„Größtes ökologisches Desaster“

Bürgerinitiative warnt vor Bebauung in Offenbach Waldhof

Gegen das Bauprojekt: Andrea Rupp, Christopher Rupp, Daniel Wiljotti, Petra Ott und Peter Janat (von links).
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Gegen das Bauprojekt: Andrea Rupp, Christopher Rupp, Daniel Wiljotti, Petra Ott und Peter Janat (von links).

Die Bürgerinitiative „Natür(lich) Bieber-Waldhof“ sträubt sich nach wie vor gegen die geplante Bebauung von Waldhof-West. Wie berichtet, sollen dort in einigen Jahren auf einer Fläche von zehn Hektar rund 600 neue Wohneinheiten entstehen. Die Mitglieder der BI sehen schützenswerte Natur bedroht und haben deshalb zu einem Rundgang über das Areal geladen.

Offenbach - Garten- und Landschaftsbaumeister Daniel Wiljotti: „Hier herrscht eine ganz andere Artenvielfalt vor, als beispielsweise in Bürgel oder Bieber Nord. Wir haben hier Brachflächen mit Wiesen, eine Waldkulisse, Streuobstwiesen und – was sehr wichtig ist – drei Feuchtwiesenstellen.“ Auf den Brachflächen produziere allein die Nachtkühle zehn bis zwölf Kubikmeter Kaltluft pro Quadratmeter und Stunde. „Das ist auch für die Frischluft der umliegenden Ortschaften sehr wichtig – für Heusenstamm, Obertshausen, Hausen, Lämmerspiel und Mühlheim.“ In den Augen Wiljottis ist Waldhof-West daher ein entscheidender Faktor für den lokalen Klimaschutz. „Hier geht es um das existenzielle Leben – auch das der folgenden Generationen“, betont er.

Während des Rundgangs weist Wiljotti auf die zahlreichen unterschiedlichen Pflanzen hin, die in dem Gebiet wachsen. Apfelbäume, Brombeeren, Heidekraut, Herbstzeitlosen und viele mehr sind auf dem Gelände zu entdecken. Auch zahlreiche Vögel, Insekten, Fledermäuse und Blindschleichen nennen Waldhof-West ihr Zuhause. Wiljotti: „Käme es zu einer Bebauung, wäre es das bis dato größte ökologische Desaster der Stadt Offenbach.“

Bereits Ende letzten Jahres hatte Baudezernent Paul-Gerhard Weiß argumentiert, dass die zu bebauende Fläche eben kein Kaltluftentstehungsgebiet sei. Lediglich beim Waldbereich des Areals handele es sich um ein solches – die Gebäude sollen aber lediglich auf den nahe gelegenen Ackerflächen entstehen, erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Genau diese Ackerflächen hat sich die Bürgerinitiative nun noch einmal genauer angesehen. BI-Sprecher Peter Janat: „Wir haben festgestellt: Der Umbruch der Wiese zu einer Ackerfläche dort war illegal.“ Etwa 4 000 Quadratmeter magere Flachlandmähwiesen seien von einem Landwirt ohne Genehmigung in Acker umgebrochen worden, dies sei durch Luftaufnahmen dokumentiert. Janat: „Wir haben die Stadt darauf hingewiesen, aber sie hat geantwortet: Wenn sie etwas hätte unternehmen sollen, hätten wir zeitnah rechtssicher dokumentieren müssen, dass ein illegaler Umbruch erfolgt ist. Da das keiner gemacht hat, ist die Stadt nicht aktiv geworden.“ Jetzt überlege die Intiative, welche juristischen Schritte sie gehen müsse, um den ehemaligen Zustand der Fläche wiederherstellen zu lassen. „Wenn dann Bebauung entsteht, muss man sich vorher fragen: Welchen Zustand bricht man um?“ Dann werde es nämlich hoffentlich kein Acker mehr sein, sondern eine Feuchtwiese, die ökologisch zu bewerten sei.

Insgesamt zeigt sich Peter Janat zuversichtlich. „Ich bin der festen Überzeugung, mit all dem, was wir recherchiert haben, wird es zeitnah nicht zur Bebauung kommen können.“ Zum einen sei die ökologische Situation des Gebietes den meisten Leuten inzwischen bewusst geworden. Zum anderen glaubt er, dass die zunehmende Verbreitung des Prinzips Home-Office sich künftig lindernd auf den Siedlungsdruck auswirken werde. „Mehr Leute werden von zu Hause aus arbeiten können und müssen nicht mehr täglich ins Rhein-Main-Gebiet einreisen.“

Von Marian Meidel

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