Bürgerbüro

Lange Warteschlangen nerven viele Offenbacher

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Sie freuen sich, dass der Bürger seinen Personalausweis oder Reisepass seit 1. Januar ohne lästiges Märkchenziehen am ESO-Schalter im Rathaus abholen kann: Peter Walther, Felix Schwenke und Clemens Mickler (von links).

Offenbach - Pass- und Meldewesen, Führerschein- und Zulassungsbehörde: Etwa 600 Kunden betreten täglich das Bürgerbüro – oder stehen davor. Lange Warteschlangen nerven viele Offenbacher. Von Martin Kuhn

Aufatmen und daran vorbei gehen können all diejenigen, die ihren fertigen Personalausweis oder Reisepass abholen wollen. Den gibt’s nun am Schalter des Stadtdienstleisters. „Ein Gewinn für beide Seiten“, urteilen Stadtrat Felix Schwenke und ESO-Geschäftsführer Peter Walther.

Moment mal... Die Ausgabe von diesen Dokumenten ist doch eine hoheitliche Aufgabe. Dürfen ESO-Mitarbeiter das überhaupt? „Selbstverständlich“, sagt der Stadtrat. „Wir haben’s vom Rechtsamt nochmals prüfen lassen. Die Mitarbeiter sind geschult und verpflichtet.“

Hauptärgernis der Bürger

Schwenke sieht damit ein Hauptärgernis der Bürger beseitigt. Viele hatten kein Verständnis, dass sie für die Abholung extra ein Wartemärkchen ziehen und somit lange anstehen mussten. Diese Wartezeit ist in keiner Statistik erfasst; lediglich die Zeitspanne vom Ziehen einer Marke bis zur Abholung der Ausweise ist erfasst. Bislang sechs Minuten.

Mit Blick auf die tägliche Schlange fragten die ESO-Mitarbeiter: „Wie können wir den Kollegen im Bürgerbüro helfen?“ Im Spätherbst führte ein Gespräch zwischen Bürgerbüro-Leiterin Martina Fuchs und Peter Walther zu der Idee, Ausweise und Reisepässe ohne Zwischenschritte direkt auszugeben. Bis zur Umsetzung vergingen gerade sechs Wochen. Die Umsetzung übernahmen Angelika Samarelli, Christian Loose (ESO) und Clemens Mickler (Bürgerbüro). Das Prozedere gilt seit 1. Januar.

Ausgabe über den ESO-Beraterplatz

Um die Ausgabe über den ESO-Beraterplatz zu ermöglichen, wurde dieser mit einer Ausgabetheke ergänzt – zentraler Bestandteil ist das sogenannte Änderungs-Terminal. Denn der Personalausweis kann heute viel mehr als vor 20 Jahren. Mit Abholschein und PIN-Brief der Bundesdruckerei holt der Bürger seinen neuen „Perso“ ab. An Ort und Stelle ist zu ändern, ob der Offenbacher das Dokument künftig auch im Internet als Nachweis nutzen möchte. Falls nicht, wird das mittels des kleinen, hellblauen Geräts geändert. Die Kontrolle, ob mit den neuen Dokumenten alles in Ordnung ist, geschieht übrigens vorher in den Amtsstuben.

Nicht zu ändern ist die Beantragung der Papiere; dafür heißt es auch künftig: Warten bis zum Aufruf. Muss ein neuer Personalausweis beantragt werden, so ist der Antrag persönlich im Bürgerbüro zu stellen. Benötigt werden ein aktuelles biometrisches Lichtbild und der aktuelle Personalausweis. Immer einen Hinweis wert: Vor dem Urlaub Gültigkeit prüfen!

Mehr als 10.000 Mal im Jahr

Das geschieht mehr als 10.000 Mal im Jahr im Bürgerbüro. Für den neuen Personalausweis sind 28,80 Euro fällig, wenn das 24. Lebensjahr erreicht ist. Bis einschließlich 23. Lebensjahr kostet’s 22,80 Euro. Die Gebühren für einen Reisepass liegen bei 59 (37,50) Euro.

Zu verdienen ist an den Dokumenten nichts. „Die Stadt legt auf jeden Fall drauf“, sagt Markus Eck, stellvertretender Leiter des Bürgerbüros. Etwa sechs Euro erhält sie pro Dokument. Gegenzurechnen sind zumindest Arbeitszeit und Arbeitsplatz.

„Wir sind nicht selbstlos“

Also ist auch für den Stadtdienstleister finanziell nichts zu holen. „Wir sind nicht selbstlos“, gesteht Peter Walther lächelnd ein. Als Gegenleistung erhält der ESO kostenlosen Zugang zum Kassensystem im Rathaus.

Fragende Blicke der Journalisten lassen Walther ausholen. So zahlen Offenbacher beispielsweise Expresstermine für Sperrmüll (40 Euro plus Mehrwertsteuer) direkt am Schalter. Und eine weitere „Dienstleistung“ begleichen Offenbacher mitunter in bar: die Gebühren für eine Beerdigung.

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