Bürger wollen bloß keinen Gestaltungsfurz

Die Bürger debattierten zum Beispiel, ob die Bepflanzung nicht mehr als „Architektenpetersilie“ ist.

Offenbach - Es sind wieder ein paar mehr geworden. Knapp 50 „beteiligte Bürger“ nutzten am Montagabend vier Stunden ihrer freien Zeit, um bei der dritten Veranstaltung zur Umgestaltung des Stadthofs - einer Art Planungs-Workshop - innerhalb einer Woche dabei zu sein. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Damit endete die Chance, bei der Neugestaltung ein Wörtchen mit zu reden. Das darf man sich allerdings nicht so vorstellen, dass darüber abgestimmt wurde, welcher der zehn ausgewählten Vorentwürfe die meisten Stimmen der anwesenden Bürger bekommt. Dafür ist das Verfahren viel zu kompliziert, und die Meinungen sind schon im Vorfeld zu kontrovers. Die Hauptaufgabe des Abends im Stadtparlamentssaal ist es, ein Stimmungsbild zu zeichnen, ob am Stadthof die Pavillons stehen bleiben oder nicht.

Hanne Münster-Voswinkel und Astrid Tschann, beide vom Amt für Stadtplanung und Baumanagement, sowie Oliver Witan von den Netzwerkarchitekten Darmstadt und Christian Datz vom Architekturbüro Datz + Kullmann aus Mainz stehen den Anwesenden jeweils in vier Gruppen zur Seite, um Fragen zu beantworten und Vorentwürfe zu erläutern. In der ersten Runde sind die fünf Entwürfe mit Pavillons dran, nach der Pause die fünf ohne.

Eindeutige Botschaft: Es soll kein Schicki-Micki-Restaurant entstehen. Pläne: Stadt

Hier wird nun lebhaft debattiert, welche Elemente besonders gelungen erscheinen oder ob die Bepflanzung nicht mehr als „Architektenpetersilie“ ist. Die Bürger lassen ihren Eindrücken freien Lauf und nicht jedes Werk hat offensichtlich Lob verdient. So wird Entwurf 8 A als „Gestaltungsfurz“ tituliert und soll technisch nicht lösbar sein. Noch schlimmer: die Feuerwehrzufahrten sind durch Bäume blockiert. Entwurf 3 A gefällt da schon besser. Begehbare Wasserspiele und zusätzliche Bäume überzeugen die Betrachter. Auch ein zweiter Spielplatz und die Holzbänke kommen gut an. Attraktive Sitzgelegenheiten und schöne Bodenbeläge fallen auch bei 6 A ins Auge, fehlende Barrierefreiheit wird aber bemängelt.

„Keine Schicki-Micki-Restaurants“

Gar kein gutes Haar wird an 14 A gelassen: zu wenig Grün, zu minimalistisch, Kommunikation nur im Café möglich. Dazu die eindeutige Botschaft: „keine Schicki-Micki-Restaurants, sondern etwas für jedermann“, auf die gezeichnete Espressobar angespielt. Offensichtlich sind viele Teilnehmer mit den ersten fünf Entwürfen aber schon soweit gesättigt, dass sie mit der Pause vorzeitig den Heimweg antreten. Für ein Stimmungsbild sind es nun eigentlich etwas zu wenige – allenfalls könnte man von einer Tendenz sprechen, die dahingehend lautet: Wir können auf die Pavillons verzichten. Viel wichtiger als die diskutierten Gebäude sind den Bürgern eben doch Begriffe wie Wasser, Bäume, Sitzgelegenheiten.

Am morgigen Donnerstag werden die Entwürfe im Rathaus abgebaut. Wer sich nochmal ein Bild machen möchte, kann dies im Internet tun.

Neben der Pavillonfrage hatten die Planer selbstverständlich noch seitens der Stadt andere Vorgaben zu erfüllen. So war man sich schnell einig, dass möglichst alle Bäume erhalten bleiben, es Spiel- und Sitzmöglichkeiten, ein neues Schachbrett und auch wieder Wasserflächen geben soll. Ferner enthielten die Auslobungsunterlagen eine ganze Reihe von weiteren Kriterien, wie unter anderem Übergänge zu angrenzenden Plätzen, Infrastruktur, Feuerwehrzufahrten, Agenda 21, Aufgänge Tiefgarage und Denkmalschutz.

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Oder weniger hässlich

Die Umgestaltung des Stadthofs ist ein Teil des Projektes „Aktive Innenstadt“ des Städtebauförderungskonzeptes und wurde wegen der undichten Rathaus-Tiefgarage der Marktplatz-Neugestaltung vorgezogen. Für letzteren ist ebenfalls wieder eine Bürgerbeteiligung vorgesehen.

Die Stimmungsbild-Tendenz fließt nun am 16. Juni in die Stadtparlamentsitzung ein. Dann wird nämlich genau darüber abgestimmt, ob die Architektur-Büros in der zweiten Planungsphase mit oder ohne Pavillons ins Rennen gehen. Der endgültige Preisträger soll spätestens im Oktober feststehen.

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