Wasser fließt bald

Bürgerbrunnen für Wilhelmsplatz gewählt

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1. Preis, 5000 Euro: Timur Dogan (Cambridge, USA) und Pascal Kuhn (Frankfurt) haben beide an der TU Darmstadt Architektur studiert, Dogan noch Design in Harvard. Ihr Entwurf eines „verdreieckten“, triangulierten, klassischen Pyramiden-Springbrunnens soll realisiert werden. Die Jury vergab 369 von 480 Punkten. Das Material wäre beschichtetes Sechs-Millimeter-Stahlblech, die grüne Farbe ist als Vorschlag zu verstehen und kann sich noch ändern: Auf jeden Fall soll das als Sitzgelegenheit nutzbare Objekt (Durchmesser etwa neun Meter) durch Spiegelungen und Reflexionen der Umgebung interessante Lichtspiele im Wasser ermöglichen.

Offenbach - Es war ein hartes Ringen angesichts von 27 eingereichten Entwürfen unterschiedlichster Form. Die Jurymitglieder schlossen aus, wählten persönliche Favoriten, debattierten, begründeten, überzeugten, ließen sich überzeugen. Von Thomas Kirstein

Am Ende kristallisierte sich als klarer Favorit ein Vorschlag heraus, der am Anfang oft übersehen wurde: Offenbachs Wilhelmsplatz soll als Symbol von Bürgerengagement einen Brunnen erhalten, der sozusagen Wurzeln der Vergangenheit in moderne Formen faltet.

Die Bürgerstiftung Offenbach mit ihrem Vorsitzenden Winfried Männche hat den auf Anregung verschiedener Initiatoren zurückgehenden Bürgerbrunnen-Wettbewerb ausgelobt. Professionelle Unterstützung gewährt der Designer Club Deutschland, dessen Wettbewerbs-Vorstand Niko Gültig die Jury zum Vorsitzenden wählt.

Kein städtischer Euro fließt an die Preisträger

5000, 3000 und 2000 Euro stehen für die drei Preisträger bereit. Das Geld stammt aus privaten Spenden, wie auch die Verwirklichung ausschließlich durch Gaben von Bürgern und Firmen ermöglicht werden soll. Kein städtischer Euro wird fließen, die Verwaltungskosten übernimmt die Bürgerstiftung, die auch für die Unterhaltung und die Pflege des Brunnens aufkommen will.

Die Ausrichter suchen seit 18. September das „neue Wahrzeichen für den Wilhelmsplatz“. Mit der zertifizierten Ausschreibung angesprochen sind Architekten, Designer und Künstler aus Hessen. 27 Vorschläge gehen innerhalb der Frist ein. Gefordert ist „ein beliebter Treffpunkt aller Bürger“ und „ein gutes Beispiel zeitloser Stadtgestaltung, es soll „den Ansprüchen guten Designs genügen, bei Tag und Nacht weithin sichtbar, sympathisch, auffallend, ein Lichtblick“ ein. Das sind dann auch Bewertungskriterien für das Preisgericht.

16 Juroren fällten am Sonntag das Urteil

Die 16 Juroren, je acht Experten und Laien, treffen sich am vergangenen Sonntag in den Räumen der GBO und lassen sich bis zur Urteilsfindung etliche Stunden Zeit. Was sie begutachten, sind Modelle, Pläne und Beschreibungen. Alles ist anonym, auch die von den Einreichern veranschlagten Kosten sind zunächst geheim und somit kein Kriterium. Um so schöner ist die Überraschung nach Verkündigung des aufgrund vergebener Punkte zustande gekommenen Ergebnisses: Die Kalkulation für das Sieger-Projekt bewegt sich in einem günstigen Rahmen, der den Optimismus erlaubt, dass schon bald wirklich Wasser auf dem Wilhelmsplatz sprudeln kann.

Die Veranstalter bitten um Verständnis, dass momentan noch keine Zahlen genannt werden. Aber im Vergleich zu anderen Beiträgen erwählt die Jury in gleichsam instinktiver Offenbacher Sparsamkeit eine leichter finanzierbare Variante.

Ästhetik trifft auf Funktionalität

Doch darum geht es bei der Beratung nicht. Da treffen ästhetische Belange auf Fragen der Funktionalität; es geht um Eigenständigkeit, Zeitlosigkeit, Selbstbewusstsein; da geben die Fachleute Hinweise auf allzu deutliche Vorbilder; da wird diskutiert, wie futuristisch es werden darf, ob historische Bezüge zu berücksichtigen sind, ob man etwas wagen oder Bescheidenheit üben sollte... Ein Juror, Rosenapotheker Dr. Hans Rudolf Diefenbach, packt die Anforderungen in einen Satz: „Der Brunnen muss mit dem Platz leben, nicht der Platz mit dem Brunnen.“

Spenden:

Konto 11 42 27, Stichwort: „Bürgerbrunnen“, Städtische Sparkasse Offenbach, Bankleitzahl 50550020.

Die letztlich mit dem ersten Preis gekrönten Architekten Timur Dogan (28) und Pascal Kuhn (28) haben nach einmütiger Ansicht der Jury das Kunststück geschafft, etwas anzubieten, was Aufmerksamkeit erregt, das Gesamtbild aber nicht nachteilig dominiert. Die Designer wollen mit ihrem spannenden Entwurf die Sehnsucht nach Vergangenem mit den Vorzügen des Modernen verbinden. Der Computer interpretiert die komplexen Formen des bekannten Springbrunnen-Archetyps auf der Basis von Dreiecken neu. So versprechen sie eine Verbindung „zwischen der Geschichte des Platzes und dem aktuellen Design- und Kunstgedeihen der Stadt“.

Bürgerbrunnen am Wilhelmsplatz: die Entwürfe

Bürgerbrunnen am Wilhelmsplatz - die Entwürfe

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