Mangelndes Vertrauen

Bürgerinitiative sieht beim Schlosspark „Untätigkeit der Stadt“

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Rumpenheim - Der Schlosspark und dessen Pflege – das ist seit Jahrzehnten ein Streitfall. Als Anfang des Monats erneut Bäume zur Fällung vorgesehen sind, bittet die Stadt zu einem Rundgang, um den Ärger danach zu mildern. Das glückt allerdings nur bedingt.

Mit Kritik hält die lokale Bürgerinitiative nicht zurück, bietet aber auch Hilfe. In seiner jüngsten Sitzung hat der Vorstand mit weiteren Mitgliedern der Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR) über den Schlosspark diskutiert. Neben den Baumfällaktionen wurde vor allem Klage geführt über die „Untätigkeit der Stadt“. Trotz eines Parlamentsbeschlusses im Frühsommer, den sogenannten Aussichtshügel und einen Rundweg um die Zarenlinde anzulegen, sei das Jahr ohne Aktivität verstrichen. „Wieder – wie in den Jahren zuvor – war die Stadt nicht in der Lage, den Auftrag umzusetzen,“ klagt Christin Weber. Entsprechend groß sei die Enttäuschung der BIR-Mitglieder, fügt die stellvertretende Vorsitzende hinzu. Was vielleicht noch schlimmer ist: „Niemand mag mehr den Zusicherungen der Stadt vertrauen, dass diese Maßnahmen 2016 umgesetzt werden.“

Die Aussagen der zuständigen Stadtbediensteten beim Rundgang seien zudem nicht angetan gewesen, „wirklich Hoffnung zu schöpfen“, formuliert Bruno Persichilli. Der Vorsitzende fasst das aus seiner Sicht so zusammen: „Hieß es im vergangenen Jahr, eine Stelle sei nicht besetzt, man sei personell nicht in der Lage, sich um den Rumpenheimer Schlosspark zu kümmern, heißt es nun, die vakante Stelle sei zwar besetzt, aber der Krankenstand im Amt erlaube es auch aktuell nicht, das Projekt anzugehen.“ Die BIR-Mitglieder sind sich einig darin, dass es keine weitere Verzögerung mehr geben dürfe. Das Projekt warte seit Jahren auf eine Umsetzung, die Finanzierung sei gesichert, 90.000 Euro stünden im städtischen Haushalt bereit.

Aber auch die Fällungen im Schlosspark stoßen der Initiative auf. Zwar habe man bei der Begehung akzeptieren müssen, dass die Fällung der 28 Bäume nachvollziehbar ist, „aber es stellen sich trotzdem viele Fragen“. In einer Mitteilung sind einige aufgelistet: Warum wird eine Nachpflanzung nicht gleich mitdiskutiert? Warum bleibt so viel Totholz liegen? Warum werden die Schößlinge von Ahornbäumen und der Wildwuchs der Brombeeren nicht entfernt?

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Heinz Meier-Ebert, der sich seit Jahren mit dem Park beschäftigt, den die Stadt 1965 zusammen mit den Schloss erworben hat: „Die Stadtplanung hat bei der Begehung zwar zugesagt, sich um das Nachpflanzen von Bäumen kümmern zu wollen. Dies begrüßen wir. Aber es gibt keine Antworten auf die anderen Fragen.“ Die BIR sieht im Schlosspark in erster Linie einen denkmalgeschützten Landschaftspark, keinen Waldpark, „wie es einige Leute bei der Stadt seit geraumer Zeit tun. Da werden Belange des Naturschutzes in den Vordergrund gerückt, um die Untätigkeit in Sachen Denkmalpflege zu kaschieren.“

Die meisten Mitglieder sehen ein, dass man Baumstümpfe etwa für Spechte stehen oder etwas Totholz für die Insektenwelt liegen lässt. „Aber alle sehen im Schlosspark zunächst ein Kleinod, das als denkmalgeschützter Landschaftspark gepflegt sein will“, so Persichilli. Dazu möchte die Initiative einen Beitrag leisten. „Wir haben bereits bei der Begehung unsere Mitarbeit beim Ziehen der Ahornschösslinge angeboten. Dabei bleibt es. Wir werden im neuen Jahr auf ESO und Magistrat zugehen“, verspricht er.

mk

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