Kritik der Initiative Luftverkehr

Lärmschutzbericht: „Nur Petrus hat entlastet“

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Offenbach - In seinem jüngsten Lärmschutzbericht fasst Flughafenbetreiber Fraport die Messergebnisse als „weitere Erfolge“ zusammen.

Da nennt das Ende Dezember veröffentlichte Papier etwa die im Vergleich der europäischen Drehkreuze einmalige Anhebung des Anfluggleitwinkels auf die Landebahn Nordwest von 3 Grad auf 3,2 Grad; die habe „eine messbare Geräuschreduktion erreicht“. Auch seien die in Frankfurt eingeführten lärmabhängigen Entgelte weltweit einzigartig und verstärkten die Anreize, moderne und weniger laute Flugzeuge in die Luft zu bringen.

Die Offenbacher Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) mag sich der positiven Wertung gar nicht anschließen. Im Gegenteil, das Urteil fällt vernichtend aus. Vorsitzende Ingrid Wagner bezeichnet den 23-seitigen Lärmschutzbericht als „Offenbarungseid der Unfähigkeit, Lärm wirksam zu reduzieren“.

Krach durch Fluglärm unverändert

So wird in dem Papier laut den Fluglärmgegnern auf die Allianz für Lärmschutz aus dem Jahr 2012 hingewiesen, die 19 Maßnahmen bündelt, um die Region nachhaltig zu entlasten. Viele gehörten Fraport zufolge bereits zum Regelbetrieb; Peter Schmitz, der „Vorstand Operations“ erkenne gar eine „Vorreiterrolle“ Frankfurts beim Thema Lärmschutz“. Die BIL liest und hört anderes: „Als Ergebnis des Berichts können wir allerdings nur konstatieren, dass der Krach durch Fluglärm bis heute im Wesentlichen unverändert ist.“ So sei dem Bericht zu entnehmen, dass es an den meisten Messpunkten keine wesentlichen Veränderungen gegenüber dem Vergleichszeitraum gegeben habe. Für Offenbach bedeutet das also keine Entlastung.

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Die Anhebung des Anflugwinkels auf 3,2 Grad ab dem 18. Oktober 2012 habe keineswegs wirksame Lärmreduzierung bewirkt, schreibt die BIL. Zudem flögen weiterhin die Flugzeuge der Airbus-A320-Familie „heulend und pfeifend“ über Offenbach und andere Orte. Auch reiße immer noch der erste Flieger die Offenbacher um 5 Uhr aus dem Schlaf, während die letzten Jets oft nach 23 Uhr das Einschlafen verhinderten. Und, so stellt es die BIL fest: „Die Piloten produzieren weiterhin unnötigen Lärm über Offenbach, indem sie oft die Fahrwerke über der Stadt ausfahren.“

Fluglärm-Urteile für Frankfurter Flughafen

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Wenn es denn zeitweilig Entlastung gegeben habe, dann sei das Petrus zu verdanken, meint Ingrid Wagner: „In der Sommersaison 2013 fanden durch häufigeren Ostwind nur 66,2 Prozent der Landungen über Offenbach statt. 2012 waren es 74,4 Prozent.“ Kehrseite dieser wetterbedingten Entlastung sei allerdings verstärkter Fluglärm bei den Starts auf der dann genutzten Route gewesen. Was ebenfalls für die BIL kein Effekt von Maßnahmen zur Lärmminderung ist: Es gab 2013 im Vergleich zum Sommerflugplan 2012 im Durchschnitt ein Prozent weniger Landevorgänge.

Weitere Informationen:

www.bil-of.de

Aktivistin Wagner stellt fest: „Viele Ankündigungen, einige Aktionen und keine wirksame Entlastung der lärmgeplagten Bevölkerung. Wir brauchen aber keinen Aktionismus, sondern Lärmschutz jetzt.“

tk

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