Ab 2004 hat Mangelmann sie für Meyer abfotografiert. Bei Meyers Tod waren diese in eine Datenbank eingetragen, doch es fehlten einige Beiträge, andere waren fehlerhaft. „Für die Jahre 1672 bis 1678 gibt es etwa große Lücken in den Kirchenbüchern.“

Zum Abgleich der Daten hat Mangelmann mit Martin Jäger, der ein ähnliches Werk für Bieber plant, Archive in Marburg, Würzburg und Wiesbaden aufgesucht. Wichtig war es ihm, die jüdischen Familien Bürgels zu berücksichtigen – schließlich gab es dort einst eine rege jüdische Gemeinde. Die im Stadtarchiv erhaltenen Judenmatrikel stellten eine Herausforderung dar, da gerade zu Beginn des 19. Jahrhunderts recht flexibel mit Namen umgegangen wurde, oft nur Rufnamen verzeichnet wurden. „So ist bei Familie Schlesinger ein Hänchen vermerkt, bei einer weiteren Familie ein Lottchen“, sagt Mangelmann. Erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts macht sich die Anpassung an die christliche Mehrheitsgesellschaft bei den Namen bemerkbar.

Wie viel Zeit er investiert hat, will er nicht schätzen. „Wenn der Rest der Familie sonntags Tatort geschaut hat, saß ich mit den Akten in der Ecke“, erzählt er. Auch die Kosten für Archivbesuche möchte er nicht zusammenrechnen.

Für Bürgel und Bieber sind Ortsfamilienbücher in Arbeit, Mangelmann wie der Offenbacher Geschichtsverein hoffen, dass sich auch für ein Rumpenheimer Buch Unterstützer finden.

Von Frank Sommer

Auch interessant

Kommentare