Bürgerinitiative besuchte Minister

Einig nur über hohe Belastung

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Treff in Wiesbaden (von rechts): Ingrid Wagner, Eva Reiß, Hermann Gaffga, Minister Florian Rentsch und Hans Schinke.

Offenbach - Da trafen sich sozusagen Kontrahenten in Wiesbaden: Die Offenbacher Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) und der für den Flughafen zuständige Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Florian Rentsch (FDP), zeigten keine Berührungsängste.

Das Gespräch war nach dem Protest der BIL anlässlich des Jahresempfangs der IHK Offenbach vereinbart worden.

Zentrales Thema der etwa einstündigen Erörterung war die massive Fluglärmbelastung in Offenbach. Beide Seiten waren sich darin einig, dass Offenbach objektiv hoch belastet sei. Damit hörten jedoch die gemeinsamen Positionen schnell auf.

Minister Rentsch betonte, dass massiv an der Umsetzung des „19-Punkte-Plans“ zum aktiven Schallschutz gearbeitet werde. Einzelne Maßnahmen wie die Anhebung des Gleitwinkels auf der Nordwestbahn von 3 auf 3,2 Grad oder die Verschiebung des westlichsten Eindrehpunkts auf dem nördlichen Parallelanflug (Schonung des Bürgel-Rumpenheimer Mainbogens und des Nordends) seien für Offenbach von Vorteil. Der Minister glaubt auch, dass die technische Verbesserung des Fluggeräts sowie höhere Landegebühren für laute Flugzeuge Wege seien, um die Belastungen in der Region zu vermindern.

Sinkende Zahl von Betroffenen

Maßstab für ihn sei eine sinkende Zahl von Betroffenen, wobei er auf Nachfrage der BIL betonte, dass eine sinkende Zahl von „Hochbetroffenen“ im Vordergrund stehe. „Ich kann zwar die Ursache nicht beseitigen, will aber die Wirkungen minimieren“, meinte Rentsch.

Die BIL schätzt die Situation völlig anders ein. „Nur eine Minimierung des Anstiegs des Fluglärms ist zu wenig“, betonte Vorsitzende Ingrid Wagner. Die bisherigen Maßnahmen des aktiven Lärmschutzes hätten in Offenbach bislang zu keiner spürbaren Verbesserung geführt. Fehlende Beschwerden der Betroffenen dürften nicht zu Falscheinschätzungen der objektiven Situation führen. Denn viele hätten angesichts jahrelang ausbleibender Verbesserungen die Hoffnung aufgegeben.

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Wagner: „Viele denken über Wegzug nach, mittelfristig droht weitere soziale Erosion in Offenbach.“ Darüber hinaus mache Fraport keine wesentlichen positiven Schritte, um im Sinne „guter Nachbarschaft“ durch Vorleistungen die Situation zu verbessern. Es sei deshalb erforderlich, grundsätzliche Maßnahmen wie eine Verlängerung des Nachtflugverbots und eine Begrenzung der Flugbewegungen weiter zu verfolgen.

Nach dem Gespräch fasste die BIL zusammen, dass die ausgetauschten Positionen weiterhin auseinanderliegen. Minister Rentsch hat die Fortsetzung des Dialogs angeboten. „Mit welchem Ziel, das blieb freilich im Dunkeln“, klagt Wagner.

tk

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