Bürger-Hinweise abgebügelt?

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Ausgehoben ist schon. Ein „Vorratsbeschluss“ des Magistrats soll verhindern, dass es wegen ungenehmigter Mehrkosten zu Bauverzögerungen kommt.

Offenbach - Ältere Anwohner der gegenwärtigen Baustelle Beethovenschule sind sich ziemlich sicher: Dort war nie ein Bunker, der erst jetzt von der Aushubfirma hätte entdeckt werden können. Von Thomas Kirstein

Einen mit Bauschutt verfüllten Teich aber, den habe es dort sehr wohl gegeben. Und das, so sagt Albert Blume aus der Schubertstraße, hätte die mit dem von der Stadt mit dem Projekt betraute Firma Hochtief wissen und berücksichtigen müssen.

Wie berichtet, werden im Rathaus wegen „überraschender Entdeckungen“ im Erdreich Mehrkosten von bis zu einer Million Euro befürchtet (die Beethovenschule ist auf 21,8 Millionen veranschlagt). Der Magistrat sollte gestern einen sogenannten Vorratsbeschluss fassen, der den Zuschlag ermöglicht, wenn er tatsächlich notwendig werden sollte: Das Baugrundrisiko verbleibe unabhängig von den Verträgen immer beim Eigentümer.

Diplom-Ingenieur Blume erinnert nun daran, dass er und andere Nachbarn bei einer Bürgerversammlung zum Neubau auf den im sehr feuchten Viertel bekanntermaßen problematischen Untergrund aufmerksam gemacht hätten. Dabei sei deutlich zur Sprache gekommen, dass nach der Erinnerung von alten Bewohnern des heutigen Musikerviertels der dortige Tümpel nach dem Krieg mit Bauschutt verfüllt worden sei. Vom Bauleiter, so erinnert sich Blume, sei das damals „mit einer geradezu arroganten Art“ abgebügelt worden: Alles sei bereits ausreichend geklärt, das Bodengutachten weise auf keinerlei Schwierigkeiten hin.

Rathaus-Mitarbeitern ist indes von der Veranstaltung im Gedächtnis geblieben, es sei bei den Fragen der Anwohner um die Standsicherheit des auf sehr nassem Boden Gebäudes gegangen. Die habe man guten Gewissens zusichern können; in der Leistungsbeschreibung sei die wegen einstiger Gewässer notwendige Auskofferung enthalten. Naheliegend, da die Schäden der alten Beethovenschule einer unzureichende Gründung in einem ehemaligen Sumpfgebiet zugeschrieben werden. (Stadtpläne aus dem 19. Jahrhundert zeigen etliche Bachläufe, spätere Karten legen nahe, dass sich durch Bebauung Tümpel aufgestaut hatten). Was jetzt die Mehrkosten verursachen könne, sei durch die zahlreichen Probebohrungen rund ums alte Gebäude nicht vorher feststellbar gewesen, heißt es jetzt im Rathaus: Unter der nicht angebohrten Bodenplatte habe sich belastetes Material; das dürfe nicht für eine Wiederverwertung etwa im Straßenbau verkauft werden, sondern sei für sehr hohe Gebühren auf einer Deponie zu entsorgen. Die Rede ist unter anderem von meterdicken Mauern - wohl die Relikte, die anfänglich als Weltkriegsbunker interpretiert wurden.

Bei diesen Brocken muss es sich aber nicht zwangsläufig um die Reste eines dort existierenden über- oder unterirdischen Gebäudes handeln. Vielleicht sind es jene Kriegs-Trümmer, die laut der Erinnerung alter Offenbacher in die Senke des ehemaligen Beethovenplatzes gekippt wurden. Falls ja, wäre die Bauleitung nicht schlecht beraten gewesen, auf die Nachbarn zu hören.

Ingenieur Blume befürchtet jedenfalls, dass Bürger für eine bewusst falsche Kalkulation zahlen sollen. Er hat sich vorsorglich an die Staatsanwaltschaft gewandt.

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