Bürgerbegehren zum Klinikum

Die Linken werben für Unterschriften

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Tobias Huth von den Linken sammelte am Samstag Unterschriften für das Bürgerbegehren gegen den Verkauf des Klinikums.

Offenbach - Es könnte eng werden. Tobias Huth, stellvertretender Kreisvorsitzende der Linken, schätzt am Samstag die Zahl der bisher gesammelten Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen den Verkauf des Klinikums auf 1 300. Von Stefan Mangold

„Was die Jusos und die Piraten zwischenzeitlich gesammelt haben, das weiß ich nicht“. Bis zum 3. Januar müssen 2385 Autogramme von wahlberechtigten Offenbachern mit Adressen auf den Listen stehen, damit die Initiatoren überhaupt eine Chance haben, ihren Vorstoß zur allgemeinen Abstimmung zu bringen.

Die Stadtverordnetenversammlung hatte in ihrer Sitzung am 8. November den Magistrat beauftragt, „einen geordneten Verkaufsprozess in die Wege zu leiten“. Worauf die Piraten das Begehren in die Wege leiteten.

Insolvenz des Klinikums befürchtet

Agnes Stoffels, die am Wilhelmsplatz sammelt, hat Verständnis für Leute, die im Falle eines verhinderten Verkaufs eine Insolvenz des Klinikums befürchten, „klar, die haben Angst um ihren Arbeitsplatz“. Später bekommt sie den Zorn eines Ehepaares zu spüren. „Ihr wisst nicht, was ihr damit anrichtet“ ruft ihr der Mann mit Unterstützung seiner Frau im Vorbeigehen zu. Auf eine Diskussion verzichten die beiden.

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Hoffnung auf Erfolg habe sie nicht, sagt Karin Johannes, die dennoch unterschreibt, „worauf die Privatisierung hinauslaufen kann, lässt sich doch an der Uniklinik in Marburg ablesen“. Die Rhön-Klinikum AG hatte das Krankenhaus übernommen. Patienten und Angestellte beschreiben die Zustände dort als desaströs. Was auch Ulrich Heil für den Fall eines Verkaufs befürchtet, der in seinem sozialen Umfeld Unterschriften sammelte und die Listen jetzt abgibt. Für den Fall einer Privatisierung fürchtet er, „dass die Gewinn orientierten neuen Eigentümer nur noch Leute einstellen, die möglichst wenig kosten“. Ab 2015 könnte das Klinikum schwarze Zahlen schreiben, „bis dahin müsste die Stadt neue Kredite aufnehmen“.

Alltag in einem Krankenhaus

Günther Kurz unterschreibt am Marktplatz. Der ehemalige Postbeamte weiß auch durch seine Frau, wie der Alltag in einem Krankenhaus aussieht. Die arbeitet in der Universitätsklinik in Frankfurt. Die meisten interessierten sich für das Thema erst, „wenn sie selbst mal im Krankenhaus liegen und sehen, wie überlastet das Personal ist“. Eine ältere Frau moniert beim Unterschreiben, „dass wir Geld für Griechenland haben, aber nicht für unser Krankenhaus“.

Ein Mann, der zum Bieberer Berg unterwegs ist, wie sein rotweißer Schal verrät, unterschreibt, „weil Kranke keine Spekulanten brauchen, denen der Schutz der Rendite über dem ihres Lebens steht“.

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