Bürger-Alarm-System

Kein Anruf für besorgte Bürger

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Offenbach - Ruhig ist es geworden um das Bürger-Alarm-System, das vor Einbrechern und Trickbetrügern warnt. Seit Juni haben angeschlossene Teilnehmer keine Meldungen mehr erhalten. Der Grund: Die Betreiber warten seit Monaten auf ein wichtiges Software-Update. Von Fabian El Cheikh

„Das System, an dem derzeit etwa 4500 Teilnehmer angeschlossen sind, wurde zunehmend störanfälliger“, berichtet Frank Weber, der stellvertretende Leiter des Ordnungsamts, „so dass eine grundlegende Hard- und Software-Optimierung unumgänglich geworden ist.“ Warum die technischen Schwierigkeiten auch nach Monaten noch nicht behoben sind, kann offensichtlich keiner der Beteiligten so recht nachvollziehen. „Die Servicefirma macht Lieferprobleme einer bestimmten Hardwarekomponente für die Zeitverzögerungen verantwortlich“, sagt Weber. Die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO), die das System verwaltet, spricht jedoch davon, dass der einzige Mitarbeiter mit Kompetenz für die Update-Auslieferung seit längerer Zeit erkrankt sei.

Der Ausfall ärgert zunehmend auch die Bürger, die für den Service sechs Euro jährlich zahlen und auch abgesehen davon wieder vor Übeltätern in ihrer Umgebung gewarnt werden wollen. „Als älterer Bürger war ich froh, dass ich informiert werde, wenn Drücker oder Diebe unterwegs sind“, sagt unser Leser Ernst Majer. „Aber nun fühle ich mich sehr unsicher, da ich nicht weiß, ob etwas vorliegt oder nicht.“ Wie Polizeihauptkommissar Martin Enz berichtet, hat sich das Alarm-System bislang sehr bewährt. „Wir geben jährlich 40 bis 50 Meldungen raus, wobei wir immer darauf achten, die Balance zu wahren, um Mitbürger nicht zu verängstigen oder durch immer gleiche Meldungen zu langweilen.“

Enz und ein Kollege vom Polizeipräsidium Südosthessen betreiben das 2005 für 60.000 Euro eingerichtete System, das vom Verein „Sicheres Offenbach“ finanziert wird, sich aber durch die Teilnehmergebühr weitgehend selbst trägt. Sie werten Lagebilder aus, sprechen Warnmeldungen auf Band und versenden diese vollautomatisiert mittels Computer auf Fest- und Mobilfunknetz an betroffene Nachbarschaften. 2012 sind so 53 Meldungen zustande gekommen, 2013 bis zur Jahresmitte nur 15.

Das Anmeldeformular für das Alarm-System gibt es unter anderem im Bürgerbüro (Salzgässchen 1) und im Polizeiladen.

Wichtig ist der Polizei zu betonen, dass es sich beim Alarm-System nicht um ein Fahndungsmittel handelt, sondern um ein Mittel der Prävention. Und doch halfen vor einiger Zeit Hinweise aus der Bevölkerung nach einer Warndurchsage, einen Mann vorübergehend festzunehmen, der an Haustüren Zeitschriftenabonnements beworben hatte. Und vor fünf Jahren wurde eine vermisste, orientierungslose 76-Jährige wieder gefunden.

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