Bürgerinitiative Luftverkehr

Zu viele verspätete Starts

Offenbach (tk) - Die Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) hadert mit dem Hessischen Wirtschaftsministerium. Es erteile Ausnahmegenehmigungen vom Nachtflugverbot überaus großzügig, rügt Vorsitzende Ingrid Wagner.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli gab es eine Ausnahmegenehmigung für verspätete Starts, in der darauffolgenden Nacht zwei. Für beide Nächte wird vom Wirtschaftsministerium als Grund „Kapazitätsengpass aufgrund langer Rollzeiten“ genannt. Wagner: „Dieser Grund ist unverständlich.“ Der Kapazitätsengpass entstehe nicht aufgrund langer Rollzeiten, sondern weil die Fluggesellschaften so viele Starts in der ersten Nachtstunde geplant hätten, dass die Kapazität auch ohne Verspätungen weitgehend ausgeschöpft sei.

Die beiden Flüge am 8. Juli – nach Tel Aviv und Sydney – seien bereits beim Verlassen des Gates verspätet gewesen, weiß die Fluglärmgegnerin. Dabei sei es evident, dass Stunden zuvor in Frankfurt gelandete Langstreckenflugzeuge, pünktlich abgehen könnten. Schon aus Lärmschutzgründen sei es geboten, dass sie ihr Zeitfenster vor 23 Uhr nutzten und sich verspätete Mittelstreckenflugzeuge hinter ihnen anstellen müssten. Auch sei es möglich, rechtzeitig einen für die Startbahn West geplanten Flug auf die (in der frühen Nacht weniger genutzte) Centerbahn zu verlagern und einen Umweg zu fliegen.

Alle Artikel zum Thema Fluglärm im Stadtgespräch

Am Montag, 16. Juli, landete dann nach Angaben der BIL eine Condor-Maschine statt wie vorgesehen um 22.40 Uhr erst, zahlreiche Leute aus dem Schlaf reißend, um 0.09 Uhr. Es gingen daraufhin Beschwerden beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung ein.

Eine Karenzzeit nach 23 Uhr sei nicht vorgesehen, betont Ingrid Wagner: „Genauso strikt wie die BIL und alle Bürgerinitiativen die Einhaltung des (zu kurzen) Nachtflugverbots fordern, verweigert Fraport Betroffenen Lärmschutz, wenn die Grenze des zuschussberechtigten Bereichs auf der angrenzenden Straße verläuft.“

Die BIL-Sprecherin nimmt an, dass die Fluggesellschaften derzeit die Bereitschaft des Wirtschaftsministeriums testen, in Zweifelsfällen Ausnahmegenehmigungen zu erteilen. Für die Behörde lägen wohl alle nur denkbaren Kalamitäten „außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft“. Wagner: „Wir machen somit die Erfahrung, dass das Wirtschaftsministerium sich offenbar nicht dem Schutz der Nachtruhe und der Gesundheit der Bürger verpflichtet fühlt, sondern ausschließlich wirtschaftlichen Interessen.“

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare